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Empörung über neuen Ärztestreik

ID: 240104


(dts) - Mehrere Krankenkassen üben scharfe Kritik an den von den Hausärzten für Ende August geplanten Protesten und Praxisschließungen. Es sei "deplatziert, berufsständische Interessen auf dem Rücken von Patienten durchzusetzen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker der "Süddeutsche Zeitung" (Dienstagausgabe). Ähnlich äußerte sich auch der DAK-Chef Herbert Rebscher: "Wenn alle Beteiligten im Gesundheitswesen von Einsparungen betroffen sind, ist es nicht nachvollziehbar, eine einzelne Arztgruppe davon auszunehmen." Der Deutsche Hausärzteverband hatte zuvor angekündigt, dass die Streiks am 26. und 27. August in Bayern beginnen sollen. Andere Landesverbände wie Hessen und Rheinland-Pfalz würden sich anschließen. Für den 15. September ist ein bundesweiter Aktionstag geplant. In Bayern wollen die Hausärzte ihre Praxen an den zwei Streiktagen im August schließen. Nur etwa jeder sechste Arzt soll weiterarbeiten und Notfälle versorgen. Hessens Hausärzte planen sogenannte Tage der offenen Praxis. Auch sie werden dann nur in Ausnahmefällen Patienten behandeln. Die Ärzte laden aber Lokalpolitiker und Bürger zu sich ein, um über ihre Lage zu diskutieren. Die bayerischen Hausärzte stimmen derzeit per Fax über ihre Protestaktion ab. Eine endgültige Entscheidung darüber soll Ende dieser Woche fallen. Die Ärzte wehren sich gegen die von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) geplante Änderung der sogenannten Hausarztverträge. Die Vereinbarungen machen die Ärzte zu einer Art Lotsen im Gesundheitssystem. Die teilnehmenden Patienten verpflichten sich, bei Gesundheitsproblemen immer zunächst ihren Hausarzt aufzusuchen. Dieser vermittelt sie - wenn nötig - an Fachärzte weiter. Auf diese Weise sollen teure Doppeluntersuchungen vermieden werden. Die Patienten erhalten für die Teilnahme eine ermäßigte Praxisgebühr - die Ärzte bekommen ein höheres Honorar. Die Hausarztverträge haben die finanzielle Situation der Allgemeinmediziner zuletzt deutlich verbessert. Allein in Bayern, sind die Honorare nach Aussage des Verbandes um 25 Prozent gestiegen. Solche Zuwachsraten will Rösler künftig begrenzen. In neuen Verträgen sollen die Honorare darum künftig nicht stärker steigen als die allgemeine Vergütung der Ärzte, kündigte der Minister an. Die Krankenkassen befürworten die Reformpläne. Sie stört, dass sie gezwungen sind, Hausarztverträge anzubieten, obwohl noch nicht bewiesen ist, dass sich damit Kosten sparen lassen. Außerdem kritisieren die Kassen die starke Stellung des Hausarztverbandes, der per Gesetz immer der erste Verhandlungspartner ist und darum zum Teil hohe Honorarzuwächse durchsetzen konnte.



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Datum: 10.08.2010 - 01:01 Uhr
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