Smartphones hin, Digitalkameras her: Ein gutes Bild entsteht auch heute noch im Kopf
Landesentscheid der Deutschen Meisterschaft im Handwerk in Mannheim: Fotografen-Nachwuchs zeigt Können in Bildsprache und ideenreicher Umsetzung – Sieg geht nach Freiburg
(LifePR) - Ein gutes Bild sagt alles in einer Sprache, die keine Worte braucht. Das scheint auch dann zu gelten, wenn Fotografien bewertet werden. So geschehen beim Landesentscheid zur Deutschen Meisterschaft im Handwerk, der vergangene Woche in der Bildungsakademie der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald stattfand. Eine Jury aus drei Profis bewertete die Arbeiten von drei Fotografengesellinnen, die sich als die Kammerbesten in Baden-Württemberg für die nächste Stufe des Wettbewerbs qualifiziert hatten. Das Fazit zu einer der Arbeiten der Gewinnerin: „Was soll man sagen – es ist halt einfach gut!“, so Jurymitglied und Fotografenmeister Thomas Rittelmann.Mit 91,6 von 100 möglichen Punkten erreichte Johanna Winterhalter von der Handwerkskammer Freiburg die höchste Punktzahl und sicherte sich als Landessiegerin die Möglichkeit, ihre Kammer auch auf Bundesebene zu vertreten. Auf Platz zwei kam mit 70,9 Punkten Maya Wilstermann von der Handwerkskammer Region Stuttgartund auf Platz drei mit 69,7 Punkten Florentine Rösch (Handwerkskammer Konstanz).Beruf des Fotografen im WandelDass der Landesentscheid nur drei Teilnehmende vorweisen konnte, war für die Jury-Mitglieder eine traurige Randnotiz. Im besten Falle hätte jede der acht Kammern in Baden-Württemberg einen Vertreter entsenden können. Doch dies scheiterte entweder an der Qualität der erbrachten Leistungen (für die Teilnahme auf Kammerebene ist ein Prüfungsabschluss mit einer Gesamtnote von mindestens „gut“ erforderlich) oder überhaupt am Mangel ausgebildeter Fotografen. „Viele Fotografen machen ihr Hobby heute im Nebenerwerb“, sagt Jurymitglied Isabell Giese, technische Lehrerin an der Johannes-Gutenberg-Schule in Heidelberg. „Diejenigen, die heute noch ausbilden dürfen, sind die, die demnächst in Rente gehen.“ Das habe enorme Auswirkungen auf den Beruf des Fotografen. Auch Fotografenmeister Herbert Gläss, seines Zeichens Obermeister der Fotografen-Innung Nordbaden stellt dies fest. Ende der Achtzigerjahre habe man im dualen Ausbildungssystem noch Klassenstärken um die 25 Schülerinnen und Schüler gehabt. Das sei lange vorbei. Heute dürfe man sich freuen, wenn eine Klasse mit zehn Auszubildenden zustande käme.Blick auf jedes Detail im BildSo blieb der dreiköpfigen Jury diesmal eben der Blick auf die Abschlussarbeiten zur Gesellenprüfung von lediglich drei nun ausgebildeten Nachwuchsfotografinnen. Bewertet wurden Bildkonzeption und Farbharmonien, Retuschearbeiten und Aufwand der Umsetzung, Ideen und Formgebung, Schwierigkeitsgrad und ob die Aufgabenstellung überhaupt getroffen wurde. So manches, was für die Profis ins Gewicht fiel, wäre dem Laien wohl gar nicht aufgefallen. „Schade, dass hier die Senkrechte fehlt“, kommentierte Thomas Rittelmann die Fotografie eines sakralen Bauwerks, das bis auf diesen kleinen Makel durchaus begeisterte. Doch manchmal sind es eben genau diese Kleinigkeiten, die zur Perfektion führen. Und auch wenn der Normalverbraucher vielleicht gar nicht benennen kann, was nicht stimmt, bleibt da dieses Gefühl. „Fotografie hat sich sehr verändert“, sagt Isabell Giese. Jeder fotografiere heute alles mit seinem Smartphone. Das habe auch Auswirkungen auf die Bereitschaft, für professionelle Fotografie angemessene Preise zu bezahlen. Ein Paradebeispiel hierfür sei die Hochzeitsfotografie. Da seien noch vor wenigen Jahren Preise zwischen 1.500 und 3.000 Euro ganz selbstverständlich gewesen. „Heute bezahlen das nur noch wenige. Wir sehen eine deutliche Entwicklung dahingehend, dass entweder sehr geringe oder aber sehr hohe Preise bezahlt werden – das Mittelsegment entfällt“, sagt Herbert Gläss.Mediengestaltung im KommenZwangläufig schlage damit auch die Ausbildung zum Fotografen neue Wege ein und rücke immer enger mit der Mediengestaltung zusammen. Inhaltlich habe sie mit dem Aufkommen der Digitalfotografie ohnehin einen starken Wandel durchlaufen. „Die langsame Arbeitsweise ist ganz weggefallen“, sagt Isabell Giese. „Vorher zu überlegen, zu durchdenken, zu planen und dann mit 24 Bildern durch zu sein – das war einmal. Die Konzeptarbeit findet nicht mehr so statt.“Und doch macht sie den Unterschied, wie sich auch beim Landesentscheid der Deutschen Meisterschaft im Handwerk in Mannheim zeigte. Denn:„Ein Bild entsteht immer noch im Kopf“, sagt Fotografenmeister Herbert Gläss. Man sieht es einem Foto also an, wenn das Konzept stimmt. Landessiegerin Johanna Winterhalter konnte auch in diesem Punkt die Jury überzeugen. Ihre Produktfotos, die die Spritzigkeit von Getränken inmitten von Wassertropfen inszeniert und Geschmack mit Farben sichtbar macht, kamen an. „Das ist eine Heidenarbeit“, so Fotografenmeister Thomas Rittelmann anerkennend. „Und eine Riesensauerei. Ich habe schon mal Ähnliches gemacht.“ Der Aufwand hat sich gelohnt. Im nächsten Schritt wartet nun der Bundesentscheid auf die Nachwuchsfotografin.
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Datum: 23.10.2026 - 13:33 Uhr
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