Ohne Weiterbildung keine Energiewende: Handwerk fordert bessere Förderung

(PresseBox) - Energiewende, Digitalisierung und tausende anstehende Betriebsübergaben erhöhen den Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften im Handwerk. Die Handwerkskammer Region Stuttgart fordert daher eine stärker finanzielle Förderung der Höheren Berufsbildung durch das Aufstiegs-BAföG, um die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zu sichern.
Die Anforderungen an Handwerksbetriebe wachsen rasant: Die Energiewende, neue gesetzliche Vorgaben, Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz schaffen neue Aufgaben und Geschäftsfelder. Gleichzeitig stehen allein in der Region Stuttgart in den kommenden Jahren rund 5.000 Handwerksbetriebe zur Übergabe an die nächste Generation bereit. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, braucht das Handwerk mehrqualifizierte Fach- und Führungskräfte.
„Die Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft werden nicht ohne gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker gelingen. Ob Energiewende, klimafreundliches Bauen, Digitalisierung oder Betriebsübernahmen – dafür braucht es Menschen mit spezialisiertem Fachwissen und unternehmerischen Kompetenzen“, betont Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Reform des Aufstiegs-BAföG reicht nicht aus
Die Handwerkskammer begrüßt die im Entwurf des Fünften Gesetzes zur Änderung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) vorgesehenen Verbesserungen. Jedoch bleibe die Reform hinter den tatsächlichen Bedürfnissen der Betriebe und Fachkräfte zurück. So werde weiterhin keine zweite Fortbildung auf derselben Qualifikationsstufe gefördert – obwohl Spezialisierungen in vielen Gewerken immer wichtiger werden. Und während akademische Bildungswege weitgehend gebührenfrei sind, müssen angehende Meister:innen, Betriebswirt:innen oder Spezialist:innen im Handwerk auch zukünftig erhebliche Eigenanteile und Zinskosten bei KfW-Darlehen tragen.
„Wer heute eine Weiterbildung absolviert, investiert nicht nur in die eigene Karriere, sondern übernimmt Verantwortung für die Zukunft seines Betriebs und unseres Wirtschaftsstandorts. Deshalb brauchen wir Förderbedingungen, die die Höhere Berufsbildung attraktiver machen und berufliche Bildungswege als gleichwertig zu akademischen Bildungswegen behandeln“, fordert Reichhold.
Qualifizierte Fachkräfte sichern Energiewende
Allein im vergangenen Jahr qualifizierten sich rund 200 Handwerkerinnen und Handwerker an der Bildungsakademie der Handwerkskammer Region Stuttgart für Führungsaufgaben, Betriebsübernahmen oder neue Aufgaben im Zuge der Energiewende. „Weiterbildung verlangt Einsatz und Durchhaltevermögen, deshalb freut es uns sehr, dass so viele diesen Weg gegangen sind“, so Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Doch das Handwerk braucht noch mehr hochqualifizierte Fachkräfte: Nur wer sich weiterbildet, bleibt handlungsfähig und gestaltet Veränderungen aktiv mit.“
Einer der diesjährigen Absolventen ist Maximilian Fauser aus Stuttgart. Der Installateur- und Heizungsbaumeister ist Gebietsleiter bei der Firma perma-trade und bildete sich zum Gebäudeenergieberater (HWK) weiter, um sich gezielt für die wachsenden Anforderungen im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz zu qualifizieren. „Die Weiterbildung war für mich eine echte Investition in die Zukunft. Sie hat mir nicht nur fachlich neue Perspektiven eröffnet, sondern auch den Anstoß gegeben, mich nebenberuflich als Gebäudeenergieberater unter dem Namen „Commitment-Energy“ selbstständig zu machen“, berichtet Fauser. Gebäudeenergieberater unterstützen Eigentümer und Unternehmen dabei, Gebäude energetisch zu optimieren und Energiekosten zu senken. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende.
Auch Paul Grünberger aus Korb, Servicetechniker der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) bei der Rolf Knapp GmbH, setzt auf zusätzliche Qualifikationen. Er absolvierte den an der Bildungsakademie entwickelten Kurs zum SHK-Experten für Nachhaltige Gebäudetechnik – deutschlandweit die erste Möglichkeit für SHK-Fachkräfte, sich umfassend zu technischen Gebäudesystemen wie Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen weiterzubilden. Der Lehrgang qualifiziert Fachkräfte für genau jene Aufgabenfelder, die für die Transformation des Gebäudesektors immer wichtiger werden. „Ich wollte technisch nicht abgehängt werden“, sagt Grünberger. „Die vertieften Kenntnisse helfen mir jetzt dabei, Probleme an Kundenanlagen schneller und gezielter zu lösen. Außerdem bin ich deutlich vielseitiger einsetzbar.“
Weiterbildung stärkt Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks
Für die Handwerkskammer steht fest: Ohne Investitionen in die Höhere Berufsbildung werden weder die Energiewende noch die Sicherung von Betriebsnachfolgen erfolgreich gelingen. „Gut qualifizierte Fachkräfte sind der Schlüssel für Innovation, Wertschöpfung und Wachstum im Handwerk. Wer sich weiterbildet, schafft die Grundlage für neue Geschäftsfelder, übernimmt Führungsverantwortung oder führt künftig selbst einen Betrieb. Deshalb muss die Politik die Weiterbildung deutlich stärker finanziell fördern“, so Kammerpräsident Reichhold.
Informationen zu den verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten finden Sie auf der Website der Bildungsakademie der Handwerkskammer Region Stuttgart: www.bia-stuttgart.de/
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Datum: 24.07.2026 - 09:29 Uhr
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