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„Verteilerin im System“

ID: 2262705

Berufsbetreuerin Astrid Lünse unterstützt Menschen in verschiedenen Lebenslagen


(LifePR) - DenÜberblick behalten und Brücken bauen. So könnte man die Arbeit von Berufsbetreuerin Astrid Lünse aus Ulrichstein zusammenfassen. Sie ist mitverantwortlich für die ganz kleinen und die ganz großen Fragen im Leben ihrer Klienten. Denn vom irrtümlich abgeschlossenen Zeitschriften-Abonnement bishin zum letzten Willen auf dem Sterbebett reicht das Spektrum ihrer Berufung. Und ganz wichtig dabei: Den Überblick bei Anträgen, Bescheiden oder Kontoauszügen behalten und zwischen Klienten, Behörden und Institutionen Brücken bauen.Immer dann, wenn ein Mensch etwa aufgrund von Unfall, Krankheit oder Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder in Teilen nicht mehr selbst regeln kann, kommen vom Gericht bestellte Berufsbetreuer ins Spiel. So auch Astrid Lünse, wie sie beim Gesprächstermin in ihrem Büro am Ulrichsteiner Schlossberg berichtet. „Gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin betreue ich aktuell 65 Menschen, die aufgrund von Erkrankungen oder anderer Einschränkungen etwa Hilfe bei Anträgen, Formularen, Dokumenten oder Finanzen benötigen.“Dazu braucht es eine ganze Menge verschiedener Fähigkeiten, denn Kenntnisse im Sozialrecht sind ebenso wichtig wie in medizinischen oder psychologischen Fragen. „Außerdem darf man keine Angst vor Zahlen oder Geld haben“, fügt die studierte Bilanzbuchhalterin an.Generell ist ein gewisses Maß an Lebenserfahrung vorteilhaft im Beruf, ist Astrid Lünse überzeugt. Dass sie diese besitzt, daran lässt die Berufsbetreuerin keinen Zweifel. Vor ihrer Betreuerinnentätigkeit arbeitete sie als Buchhalterin, Programmiererin sowie Busfahrerin und erwarb im Studium Qualifikationen als psychologische Beraterin sowie Personal Coach und darf sich „Berufsbetreuerin mit Hochschulzertifikat“ nennen. „Man muss unheimlich viele Berufungen haben“, sagt sie. Denn in ihrem Arbeitsalltag begegnet sie all den großen und kleinen Problemen, die das Leben so mit sich bringt.Astrid Lünse verbringt rund zwei Drittel der Woche im Büro, „denn ein großer Teil unseres Alltags besteht aus Briefen“, sagt sie und nennt sich „eine Verteilerin im System“. Denn Anträge müssen geschrieben, Dokumente geprüft, Nachweise erbracht und Bescheide etwa zu den Klienten und den beteiligten Behörden weitergeleitet werden. „Wir arbeiten quasi täglich mit Banken, Behörden, Gerichten und weiteren Institutionen zusammen. Dabei gilt es, als‚Anwalt‘ der Klienten zu fungieren und ihre Interessen zu vertreten“, führt die Berufsbetreuerin aus. Gleichzeitig ist sie „Verteilerin im System“, wie sie es nennt. Denn oft läuft die Korrespondenz – etwa zwischen Behörden oder Geldinstitut und Klienten – direkt über die Betreuerin. „Man trägt eine immense Verantwortung für seine Klienten. Vom Rentenantrag über die Stromrechnung bis hin zur Entscheidung über medizinische Behandlungen reicht letztendlich das Aufgabenspektrum“, führt sie aus.Dabei ist es wichtig,„ein Gespür für das Gegenüber, aber auch für sich selbst zu haben“, sagt die Berufsbetreuerin. Denn zuweilen sind belastende Situationen oder Fragen zu klären. In diesen Momenten auch das Rüstzeug zu haben, sich selbst zu schützen, ist sehr wichtig. „Eine Portion Humor hilft dort genauso, wie realistisch zu sein und loslassen zu können“, sagt Astrid Lünse. Man muss seine Mitmenschen mögen, „aber trotzdem muss man sich auch abgrenzen können.“ Auch sich abzugrenzen und strukturieren zu können, was subjektiv und objektiv gerade wichtig und unwichtig ist, hilft sehr, führtsie aus.Austausch hilft bei SchwierigkeitenGerade bei komplexen oder belastenden Betreuungsfällen ist Astrid Lünse froh, sich mit Berufskolleginnen und -kollegen austauschen zu können. „Es hilft dabei, einen Blickwinkel einzunehmen, die Sache von einer anderen Seite aus zu betrachten. Und es hilft auch dabei, einen guten Umgang mit belastenden Situationen zu finden“, sagt sie. Das ist etwas, das sie auch jungen Berufskollegen mit auf den Weg gibt. „Ich teile meine Erfahrungen gerne mit Berufseinsteigern und unterstütze bereitwillig die neuen Kollegen“, ergänzt sie.Berufsbetreuer gesuchtNachwuchs für die Profession ist auch bei der Betreuungsbehörde des Vogelsbergkreises ein wichtiges Thema. Denn zum 31. Dezember 2025 gab es im Vogelsbergkreis insgesamt 36 Berufsbetreuer, die mehr als 1.300 Betreuungen berufsmäßig führen. Altersbedingt scheiden allerdings in den kommenden Jahren einige Berufsbetreuer aus, wie es vonseiten der Betreuungsbehörde heißt.Berufsbetreuer ist kein Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Um Berufsbetreuer werden zu können, müssen sich Personen bei der Betreuungsbehörde registrieren lassen und verschiedene Anforderungen erfüllen. Neben der persönlichen Eignung und Zuverlässigkeit ist eine ausreichende Sachkunde in unterschiedlichen Modulen nachzuweisen. Dabei kann die Betreuungsbehörde bestimmte absolvierte Ausbildungsinhalte oder berufliche Vorerfahrungen ganz oder teilweise als Sachkundenachweis anerkennen. Bei Volljuristen und Personen mit abgeschlossenem Studium der Sozialpädagogik oder der Sozialen Arbeit gilt die Sachkunde sogar als nachgewiesen.Ist die Registrierung bei der Betreuungsbehörde abgeschlossen und wird man vom Amtsgericht als Berufsbetreuer bestellt, orientiert sich die Vergütung nach der Qualifikation des Betreuers, der Dauer der Betreuung sowie nach dem Vermögensstatus des Betreuten, heißt es in der Pressemitteilung.Menschen, die eine Tätigkeit als Berufsbetreuer in Betracht ziehen und die Anforderungen erfüllen, können sich per E-Mail an betreuungsbehoerde(at)vogelsbergkreis.de wenden oder sich telefonisch unter 06641 977-2086 oder -2081 informieren.



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Datum: 16.07.2026 - 12:39 Uhr
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