Deutsche Mehrwegkonferenz: Deutsche Umwelthilfe zeichnet Mehrweginnovationen aus und kritisiert verfehlte Mehrwegförderung im Verpackungsgesetz

(ots) -
- DUH und Stiftung Initiative Mehrweg bringen auf bislang größter Mehrweg-Veranstaltung über 550 Akteure aus Politik, Unternehmen, Kommunen und Zivilgesellschaft zusammen
- Gestern beschlossenes Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz verfehlt Chance für Innovationen: DUH fordert zentral koordinierte und verbindliche finanzielle Mehrwegförderung
- Mehrweginnovationspreis geht an Unternehmen für digitale Lösungen zum effizienten Management von Mehrwegsystemen sowie für ein neues Mehrwegsystem für Lebensmittelverpackungen wie Öl und Essig
Mehrwegsysteme sind Innovationstreiber, stärken regionale Wirtschaftskreisläufe, tragen zu Ressourcenunabhängigkeit bei und werden für das Erreichen der europäischen Abfallvermeidungsziele unverzichtbar sein. Das zeigt die vierte Deutsche Mehrwegkonferenz der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die in diesem Jahr im Rahmen der ReuseLogistics and Leadership Days (RLLD) der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) stattfand. Mit mehr als 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft verdeutlichte die bislang größte Mehrwegveranstaltung Deutschlands das wachsende Interesse an praxistauglichen Mehrweglösungen. Damit sich diese flächendeckend etablieren können, fordert die DUH eine zentral koordinierte und verbindliche finanzielle Förderung von Mehrwegsystemen. Diese Chance wurde mit dem gestern beschlossenen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz jedochverpasst, das die Vorgaben aus der EU-Verpackungsverordnung in deutsches Recht übersetzen soll.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH:"Für eine ressourcenresiliente und umweltschonende Verpackungswirtschaft brauchen wir skalierte Mehrwegsysteme. Der Bundestag steuert mit dem gestern beschlossenen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz allerdings weiter auf einem Einweg-Kurs. Und das, obwohl Brüssel mit der EU-Verpackungsverordnung klare Abfallvermeidungsziele vorgegeben hat. Wir brauchen eine konsequente Förderung von Mehrweg mit höheren Mehrwegquoten, eine Abgabe auf Einweg-Takeaway-Verpackungen und einen verbindlichen, zentral gesteuerten finanziellen Fördermechanismus für Mehrwegsysteme. Stattdessen dürfen Unternehmen nun zwischen freiwilligen Einzelmaßnahmen zur Stärkung von Mehrweg auswählen, ohne ausreichende Transparenz und Kontrolle. Wir appellieren an Bundesumweltminister Carsten Schneider, das Gesetz schnellstmöglich zu novellieren und eine verbindliche und wirksame finanzielleMehrwegförderung durchzusetzen."
Der deutsche Mehrwegmarkt entwickelt sich kontinuierlich weiter. Drei Konzepte hat die DUH gemeinsam mit der SIM mit dem Mehrweg-Innovationspreis ausgezeichnet: Das Unternehmen dotch wurde für ein hersteller- und händlerübergreifendes Glas-Mehrwegsystem für Lebensmittelverpackungen wie Öl, Essig, Sirup, Obst- und Gemüsekonserven ausgezeichnet. Das Unternehmen Sykell erhielt den Preis für seine KI-gestützte Plattform Circular ERP zur Digitalisierung und Optimierung der Verpackungslogistik. Ausgezeichnet wurde zudem die Plöckl Media Group für ihre Tracking-Lösungüber RFID-Labels, die eine automatisierte Erfassung von beispielsweise Mehrweggetränkekästen über die gesamte Lieferkette ermöglicht. Insgesamt kann der CO2-Ausstoß durch den geringeren Transportaufwand und Ressourcenverbrauch um bis zu eine Tonne pro 1.000 Kästen im Jahr verringert werden.
Jens Oldenburg, Geschäftsführer Stiftung Initiative Mehrweg:"Unsere Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, wie Unternehmen mit innovativen Lösungen wie im Bereich der Digitalisierung Mehrwegsysteme effizienter, wirtschaftlicher und skalierbarer machen. Während in den vergangenen Jahren zahlreiche Einwegprojekte gefördert wurden, fehlt Mehrwegunternehmen weiterhin die notwendige Unterstützung. Die Lösungen sind vorhanden.Jetzt braucht es eine gezielte Anschubfinanzierung, damit Unternehmen ihre Innovationen schnell in die Breite tragen und die Ziele der EU-Verpackungsverordnung erreichen können. Wenn das das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz aktuell nicht bietet, sollten Mehrwegunternehmen Förderung über das Aktionsprogramm der Kreislaufwirtschaftsstrategie in Anspruch nehmen."
Um umwelt- und klimafreundliche Mehrweglösungen voranzutreiben, hat die DUH die Deutsche Mehrwegkonferenz im Jahr 2020 ins Leben gerufen. In diesem Jahr wurde sie erstmals im Rahmen der RLLD der SIM ausgerichtet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblicke in innovative Mehrwegkonzepte in den Bereichen Logistik, Design, Digitalisierung und diskutierten die Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung. Eröffnet wurde die Konferenz von Bundesumweltminister Carsten Schneider sowie der Berliner Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Ute Bonde.
Ute Bonde, Berliner Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt:"Mehrweg ist kein nice to have , sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und Mehrweg funktioniert. Das ist keine Behauptung - das ist Erfahrung. Berlin hat gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe ein Pilotprojekt zur vereinfachten Mehrweg-Rückgabe in Supermärkten umgesetzt. Die Ergebnisse liegen vor - und sie sind eindeutig: Wenn Rückgabe einfach ist, wird sie genutzt. Logistik ist lösbar. Wir erarbeiten gerade die Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie. Eine umfassende, ressortübergreifende Strategie, die Kreislaufwirtschaft als Standard begreift - nicht als Ausnahme. Wir werden uns ehrgeizige Ziele setzen. Und wir werden uns daran messen lassen."
Links:
- Steckbriefe der Preistragenden des Mehrweg-Innovationspreises: https://ots.de/EYWXyG
- Hintergrundinformationen zur Deutschen Mehrweg-Konferenz: https://ots.de/1wCQy2
- Fotos von der Deutschen Mehrweg-Konferenz: https://www.picdrop.com/ch.thomas/X1Vfnd6BBR
Pressekontakt:
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin DUH
0170 7686923, metz(at)duh.de
Dr. Jens Oldenburg, Geschäftsführer Stiftung Initiative Mehrweg
0172 1757311, j.oldenburg(at)stiftung-mehrweg.de
Pressestelle der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
030 9025-1090, pressestelle(at)senmvku.berlin.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse(at)duh.de
www.duh.de
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Datum: 12.06.2026 - 11:35 Uhr
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