ADAC Kinderfahrradhelm-Test mit ernüchterndem Ergebnis: Kein Helm erreicht die Gesamtnote"gut"/ Testverlierer kostet 80 Euro, verstellt sich aber bei der Fahrt von selbst

(ots) - Ein guter Fahrradhelm ist eine Lebensversicherung bei einem Sturz - ganz besonders für Kinder. Umso wichtiger ist es für Eltern, dass sie wissen, welche Fahrradhelme für ihren Nachwuchs wirklich gut geeignet sind. Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest 18 Kinderfahrradhelme im Labor auf ihre Unfallsicherheit getestet, mit Probanden auf ihre Bedienfreundlichkeitsowie den Tragekomfort überprüft und einer Schadstoffprüfung unterzogen.
Im Rahmen des Testverfahrens wurden in diesem Jahr die Kriterien weiterentwickelt: So gibt es zusätzliche Bewertungspunkte für die Riemen und das Verschlusssystem. Dazu zählen der Mikroschlupf, also ein unerwünschtes Verstellen der Verschlüsse während der Fahrt, der Rütteltest an den seitlichen Gurtteilen sowie die Prüfung, ob sich Verschlüsse unbeabsichtigt lösenkönnen. Angepasst sind zudem einige Bewertungen des Tragekomforts. Die Ergebnisse sind deshalb mit dem letzten Kinderhelmtest von 2022 nur bedingt vergleichbar. Die gestiegenen Anforderungen und eine unzureichende Weiterentwicklung der Produkte führen dazu, dass kein Helm die Gesamtnote"gut"erreicht".
Die erfreuliche Nachricht ist zunächst, dass jeder der 18 Helme bei einem Unfall vor schweren Kopfverletzungen schützt. Am besten gelingt das dem günstigsten Produkt im Test: Der Helm von Crivit kostet nur knapp 15 Euro, erreicht im Test neben nur einem weiteren Modell eine gute Bewertung beim Unfallschutz und wird zugleich Testsieger über alle Kategorien (Gesamtnote 2,6). Der Helm, der für Lidl produziert wird, besticht vor allem in Sachen Sichtbarkeit. Er hat gut sichtbare Reflexionsstreifen und zudem ein verbautes Rücklicht, bei dem die Batterien mit wenig Aufwand selbst gewechselt werden können. Schwächen zeigt er dafür beim Tragekomfort, der nur mit ausreichend bewertet wurde.
Zwei Helme im Test können nicht empfohlen werden: Der Abus YouDrop und der Melon Urban-Active erreichen beim Unfallschutz nur die Note"ausreichend". Beide Modelle haben Schwächen beim Schutz vor Kopfverletzungen im Bereich der Schläfen. Der Helm von Abus ist zudem im Dunkeln nur schwer zu erkennen, da er nur über einen kleinen Reflektor verfügt. Beim knapp 80 Euro teuren Modell von Melon haben die Testergebnisse einen sogenannten"Mikroschlupf"ergeben. Das heißt: Während der Fahrt lockert sich das Gurtband, weshalb man es regelmäßig kontrollieren und nachstellen muss.
Im Gesamtergebnis zeigt sich, dass es bei ausnahmslos jedem Helm noch Verbesserungspotenzial gibt. Viele Punkte könnten mit einfachsten Mitteln behoben werden. Reflexionsmaterial, besonders an den Gurtbändern, erhöht signifikant die Sichtbarkeit im Dunkeln. Gesicherte Gurtenden verhindern das unbeabsichtigte Lösen von Verschlussteilen und gut einstellbare Gurtverteiler erleichtern die Handhabung. Der Tragekomfort kann unter anderem durch das Gewicht des Helms verbessert werden. Der schwerste Helm im Test (Bell Span) ist mit 397 Gramm fast doppelt so schwer wie der leichteste Vertreter von Prophete (204 Gramm) - bietet aber keinen besseren Schutz vor Kopfverletzungen.
Eltern, die einen Fahrradhelm für ihre Kinder suchen, sollten vor dem Kauf verschiedene Produkte ausprobieren. Da jede Kopfform individuell ist und es viele Helme nur in bestimmten Größen gibt, ist der Tragetest sehr wichtig. Außerdem rät der ADAC zu Helmen mit möglichst guter Sichtbarkeit, also Reflexionsmaterial und aktivem Licht, bei dem die Batterie einfach getauscht oder aufgeladen werden kann. Ebenfalls wichtig: Sollte das Kind mit dem Helm stürzen, muss dieser ausgetauscht werden. Viele Schäden sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, können aber bei einem erneuten Sturz die Schutzwirkung vermindern.
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