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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Papst Franziskus
Zurück zu den Wurzeln
BERNHARD HÄNEL

ID: 988361

(ots) - Es klingt wie Revolution, ist aber nur ein
erster Schritt zu dringend notwendigen Reformen. Papst Franziskus
will die Kirche in die Zukunft führen und den ratzingerschen
Stillstand beenden. Das wurde auch Zeit. Seit dem II. Vatikanischen
Konzil, auf das nicht nur die Katholiken so große Hoffnungen
hinsichtlich einer reformierten Kirche gesetzt hatten, war es stetig
rückwärts gegangen. Der neue Papst verheißt Aufbruch und verkörpert
ihn überzeugend. Bescheiden, demütig und fröhlich kommt er daher.
Seine Sprache ist froh wie die Botschaft, die Christen empfangen
haben. Entsprechend lautet der Titel seines Schreibens: "Evangelii
Gaudium" - Freude des Evangeliums. Franziskus versucht seine Kir-che
aus ihrem klerikalen Elfen-beinturm herauszuholen, in dem sie sich
seit Jahrhunderten - kurz unterbrochen nur durch Johannes XXIII. -
bequem eingerichtet hat. Er will zurück an die Wurzeln, fordert etwas
wie Graswurzelarbeit, wenn er von seiner Kirche eine Hinwendung zu
den sozialen Problemen in der Welt wünscht, sie auffordert, auf die
Straßen hinauszugehen und sich zu beschmutzen. Für alle, die es sich
bequem gemacht haben in der Kirche, für all die Falken im Vatikan ist
sein Lehrschreiben harter Tobak, wenn Franziskus - nach herrschender
Kirchenlehre mit Unfehlbarkeit ausgestattet - eine heilsame
Dezentralisierung und mehr Mitsprache der Ortsbischöfe fordert. Das
bedeutete Machtverlust für die Kurie und ein Ende des Zentralismus.
Franziskus beruft sich auf große Kirchengelehrte und Reformatoren wie
Thomas von Aquin. Auf Letzteren stützt er sich, wenn er davon
schreibt, dass das Abendmahl nicht eine Belohnung für die
Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für
die Schwachen sei. Vielleicht auch ein Fingerzeig im Streit um den
Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion. Wenn




er dies im Auge hat, ist der Konflikt mit dem vatikanischen
Glaubenspräfekten programmiert. Spätestens ab jetzt muss Franziskus
schönen Worten auch Taten folgen lassen. Nun wird er sich entscheiden
müssen, ob er weiter lavieren und ausgleichen will im Vatikan oder
Nägel mit Köpfen machen.



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Telefon: 0521 555 271
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Datum: 26.11.2013 - 20:45 Uhr
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