InternetIntelligenz 2.0

kostenlos Pressemitteilungen einstellen | veröffentlichen | verteilen

Pressemitteilungen

 

Westdeutsche Zeitung: Breivik - Der Massenmörder und seine Schuld
Ein Kommentar von Peter Kurz

ID: 706910

(ots) - Die Erwartungen an das Ende des
Breivik-Prozesses konnten kaum paradoxer erscheinen. Täter und
Opfer-Angehörige hofften auf das gleiche Urteil: schuldig. Und
ausgerechnet die Staatsanwälte plädierten auf "im Zweifel nicht
schuldig".

Als die Norweger vor dem Urteil nach ihrer Einschätzung gefragt
wurden, hatte ihnen der Massenmörder zuvor eigentlich eine klare
Entscheidungshilfe gegeben. Indem er sagte, dass für ihn die
Psychiatrie schlimmer wäre als der Tod. Da wäre es ein Leichtes
gewesen, ihm eben diese Höchststrafe zu wünschen. Drei Viertel der
Norweger in der Umfrage und die Richter in ihrem Urteil gingen
trotzdem einen anderen Weg - den Weg, den sich auch Breivik wünschte:
Voll verantwortlich. Warum?

In der Volksmeinung kam zum einen die Furcht zum Ausdruck, dass
Breivik irgendwann aus der Psychiatrie ausbrechen oder gar als
geheilt entlassen würde. Doch mindestens ebenso wichtig ist ein
anderer Gedanke: Es wäre unerträglich, wenn unter den Augen der
Öffentlichkeit ein Massenmord geschieht - und niemand wäre dafür im
juristischen Sinne verantwortlich.

Auch wenn ein Gericht im Namen des Volkes urteilt, können solche
Gefühle in der Urteilsbegründung kein Maßstab sein. Die Richter
mussten schon entscheiden: Ist der Mann krank, war er von
Wahnvorstellungen gesteuert und damit nicht Herr seiner Taten? Oder
ist er einfach nur böse und damit schuldig? Die Monströsität des
Verbrechens allein ist dabei noch kein Beleg für die
Unzurechnungsfähigkeit. Legte man diesen Maßstab an, so würden die
schlimmsten Verbrechen juristisch ungesühnt bleiben - je unfassbarer,
umso eher.

Was in Breiviks Kopf vorging, können keine Geräte messen. Die
Richter sind am Ende denjenigen Gutachtern gefolgt, die in ihm nicht
den unzurechnungsfähigen Irren sahen. Zwar kommt das Breiviks




Selbsteinschätzung entgegen. Doch der Schluss, den er daraus zieht -
ein voll verantwortlicher und erfolgreicher Kämpfer zu sein - gilt
nur in seiner kruden Gedankenwelt.

Wichtig ist jetzt, dass er und seine Selbstdarstellung ein Ende
haben. Dass ihm, wie es einer der Opfer-Angehörigen sagte, endlich
das Mikrofon abgeschaltet wird. Und ihm das genommen wird, wonach er
in seinen Hassgedanken giert: Aufmerksamkeit.



Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2371
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de
www.wz-newsline.de

Weitere Infos zu diesem Fachartikel:

Themen in diesem Fachartikel:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:



Leseranfragen:



PresseKontakt / Agentur:



drucken  als PDF  an Freund senden  Verbände kritisieren Mittelbayerische Zeitung: Beifall für Breiviks Richter
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.08.2012 - 18:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 706910
Anzahl Zeichen: 0

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner:
Stadt:

Düsseldorf


Telefon:

Kategorie:

Politik & Gesellschaft


Anmerkungen:


Dieser Fachartikel wurde bisher 137 mal aufgerufen.


Der Fachartikel mit dem Titel:
"Westdeutsche Zeitung: Breivik - Der Massenmörder und seine Schuld
Ein Kommentar von Peter Kurz
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westdeutsche Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kommentar/ Söder - quo vadis? ...

Kommentar WZ: Der nette Herr SöderVon Lothar LeuschenDamit war eigentlich schon nicht mehr zu rechnen. Markus Söder beißt für die Sozialen Medien in keinen Döner mehr, Bäume müssen auf seine zärtliche Umarmung verzichten, und überhaupt geht ...

WZ-Kommentar/Das Scheitern der DFB-Elf ist kein Zufall ...

Von Lothar LeuschenReformen sind schwierig in Deutschland. Bauen oder Sanieren dauert immer länger und wird immer teurer. Autos aus der deutschen Autoschmiede entpuppen sich international zunehmend als Ladenhüter. Und jetzt kann Deutschland nicht e ...

Alle Meldungen von Westdeutsche Zeitung



 

Wer ist Online

Alle Mitglieder: 50.303
Registriert Heute: 0
Registriert Gestern: 0
Mitglied(er) online: 0
Gäste Online: 96


Bitte registrieren Sie sich hier. Als angemeldeter Benutzer nutzen Sie den vollen Funktionsumfang dieser Seite.