InternetIntelligenz 2.0

kostenlos Pressemitteilungen einstellen | veröffentlichen | verteilen

Pressemitteilungen

 

Westdeutsche Zeitung: Mit seiner Israel-Schelte begeht Grass einen Tabubruch =
von Anja Clemens-Smicek

ID: 612491

(ots) - Ein sprachliches Meisterwerk ist das Gedicht
von Günter Grass sicher nicht - keine Metapher, die überraschend
daherkommt. Doch Grass geht es auch nicht um den künstlerischen
Anspruch seines Pamphlets, sondern um den Tabubruch, den er mit der
Israel-Schelte begeht. Den Staat Israel verbal anzugreifen, ist in
Deutschland stets ein riskantes Geschäft. Kanzlerin Angela Merkel gab
einmal die Linie vor: Die Sicherheit Israels zählt zur deutschen
"Staatsräson". Tief verwurzelt sitzt hierzulande der Reflex,
Israel-Kritiker mit Donnergetöse in die rechte Ecke zu stellen und
mit dem Verdikt "Antisemitismus" zu belegen. Dessen war sich der
Literaturnobelpreisträger beim Verfassen seines Gedichts bewusst.
Seine Einlassungen werden dadurch zwar nicht verständlicher. Wenn wir
ihnen aber etwas Positives abgewinnen wollen, dann, dass er den
Finger in diese Wunde legt. "Was gesagt werden muss" ist trotzdem die
Selbstdemontage eines Mannes, der für viele den Status einer
moralischen Instanz innehatte. Das Gedicht zeigt aber auch, dass die
Affinität zum Wort einen Schriftsteller noch lange nicht in die Lage
versetzt, auf politischem Terrain ein profundes Urteil zu fällen.
Doch in diese Falle tappten vor Grass schon andere Literaten - denken
wir an Peter Handke, der wegen seiner Parteinahme für Serbien während
des Balkankrieges auf den Düsseldorfer Heine-Preis verzichten musste.
Und Günter Grass? Hätte er für seine Kritik den Umgang Israels mit
den Palästinensern gewählt, wäre er kaum angreifbar gewesen. Aber
seine Argumente sind erlesen schlecht gewählt und beschreiben eine
verzerrte Weltsicht. Hier erklingt mit der Stimme des Dichters eine
politische Ansicht, die eher als weltfremd und wenig beeinflusst
durch Sachkenntnis daherkommt. Es bedarf einer gehörigen Portion
Phantasie, um den Iran in die Opferrolle zu setzen. Sicher ist es




unfair, Grass seine unrühmliche Vergangenheit in der Waffen-SS
vorzuwerfen. Denn dies entspricht exakt jenem Muster, welches der
Autor selbst anprangert. Dennoch wirken Grass' Verbalattacken gegen
die "gleichgeschaltete Meinung" wie blinde Vorwärtsverteidigung und
nicht verarbeitete Vergangenheitsbewältigung. Dem Vorwurf der
Naivität wird er sich sehr wohl stellen müssen.



Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de
www.wz-newsline.de

Weitere Infos zu diesem Fachartikel:

Themen in diesem Fachartikel:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:



Leseranfragen:



PresseKontakt / Agentur:



drucken  als PDF  an Freund senden  Mitteldeutsche Zeitung: zu Steuerabkommen Mitteldeutsche Zeitung: zu Stasiakten und Sachsen-Anhalt
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.04.2012 - 19:09 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 612491
Anzahl Zeichen: 0

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner:
Stadt:

Düsseldorf


Telefon:

Kategorie:

Politik & Gesellschaft


Anmerkungen:


Dieser Fachartikel wurde bisher 159 mal aufgerufen.


Der Fachartikel mit dem Titel:
"Westdeutsche Zeitung: Mit seiner Israel-Schelte begeht Grass einen Tabubruch =
von Anja Clemens-Smicek
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westdeutsche Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kommentar: Die USA sind verloren / zu Trump und den Folgen ...

Von Lothar LeuschenDie Ereignisseüberschlagen sich. Nur wenige Stunden, nachdem die USA angekündigt hat, die Unterstützung der Ukraine im Verteidigungskampf gegen Russland abzubrechen, kommt ebenso aufgeschreckt wie unausgegoren aus der Union in D ...

WZ-Kommentar zu: Lars Klingbeil ist neuer SPD-Fraktionschef ...

Der, auf den es ankommtVon Lothar LeuschenNormalerweise wäre es eine Randnotiz, dass Lars Klingbeil am Mittwoch im Otto-Wels-Saal des Reichstagsgebäudes zum neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion gewählt worden ist. Aber in diesen Tagen ist nichts me ...

Alle Meldungen von Westdeutsche Zeitung



 

Wer ist Online

Alle Mitglieder: 50.293
Registriert Heute: 0
Registriert Gestern: 0
Mitglied(er) online: 0
Gäste Online: 83


Bitte registrieren Sie sich hier. Als angemeldeter Benutzer nutzen Sie den vollen Funktionsumfang dieser Seite.