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Westdeutsche Zeitung: Das gestiegene Sicherheitsgefühl erweist sich als Irrtum - Der 11. September i

ID: 286652

(ots) - Soeben haben wir uns erleichtert daran gewöhnt,
dass uns die Sicherheitskräfte am Flughafen nicht noch die kleinste
Zahnpastatube wegnehmen. Doch das ist schon wieder vorbei. Die
Paketbomben-Funde haben unmissverständlich klar gemacht, dass die
terroristische Bedrohung bestenfalls eine gefühlte Pause eingelegt
hat - in Wirklichkeit hat sie seit dem 11. September 2001 nie
abgenommen. Und keiner kann sich, schon angesichts der Umladestation
Köln, in die naive Ansicht flüchten, der Terror habe vor allem
Amerika im Blick. Die Bedrohung ist überall.

Die Variante, Frachtflugzeuge als Transportmittel oder
möglicherweise auch als Zielobjekt zu wählen, macht das ebenfalls
klar. Denn bislang schienen die Sicherheitsbehörden vor allem
Passagiermaschinen zu überwachen. So musste der deutsche
Innenminister de Maizière zugeben, dass Luftfracht "relativ wenig
kontrolliert" wurde. Aus Amerika kommen Berichte, dass zwei Drittel
dieser Pakete nicht auf Sprengstoff untersucht wurden. Das wirft ein
schlechtes Bild auf die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Solche
Laxheit macht Angst.

Allerdings müssen wir uns im Gegenzug vergegenwärtigen, dass ein
absoluter Schutz vor Terror nicht möglich ist. Schon aus logistischen
Gründen. Zudem wäre das Leben, das sich quasi in einer weltweiten
Sicherheitszone abspielt, kaum mehr lebenswert.

Das bedeutet: Unsere Wachsamkeit muss zurückkehren, und an mehr
unbequemen Kontrollen führt nichts vorbei. Zudem müssen wir
notgedrungen den Sicherheitsbehörden vertrauen. Die Tatsache, dass
das verdächtige Paket aufgrund eines Hinweises des
Bundeskriminalamtes abgefangen wurde, ist ein gutes Indiz in diese
Richtung. Ob es ein Erfolg der Sicherheitsdienste ist, dass es an
diesem Wochenende zu keinem echten Anschlag kam, oder ob den
Terroristen Fehler unterliefen, werden wir möglicherweise nie




erfahren.

Komplett gebannt werden kann die Gefahr durch Kontrollen und
Aufklärung nie. Ruhe kehrt erst ein, wenn weltweit alle Regierungen
glaubhaft machen, dass sie Terroristen keine Heimat oder gar Hilfe
gewähren. Zudem müssen sie, woran es etwa im Jemen mangelt, auch Herr
im eigenen Land sein. Dann wäre es zum Beispiel unmöglich, dass sich
einer wie Osama bin Laden weiter in Freiheit befindet.



Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211 / 8382-2370
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de

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Datum: 31.10.2010 - 18:29 Uhr
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