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Westdeutsche Zeitung: Währungspolitik =

von Peter De Thier

ID: 271626

(ots) - Es ist nur wenige Monate her, dass in den USA
Ökonomen und andere sogenannte Experten noch den Untergang des Euro
voraussagten. Gegenüber dem Dollar sei bald mit Parität zu rechnen,
meinten sie. Die Talfahrt werde sich dann weiter fortsetzen und die
europäische Gemeinschaftswährung bald der Vergangenheit angehören.
Die Kluft zwischen jenen, die ihre Haushalte im Griff haben und den
hochverschuldeten europäischen Ländern sei zu tief, als dass die
Währungsunion noch lange Bestand haben könnte. Diese Tage aber
scheinen längst vergessen zu sein. Heute, inmitten einer
Konjunkturerholung, die mit der Ausnahme des Musterschülers
Deutschland in den Industrieländern sehr zaghaft über die Bühne geht,
hat sich das Blatt dramatisch gewendet. Ein ganz anderes Thema steht
in den Schlagzeilen: Genau jene "Experten", die im Frühjahr den Euro
totzureden versuchten, sagen für die europäische Gemeinschaftswährung
nun einen fortgesetzten Höhenflug voraus und warnen vielmehr vor den
Folgen eines Abwertungswettlaufs zwischen den USA und den
Schwellenländern, der katastrophale Folgen haben könnte. Seit
geraumer Zeit steht China am Pranger, das seine Rolle als globale
Konjunkturlok einer Exportwirtschaft verdankt, die vom künstlich
verbilligten Yuan profitiert. Auf diesen Zug wollen aber nun auch
andere Länder springen, die erkennen, dass durch Abwertungen die
eigenen Exporte bessere Chancen haben. Asiatische und
südamerikanische Schwellenländer versuchen, über Geldpolitik und
Kapitalverkehrskontrollen den Wechselkurs zu drücken. Und selbst die
Amerikaner sehen wohlwollend zu, wie der Dollar seine jüngste
Talfahrt fortsetzt. Lediglich der Euro steht seinen Mann. Überflutet
die amerikanische Notenbank durch massive Anleihenkäufe die Märkte
mit noch mehr Liquidität, dann würde der Dollar weiter fallen und das




Wettrennen in einen regelrechten Währungskrieg ausarten. Die Folgen
wären katastrophal. Die Inflationsspirale käme wieder in Bewegung,
und andere Länder würden mit Schutzzöllen sowie anderen
protektionistischen Maßnahmen antworten. Genau das aber könnte einen
Aufschwung, der auch ohnedies mit erheblichen Risiken behaftet ist,
komplett abwürgen.



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Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de

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Datum: 07.10.2010 - 19:45 Uhr
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