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Westdeutsche Zeitung: Loveparade =

von Frank Uferkamp

ID: 233716


(ots) - Gestern erst, also rund 40 Stunden nach der
Katastrophe in seiner Stadt, kommt Adolf Sauerland, dem amtierenden
Oberbürgermeister von Duisburg, die Idee, über einen Rücktritt
nachzudenken. Die er aber kurz danach wieder verwirft. Dabei gibt es
für den Mann nichts mehr zu überlegen, er muss gehen. Nach dieser
Katastrophe in seiner Stadt mit 19 Toten ist dies die einzig mögliche
Konsequenz. Das gebietet der Anstand: Bevor die Staatsanwälte geklärt
haben, wer die juristische Verantwortung trägt, gibt es eben auch die
politische. Die trägt eindeutig der Chef einer Behörde, die für die
Katastrophe mitverantwortlich war. Sauerland hat die Loveparade
schließlich auch gegen Bedenken, ob Duisburg ein geeigneter Standort
ist, durchgesetzt. Sauerland ist Politiker, der
Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hingegen Unternehmer. Der ist
nicht dem Wähler verantwortlich, sondern seinen Zahlen - aber auch
seinem Image. Und da könnte es auch für ihn eng werden. Keiner weiß,
wie sein Sicherheitskonzept aussah. Klar ist aber: Der erfolgreiche
Unternehmer hat viel verspielt. Auch Schaller geht schweren Zeiten
entgegen. Diese Überlegungen aber dürfen die Staatsanwälte in
Duisburg nicht anstellen. Sie müssen nur einfachen Fragen nachgehen.
1. War das Sicherheitskonzept ausreichend? 2. Wenn nicht, wer ist
dafür verantwortlich? 3. Gab es andere Vorschläge für eine
Sicherheitskonzept? 4. Haben Polizei oder Feuerwehr gewarnt? Das
alles ist noch offen. Es wird wohl noch viele Wochen dauern, bis
diese Kernpunkte geklärt sind. Das tröstet die Hinterbliebenen der
Opfer kaum. Aber sie haben einen Anspruch darauf, die Wahrheit zu
erfahren. Das gilt auch für die Rolle der Polizei. Es ist ja
formaljuristisch vollkommen richtig, dass der Veranstalter und die
Stadt für das reine Veranstaltungsgelände zuständig waren, die




Polizei aber nur für die Verkehrsanbindung. Per Gesetz und per Eid
sind Polizeibeamte dazu verpflichtet, Schäden von Bürgern abzuwenden.
Sie dürfen aber nicht einfach zuschauen, wenn Zehntausende in eine
Falle laufen. Auch das muss dringend aufgeklärt werden. Die Umstände
müssen schonungslos auf den Tisch. Und dann darf es keine falschen
Rücksichtnahmen geben.



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Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de

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Datum: 26.07.2010 - 19:43 Uhr
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