Gegen Schlussstrich und Wissenslücken zum NS-Unrecht: 51 neue Bildungsprojekte starten / Bildungsagenda NS-Unrecht geht mit einem Fördervolumen vonüber 18 Millionen Euro in die zweite Förderphase

(ots) - Zwischen Juli und Oktober 2026 nehmen 51 neue Projekte der Bildungsagenda NS-Unrecht ihre Arbeit auf - mit einem Gesamtfördervolumen von über 18 Millionen Euro. Das vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) geförderte und von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzte Programm ermöglicht herausragende Projekte der non-formalen historisch-politischen Bildung zum NS-Unrecht.
Ziel der Förderung ist es, vorrangig jungen Menschen bis 35 Jahren faktenbasiertes historisches Wissen über das NS-Unrecht und dessen Aufarbeitung zu vermitteln und ihre demokratischen Haltungen zu stärken. Die geförderten Projekte setzen dabei auf zeitgemäße, außerschulische Formate: vonWorkshops über digitale Anwendungen und Ausstellungen bis hin zu künstlerischen Zugängen sowie der Einbindung von Zeitzeug:innen, Nachkommen und digitalen Testimonials.
Dr. Andrea Despot, Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ, zum Projektstart:"In der neuen Förderphase der Bildungsagenda NS-Unrecht starten 51 neue Projekte in ganz Deutschland. Das ist ein starkes Signal in einer Zeit, in der Schlussstrich-Forderungen zunehmen, während historisches Wissen und Lernen abnehmen. Die Projekte der Bildungsagenda NS-Unrecht holen die Geschichten der Verfolgten in unsere Gegenwart. Sie sind partizipativ, digital und nah an den Lebenswelten junger Menschen. Und sie zeigen, dass Erinnerung kein Rückblick ist, sondern ein Auftrag - für gesellschaftliche Verantwortung heute und morgen."
Breites Themenspektrum, vielfältige Zugänge
Die neuen Projekte widmen sich einem breiten Spektrum an Themen und Verfolgtengruppen des Nationalsozialismus - darunter auch bislang wenig sichtbare Schicksale. Gefördert werden sie mit Summen zwischen 150.000 und 500.000 Euro bei einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten. Vier Beispiele zeigen die Bandbreite der Förderung:
Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) entwickelt ein interaktives Online-Bildungsmodul gemeinsam mit Nachfahr:innen jüdischer Familien aus Chemnitz. Interviews, Familienerbstücke, Dokumente und Fotografien werden zu einer digitalen Topografie der Stadt aufbereitet.
MAKKABI Deutschland begibt sich ausgehend vom Berliner Olympiastadion auf Spurensuche nach Sportler:innen, die im Nationalsozialismus ausgeschlossen und verfolgt wurden. Junge Sportler:innen erschließen ihre Biografien. Mit Blick auf die deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele 2036 stellen sie sich die Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit dem NS-Erbe im organisierten Sport heute aussehen kann.
Der Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe ermöglicht Jugendlichen in Ostfriesland, die NS-Zwangsarbeit im eigenen Ort - und teils in der eigenen Familie - zu erforschen. Ihre Ergebnisse verarbeiten sie künstlerisch zu einer Visual Novel mit digitaler Landkarte der Erinnerung und schlagen den Bogen zu heutigen Fragen von Ausgrenzung und Abwertung.
Das Deutsche Historische Museum entwickelt eine Webanwendung zur kritischen Auseinandersetzung mit Fotografien des NS-Propagandafotografen Gerhard Gronefeld aus dem deutsch-besetzten Europa. Die Anwendung stärkt Bildkompetenz und historisches Wissen über die europaweite Dimension der NS-Verbrechen. Angesichts des wachsenden Einflusses von KI-Fakes werden Nutzer:innen befähigt, manipulierte oder fingierte Darstellungen zu erkennen.
Ausblick: Nächste Ausschreibungsrunde ab September
Interessierte Organisationen können sich schon bald mit eigenen Projektideen bewerben: Die nächste Ausschreibungsrunde der Bildungsagenda NS-Unrecht startet Anfang September 2026.
Über die Stiftung EVZ
Auftrag der Stiftung EVZ ist es, die Erinnerung an das Unrecht der nationalsozialistischen Verfolgung lebendig zu halten, die daraus erwachsende Verantwortung im Hier und Heute anzunehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten. Zentrales Motiv der Stiftungsgründung im Jahr 2000 war die Auszahlung humanitärer Ausgleichsleistungen an ehemalige Zwangsarbeiter:innen des NS-Regimes - ein Meilenstein der deutschen Aufarbeitung. Heute fördert die Stiftung über ihre Handlungsfelder Bilden und Handeln Projekte und Aktivitäten, die den Überlebenden nationalsozialistischer Verfolgung, der Völkerverständigung und der Stärkung von Menschenrechten dienen.
Weiterführende Informationen
Mehr zur Bildungsagenda NS-Unrecht (https://www.stiftung-evz.de/was-wir-foerdern/bildungsagenda-ns-unrecht)
Fortlaufend aktualisierteÜbersicht der neuen Projekte (https://www.stiftung-evz.de/assets/1_Was_wir_f%C3%B6rdern/Bildungsagenda/%C3%9Cbersicht_Projekte_10082026.pdf)
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Datum: 11.08.2026 - 10:33 Uhr
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