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DLRG Zwischenbilanz 2026: mindestens 261 Menschen ertrunken

ID: 2265897

(ots) -
- Besonders viele Todesfälle im Juni
- Zuletzt 2019 mehr tödliche Unfälle in der Badesaison
- Präsidentin Vogt fordert mehr Anstrengungen für das Schwimmenlernen und zur Aufklärung über Gefahren

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) geht davon aus, dass hierzulande in den ersten sieben Monaten des Jahres mindestens 261 Menschen in den Gewässern ums Leben gekommen sind. Das sind nach aktuellem Stand bereits 15 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kam es in den ersten Monaten des Jahres noch zu weniger Unglücken als 2025, ereigneten sich seit Beginn der Badesaison deutlich mehr tödliche Unfälle. Allein 189 Menschen ertranken zwischen Anfang Mai und Ende Juli. Letztmals kamen in diesem Zeitraum im Jahr 2019 mehr Menschen ums Leben (220)."Betrachten wir nur die bisherigen drei Bademonate, gab esüber 30 Todesfälle mehr als vor einem Jahr. Insbesondere im Juni kam es zu einem dramatischen Anstieg an Unfällen. Über 100 Opfer gab es im Monat Juni zuletzt im Jahr 2003", berichtete DLRG Präsidentin Ute Vogt.

Nach der extremen Hitzewelle Ende Juni verzeichnete die DLRG in den darauffolgenden Wochen weniger Todesfälle. Doch auch im Juli ertranken mindestens 59 Menschen, sechs mehr als im Vorjahresmonat. Rund 90 Prozent der Todesfälle ereigneten sich in frei zugänglichen Gewässern im Binnenland. In Seen und Teichen verloren 118 Personen ihr Leben (+22); in Bächen und Flüssen gab es bisher 90Opfer, zwölf weniger als im Vorjahr. In Kanälen sind 17 Menschen ertrunken (+5). In der Ostsee (14) erlitten vier Personen mehr einen tödlichen Unfall, in Schwimmbädern (14) sind es drei mehr."Die Zahlen zeigen wieder einmal, dass es besonders dort lebensbedrohlich wird, wo zumeist keine Rettungskräfte vor Ort sind, die im Notfall schnell Hilfe leisten können", so Ute Vogt.

Erneuter Anstieg unter jungen Menschen

Wie schon im Vorjahr (+19) steigt auch 2026 die Zahl tödlicher Unglücke unter jungen Menschen zwischen 11 und 30 Jahren. Vor einem Jahr zählte die DLRG 49 Opfer dieser Altersklasse in den ersten sieben Monaten. In diesem Jahr sind es 75 ertrunkene Personen. 95 Prozent der Verunglückten waren männlich. Dazu DLRG Präsidentin Vogt:"Infolge von leichtsinnigem Verhalten - oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen - kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen. Andere können nicht oder kaum schwimmen und begeben sich völlig unnötig in Lebensgefahr. Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren."Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anteil männlicher Opfer 85 Prozent.





Mehr als jedes vierte Unfallopfer (59) bekannten Alters warälter als 70 Jahre (+11). 41 Personen waren zwischen 51 und 70 Jahre alt. Hier verzeichnete die DLRG einen Rückgang um 20 Opfer. Bei älteren Schwimmern sind immer wieder gesundheitliche Vorerkrankungen ursächlich für Badeunfälle, aber auch Selbstüberschätzung und unzureichende Vorsicht.

Mehr Kompetenzen und Wissen nötig

Unter Kindern bis zehn Jahren waren mindestens acht Opfer zu beklagen (2025: 9). Zumeist passieren diese Unfälle durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit."Das sind glücklicherweise wenige Todesfälle. Es kommt jedoch immer wieder zu gefährlichen Situationen und auch zu schweren Unfällen, in denen Rettungskräfte Kinder wiederbeleben müssen", berichtet Ute Vogt. Dass Badbetreiber inzwischen vermehrt Jungen und Mädchen zum Tragen von Schwimmflügeln verdonnern oder sich an der Kasse ein Schwimmabzeichen nachweisen lassen, sei auch eine Folge der vermehrt festzustellenden Unaufmerksamkeit der Eltern. Die DLRG sensibilisiert Eltern und andere Aufsichtspersonen mit ihrer Kampagne"Du bist die Aufsicht"für ihre persönliche Verantwortung.

Andererseits lernten nach wie vor zu wenige Kinder das Schwimmen:"Wir gehen davon aus, dass weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule verlässt, ohne ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben beziehungsweise das zu können."

Sicher schwimmen zu können ist jedoch die beste Vorbeugung gegen das Ertrinken. Mit dem Modellprojekt"Deutschland lernt schwimmen"des Deutschen Bundestages will der Bund gemeinsam mit der DLRG und dem Deutschen Schwimm-Verband in den kommenden vier Jahren mehrere Hebel in Bewegung setzen, um die Situation in der Schwimmausbildung vor allem in strukturschwachen Regionen sowie in sozial und finanziell benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern."Es ist bemerkenswert, dass sich der Bund des Problems der nachlassenden Schwimmkompetenz selbst annimmt. Das wollen wir zusammen nutzen und für die Schwimmsicherheit etwas bewegen", sagte Ute Vogt. Nachhaltig verbessern ließe sich die Situation aber erst, wenn Bund, Länder und Kommunen zusammen flächendeckend bedeutend mehr in die marode Schwimmbadlandschaft und den schulischen Schwimmunterricht investierten.

Außerdem braucht es in verschiedenen Bevölkerungsgruppen mehr Aufklärung über die Gefahren beim Baden und Schwimmen. Ute Vogt:"Der Schlüssel zu weniger Ertrinkungsunfällen ist wie in so vielen Bereichen des Lebens das nötige Wissen. Wer sich der Gefahren bewusst ist, geht seltener ins Risiko."Zahlreiche Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO sensibilisieren ihre Bevölkerung über Aufklärungskampagnen. Solche Aktivitäten - etwa durch das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit - vermisst die DLRG in Deutschland bislang ebenso wie eine von der WHO geforderte nationale Strategie zur Verringerung tödlicher Unglücke im Wasser.

Meiste Opfer in Bayern

In absoluten Zahlen betrachtet ertranken die meisten Menschen bislang in Bayern. 54 ertrunkene Personen sind drei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Einen Anstieg von 35 auf 50 Todesopfer verzeichnete die DLRG für Nordrhein-Westfalen. Auch in Berlin (+4), Rheinland-Pfalz (+3), Sachsen (+6), Sachsen-Anhalt (+3), Schleswig-Holstein (+7) und Mecklenburg-Vorpommern (+3) gab es einen Anstieg bei den Opferzahlen.

Über die DLRG

Die DLRG als private Wasserrettungsorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Hierfür klären ihre ehrenamtlich Aktiven über Wassergefahren auf, bringen Menschen das Schwimmen bei und bilden sie im Rettungsschwimmen aus. Zudem wachen über 50.000 Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer jährlich 2,6 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern. Sie engagieren sich darüber hinaus in der örtlichen Gefahrenabwehr und bilden Einheiten der rund 80 DLRG Wasserrettungszüge für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Die DLRG zählt derzeit knapp 630.000 Mitglieder. Mehr als 1,3 MillionenFörderinnen und Förderer unterstützen die lebensrettende Arbeit mit Spenden. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Weiteres Material zur DLRG Zwischenbilanz 2026, darunter Grafiken und die Auswertung nach Bundesländern, finden Sie unter dlrg.de/zwischenbilanz (https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken/zwischenbilanz).

Passende Bilder und Audio-Material für die Berichterstattung gibt es auch im DLRG Medienportal (https://eyebase.bgst.dlrg.de/view/pinbDAeDeu6).

Pressekontakt:

Martin Holzhause
Leiter DLRG Pressestelle
Telefon: 05723 955 442
Mobil: 0162 175 12 04
E-Mail: presse(at)dlrg.de


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Datum: 06.08.2026 - 10:00 Uhr
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