Kassenärzte fordern von Linnemann"Präventionsoffensive statt Alibiveranstaltung"/ KBV-Chef Gassen: Flasche Wodka müsste zehn Euro teurer werden - Deutsche sind"häufig dicker und rauchen mehr"

(ots) - Osnabrück. Kassenärztechef Andreas Gassen hat den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zu einem Neustart bei der Prävention aufgerufen. Deutschland stehe bei der Vorbeugung von Krankheiten"schlecht da, die Menschen hier sind im internationalen Vergleich häufig dicker, rauchen mehr und treiben weniger Sport", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Gespräch mit der"Neuen Osnabrücker Zeitung"(noz, Donnerstagsausgabe). Da müsse der Nachfolger von Nina Warken ansetzen.
"Notwendig wäre es, viel stärker in Kitas und Schulen zu gehen, damit die Kleinen früh lernen, sich gesund zu ernähren, sich viel zu bewegen und aus selbstzerstörerischen Konsummustern rauszukommen", so Gassen zu"noz"."Dafür müsste auch der öffentliche Gesundheitsdienst gestärkt werden. Das Versprechen aus der Corona-Zeit wurde aber nicht eingelöst."
Unter Linnemanns Vorgängerin Nina Warken hatte die Regierung zwar beschlossen, die Steuern auf Tabak und hochprozentigen Alkohol um 20 Prozentpunkte anzuheben. Dass sei aber wohl eher darauf angelegt,"die Staatseinnahmen zu erhöhen", kommentierte Gassen den Schritt."Um die Menschen vom Rauchen undübermäßigem Trinken abzubringen, wären deutlich höhere Preise notwendig. Bei der Flasche Wodka hätten es fünf oder zehn Euro mehr sein müssen."
Auch beim Tabak reichen zwei Euro mehr für eine Schachtel Zigaretten aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nicht aus."Da hätte der Staat lieber mal ordentlich zulangen sollen", so Gassen."Denn wenn sie sich das nicht leisten können, lassen junge Menschen idealerweise die Finger davon. Wenn der Staat dann weniger Steuern einnimmt, umso besser: Die Gesundheitskosten werden rapide sinken."
Der Ex-Gesundheitsministerin Warken stellte Gassen in Sachen Gesundheitsvorsorge ein ungenügendes Zeugnis aus. Die CDU-Politikerin hatte am 16. Juli ihre Pläne vorgestellt."Eine Präventionsoffensive zu starten, eine Woche nachdem die Regierung das Sparpaket durch den Bundestag geprügelt hat, das zu weniger Vorsorgeuntersuchungen führen wird, wirkt schon fast zynisch", sagte der KBV-Chef. Zudem sei in den Plänen keine Idee zu erkennen, wie die Regierung Prävention wirklich stärken wolle. Deswegen komme ihm Warkens Offensive"schon etwas wie eine Alibiveranstaltung vor".
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