91 Prozent der potenziellen Medikamente scheitern trotz erfolgreicher Tierversuche
Ein internationales Autorenteam mit 13 Forschenden aus 6 Ländern untersuchte die Fehlerquoten und Fehlerursachen der klinischen Arzneimittelentwicklung von den 1960er-Jahren bis 2017.

(IINews) - Neue Analyse zeigt dringenden Bedarf an tierversuchsfreien Methoden in der Medikamentenentwicklung
Eine vom bundesweiten VereinÄrzte gegen Tierversuche (ÄgT) geleitete wissenschaftliche Studie eines internationalen Forschungsteams zur Erfolgsquote der Medikamentenentwicklung zeigt: Obwohl immer mehr Tierversuche durchgeführt wurden, ist die Medikamentenentwicklung seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht erfolgreicher darin geworden, wirksame und sichere Medikamente für Menschen zu entwickeln. In den 2000er- und 2010er-Jahren scheiterten durchschnittlich rund 91 Prozent der Wirkstoffkandidaten trotz zuvor erfolgreicher Tierversuche in klinischen Studien am Menschen. Rund 77 Prozent dieser Fehlschläge basieren auf biologischen Gründen, wie mangelnde Wirksamkeit oder unzureichende Sicherheit - genau jene Faktoren, die Tierversuche vorhersagen sollen. Beide Quoten belegen das systematische Versagen von Tierversuchen und den dringenden Bedarf an humanrelevanten, tierversuchsfreien Methoden.
Die Entwicklung neuer Medikamente verläuft in mehreren Stufen: Bevor ein Wirkstoff erstmals am Menschen geprüft werden darf, muss er umfangreiche präklinische Untersuchungen durchlaufen. Dazu gehören insbesondere Tierversuche, die Aussagen über Wirksamkeit, Sicherheit und pharmakologische Eigenschaften liefern sollen. Erst danach folgen klinische Studien am Menschen.
Dennoch scheitert die große Mehrheit in den anschließenden klinischen Studien. Ärzte gegen Tierversuche e.V. kritisiert die geringe Übertragbarkeit tierexperimenteller Ergebnisse seit Langem.
Ein internationales Autorenteam mit 13 Forschenden aus sechs Ländern unter Leitung von Ärzte gegen Tierversuche e.V. untersuchte die Fehlerquoten und Fehlerursachen der klinischen Arzneimittelentwicklung von den 1960er-Jahren bis 2017. Zu den Autoren gehört auch Dr. Wolfgang Boomgaarden, Träger des Herbert-Stiller-Preises 2021 für seine Arbeitenzu computergestützten, tierversuchsfreien Methoden der Medikamentenentwicklung.
Die Analyse zeigt, dass die Fehlerquote seit den 1980er-Jahren in jedem folgenden Jahrzehnt sogar zunahm. In den 2000er- und 2010er-Jahren scheiterten durchschnittlich 91 Prozent der Wirkstoffkandidaten nach erfolgreicher präklinischer Prüfung in den klinischen Studien an Menschen.
Rund 77 Prozent der gescheiterten Medikamentenkandidaten versagten aufgrund biologischer Faktoren - etwa mangelnder Wirksamkeit, unerwarteter Nebenwirkungen oder unzureichender Sicherheit. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die insbesondere in den späten präklinischen Tierversuchen bewertet werden, bevor ein Wirkstoff am Menschen getestet wird.
"Seit Jahrzehnten wird behauptet, Tierversuche seien eine notwendige und verlässliche Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente. Unsere systematische Auswertung zeigt jedoch, dass sich die Situation nicht verbessert hat - sie hat sich sogar verschlechtert", sagt Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Referentin beiÄrzte gegen Tierversuche und eine der beiden führenden Autorinnen der Studie.
"Unsere Analyse macht sichtbar, dass Tierversuche die entscheidenden Risiken für den Menschen häufig nicht erkennen. Ein Wirkstoff kann bei Tieren als sicher und wirksam erscheinen und dennoch beim Menschen wirkungslos sein oder erhebliche Nebenwirkungen verursachen", erklärt Filipova.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Medikamentenentwicklung dringend neu ausgerichtet werden muss. Statt ineffizienter Tierversuche sollten verstärkt tierversuchsfreie Methoden eingesetzt werden, die menschliche Krankheitsmechanismen und Wirkstoffreaktionen präziser abbilden und verlässlichere Vorhersagen ermöglichen. Das wachsende Interesse von Zulassungsbehörden und Pharmaunternehmen sowie Ausstiegspläne aus Tierversuchen(Roadmaps) der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, der britischen Regierung und der Europäischen Kommission zeigen, dass das internationale Bewusstsein für das fehlerhafte System Tierversuch zunehmend wächst. Humanrelevante und sinnvolle Methoden müssen daher auch in Deutschland zur zentralen Grundlage einer modernen, auf den Menschen fokussierte Arzneimittelforschung werden und Tierversuche ersetzen.
"Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: weg von Tierversuchen, die biologische Unterschiede zwischen Tier und Mensch festschreiben, und hin zu präzisen Methoden, die auf menschlichen Zellen, Geweben und Krankheitsprozessen beruhen", fordert Filipova."Die vorliegenden Daten zeigen, dass dieser Wechsel nicht irgendwann, sondern jetzt erfolgen muss - im Interesse der Patienten, der wissenschaftlichen Qualität und der Tiere."
Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordert, die Entwicklung und Zulassung humanrelevanter, tierversuchsfreier Methoden konsequent zu fördern und sie zur zentralen Grundlage der Krankheits- und Arzneimittelforschung zu machen.
Quelle
Filipova D. et al. Need for NAMs: A systematic evidence synthesis revealing over half a century of drug development failure. NAM Journal 2026; 2:100119
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"Medizinischer Fortschritt ist wichtig - Tierversuche sind der falsche Weg!"- Unter diesem Motto setzt sichÄrzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch
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Datum: 05.08.2026 - 14:10 Uhr
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