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Gekühlter Versand im Sommer: So kommen Lebensmittel und Medikamente sicher durch die Hitze

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(IINews) -

Wenn die Außentemperaturen im Juli und August dauerhaft über 25 Grad liegen, steigt für Onlinehändler, Manufakturen und Versandapotheken der Druck auf die Kühlkette. Fleisch, Fisch, Molkereiprodukte, Feinkost, Impfstoffe oder biologische Präparate reagieren empfindlich auf Wärme. Schon wenige Stunden im überhitzten Lieferwagen können die Ware unbrauchbar machen. Wer temperaturgeführte Sendungen verschickt, braucht deshalb ein System aus passender Verpackung, ausreichend Kühlmittel und klaren Packvorgaben, das auch dann funktioniert, wenn Zustellungen an heißen Nachmittagen vor der Haustür stehen.



Welche Isolierverpackungen im temperaturgeführten Versand üblich sind

Für den passiven Kühlversand haben sich vier Materialgruppen etabliert. Klassische Boxen aus expandiertem Polystyrol, kurz EPS, gelten wegen ihres geringen Gewichts und der geschlossenen Zellstruktur als Standard im Lebensmittel- und Pharmaversand. Ergänzt werden sie durch Boxen aus expandiertem Polypropylen (EPP), Vakuumisolationspaneele (VIP) für hochwertige Pharma-Sendungen sowie faltbare Isoliertaschen aus mehrlagigen Reflexionsfolien.



Die weite Verbreitung vonEPS-Boxenhat einen physikalischen Grund. Das Material besteht zu etwa 98 Prozent aus Luft, die in geschlossenen Zellen eingeschlossen ist. Diese Luftpolster sind schlechte Wärmeleiter, wodurch die Box die Innentemperatur mehrere Stunden bis Tage stabil hält. Hersteller bieten die Boxen in Wandstärken von etwa 20 bis 60 Millimetern und in Innenvolumina von wenigen Litern bis über 100 Litern an. Für den Versand mit Trockeneis ist EPS ausdrücklich geeignet, weil das Material gasdurchlässig genug ist, um das entstehende Kohlendioxid entweichen zu lassen. Wer eineCooled Solutions-Box oder eine vergleichbare Isolierverpackung einsetzt, entscheidet die Kühlleistung vor allem über Wandstärke und Kühlmittelmenge.





Wandstärke, Gelakkus und Trockeneis: Was die Kühldauer bestimmt

Die realistische Kühldauer einer passiven Verpackung hängt von drei Größen ab. Erstens von der Isolationsleistung, die sich aus Material und Wandstärke ergibt. Zweitens von Art und Menge des Kühlmittels. Drittens von der Temperaturdifferenz zwischen Sendungsinhalt und Umgebung. Als Richtwert erreichen EPS-Boxen mit 30 Millimeter Wandstärke und richtiger Beladung mit Gelpacks Kühldauern von zwölf bis vierundzwanzig Stunden, bei stärkeren Wandungen ab etwa fünfzig Millimeter Kühldauern von rund vierundzwanzig Stunden aufwärts. Praxisdaten von Herstellern nennen für dickwandige Boxen mit vier Gelakkus 36 bis 48 Stunden Kühldauer, mit Trockeneis lassen sich in vergleichbaren Boxen 48 bis 72 Stunden Tiefkühltransport erreichen.



Zwischen den beiden gängigen Kühlmitteln gibt es klare Unterschiede. Gelakkus arbeiten im Bereich um 0 bis 5 Grad und eignen sich für den klassischen Frischeversand. Sie geben ihre Kälte gleichmäßig ab, sind wiederverwendbar und produzieren, sofern die Beutel dicht bleiben, kein Schmelzwasser im großen Umfang. Trockeneis, also gefrorenes Kohlendioxid, hat eine Sublimationstemperatur von minus 78,5 Grad und wird für Tiefkühlware, Impfstoffe oder biologische Proben genutzt. Beim Versand ist die UN-Nummer 1845 zu beachten. Als Gefahrgut in begrenzter Menge gelten für Paketdienste je nach Anbieter Grenzwerte zwischen zwei und fünf Kilogramm pro Sendung, plus vorgeschriebene Kennzeichnung und Belüftung.



Praktische Packregeln, die im Sommer den Unterschied machen

Auch die beste Isolierbox verliert an Wirkung, wenn sie falsch gepackt wird. Fünf Punkte haben sich in der Versandpraxis bewährt.

Gelakkus vollständig durchfrieren. Empfohlen werden mindestens 24 Stunden im Gefrierschrank bei minus 18 Grad. Nur ein vollständig durchgefrorener Akku gibt die kalkulierte Kühlenergie ab.

Kühlmittel oberhalb der Ware platzieren. Kalte Luft sinkt nach unten. Liegen die Gelakkus auf dem Boden, wandert die Kälte durch die Wand ab, statt das Kühlgut zu erreichen. Für tiefgefrorene Sendungen mit Trockeneis gilt dasselbe Prinzip.



Leerräume ausfüllen. Ein halbleerer Innenraum wirkt wie ein Wärmereservoir. Verpackungspapier, Luftpolstermatten oder zusätzliche Gelakkus verhindern Konvektion und stabilisieren die Temperatur.

Ware vorkühlen. Wer ein Steak bei Raumtemperatur in die Box legt, verbraucht in den ersten Stunden die Kühlenergie für das Herunterkühlen des Produkts. Kühlpflichtige Ware sollte im Idealfall auf Zieltemperatur eingepackt werden.

Sendungen früh in die Zustellung geben. Der Versand am frühen Wochenanfang reduziert das Risiko einer Zwischenlagerung übers Wochenende. Für Fleisch, Fisch und Impfstoffe empfehlen viele Versender ausschließlich den Versand von Montag bis Mittwoch.



Regulatorischer Rahmen: Was für Lebensmittel und Arzneimittel gilt

Für Lebensmittel geben die EU-Verordnung 852/2004 zur Lebensmittelhygiene sowie die deutsche Lebensmittelhygiene-Verordnung den Rahmen vor. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch, Geflügel oder Frischfisch müssen entlang der gesamten Kette gekühlt transportiert werden, üblicherweise bei maximal 4 bis 7 Grad, Hackfleisch bei maximal 2 Grad. HACCP-Konzepte verlangen eine dokumentierte Gefahrenanalyse an den kritischen Kontrollpunkten, zu denen der Versand zählt.



Deutlich strenger ist die Lage bei Arzneimitteln. DieEU-GDP-Leitlinien 2013/C 343/01verlangen in Kapitel 9.4 qualifizierte Ausrüstungen wie Thermalverpackungen, temperierte Behälter oder Fahrzeuge mit Temperaturkontrolle, damit auf dem Weg vom Hersteller zum Großhändler und zum Kunden ordnungsgemäße Transportbedingungen gewährleistet sind. Für kühlkettenpflichtige Arzneimittel wie Lebendimpfstoffeoder Biologika gilt der Temperaturkorridor 2 bis 8 Grad Celsius vom Hersteller bis zur Anwendung. Eine Temperaturverteilungsstudie unter saisonal repräsentativen Bedingungen ist Teil der Qualifizierung.



Die Konsequenzen mangelhafter Verpackung dokumentierte eine EIPL-Feldstudie mit 100 sensorbestückten Testpaketen. Die maximal gemessene Temperatur lag bei 35,9 Grad Celsius, die niedrigste bei minus 12,5 Grad Celsius. Im Durchschnitt befanden sich die Päckchen bei über der Hälfte der Transportzeit außerhalb eines Temperaturbereichs von 2 bis 8 Grad Celsius. Solche Werte sind für hitzeempfindliche Wirkstoffe unzulässig und können die Wirksamkeit vollständig zerstören.



Was Versender vor der Sommer-Saison prüfen sollten

Wer im Sommer temperaturgeführte Ware verschickt, sollte die eigene Verpackungslösung bewusst gegen die zu erwartende Belastung testen, statt sich auf Datenblattwerte zu verlassen. Ein Warmwettertest mit Datenloggern in der geschlossenen Box, platziert bei etwa 30 Grad Umgebungstemperatur über die geplante Laufzeit,zeigt schnell, ob Wandstärke und Kühlmittelmenge zur Route und zum Paketdienstleister passen. Für pharmazeutische Sendungen ist eine solche Qualifizierung nach ISTA 7D oder vergleichbaren Protokollen ohnehin Teil der Dokumentation.



Sinnvoll ist außerdem eine kurze Checkliste für den Packplatz. Sie sollte die vorgeschriebene Anzahl Gelakkus pro Boxgröße, die Position der Kühlmittel, die Nutzung von Absorbern bei nassen Produkten sowie die Grenzen für den Trockeneisversand enthalten. Für Sendungen mit langer Laufzeit lohntsich der Wechsel von einer 30-Millimeter-Box auf 40 oder 50 Millimeter Wandstärke oft mehr als die reine Erhöhung der Akku-Zahl, weil die Isolation der begrenzende Faktor bleibt.



Am Ende entscheidet die Kombination aus geeigneter Box, korrekt vorgekühltem Kühlmittel und disziplinierter Packroutine darüber, ob die Ware im Sommer sicher ankommt. Wer diese drei Ebenen beherrscht, kann auch bei 30 Grad im Schatten eine belastbare Kühlkette bis zur Haustür des Empfängers organisieren.



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Datum: 31.07.2026 - 11:07 Uhr
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