Gassen: Warkens Pläne für Patientensteuerung per Kassen-Apps"absolut disruptiv"/ KBV-Chef warnt vor"Chaos"- Eine Plattform statt 90 Anwendungen möglich

(ots) - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken für eine Patientensteuerung über einzelne Apps der Krankenkassen massiv kritisiert."Wir laufen gerade mit Ansage ins Chaos", sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen im Interview mit der"Neuen Osnabrücker Zeitung"(noz). Es gebe längst ein Konzept für eine"sichere, aber maximal barrierefreie Anwendung für Ersteinschätzung und Terminvermittlung aus einer Hand", so Gassen."Die Aufgabe lieber an jede einzelne Kasse zu vergeben und einen App-Dschungel zu schaffen, ist absolut disruptiv."
Smartphone-Anwendungen sollen bei der Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Patientensteuerung eine zentrale Rolleübernehmen. Der Plan: Statt einen Hausarzt aufzusuchen, übernimmt die App die Ersteinschätzung und vermittelt bei Bedarf einen passenden Termin. Den Ansatz begrüßte KBV-Chef Gassen ausdrücklich:"Die Krankenkassen erwarten zurecht, dass sich dadurch auch Arzttermine erledigen würden, weil zur Genesung ein paar Tage Bettruhe oder rezeptfreie Medizin aus der Apotheke reichen können", sagte er in dem Interview. Man müsse nicht"wegen jeder Bagatelle eine Praxis aufsuchen". Und aus Erfahrungen etwa in der Schweiz wisse man, dass bei der digitalen Ersteinschätzung keine schweren Fälle durchrutschen.
Die einzige bislang breit bekannte App zur Terminvergabe stammt vom privaten französischen Tech-Unternehmen Doctolib. Verbraucherschützer beklagen, Doctolib empfehle Termine nach Zahlungsbereitschaft der Kunden. Über eine deutsche Lösung wird seit Monaten gerungen.
Eine Umsetzung sei bislang gescheitert, weil vorgesehen sei,"dass der Einstieg in die digitalen Dienste für Patienten ausschließlich über die Apps der 90 Krankenkassen laufen soll", sagte Gassen und mutmaßte, einige Kassen"wollen dadurch selbst in die Lage versetzt werden ihre Versicherten zu steuern, und sie versprechen sich dadurch möglicherweise eine gewisse Hoheit über die Termine ihrer Kunden". Wenn das Gesundheitsministerium auf eine Lösung beharre, bei der nur die Kassen mit ihren Apps die Versicherten eindeutig identifizieren könnten, würden diese"zum Stoppschild vor der Versorgung".
"Dabei haben wir doch längst eine Lösung für alle Probleme", sagte Gassen zu"noz"."Eine Anwendung, die denärztlichen Bereitschaftsdienst, die Nummer 116117 und die digitale Ersteinschätzung auf einer Plattform bündelt und auch noch so gestaltet wird, dass auch nicht so digital affine Menschen damit klarkommen. Eine App mit Identifikationsfunktion und Schnittstelle, an der Krankenkassen, die privaten Versicherungen und meinetwegen auch private Anbieter wie Doctolib andocken könnten."
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