Drei ERC Advanced Grants für LMU-Forschende

(ots) -
- Der Europäische Forschungsrat (ERC) vergibt drei prestigeträchtige Advanced Grants an LMU-Forschende.
- Erfolgreich waren Projekte von Prof. Dr. Alyssa Ney in der Philosophie, Prof. Dr. Martin Kerschensteiner in der Medizin und Prof. Dr. Thomas Carell in der Chemie.
- Die mit je bis zu 2,5 Millionen Euro dotierten Grants gehören zu den angesehensten Forschungsförderungen in Europa.
Die Philosophin Alyssa Ney, der Neuroimmunologe Martin Kerschensteiner und der Chemiker Thomas Carell werden vom Europäischen Forschungsrat (ERC) jeweils mit einem Advanced Grant ausgezeichnet. Mit den Fördergeldern von bis zu 2,5 Millionen Euro werden hochinnovative Forschungsprojekte unterstützt, die über den bisherigen Forschungsstand hinausgehen und neue Forschungsgebiete erschließen.
Prof. Dr. Matthias Tschöp, Universitätspräsident der LMU, gratuliert:"Heute haben wir wirklich Grund zur Freude: Unsere Universität hat gleich drei neue ERC Advanced Grants eingeworben! Das ist eine fantastische Nachricht und eine großartige Anerkennung für die herausragende Forschung, die täglich bei uns geleistet wird. Mein herzlicher Glückwunsch geht an Professorin Alyssa Ney, Professor Thomas Carell und Professor Martin Kerschensteiner und ihre Teams. Mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und ihrem Einsatz tragen sie dazu bei, dass wir wissenschaftlich an der Spitze mitspielen, dass unsere Universität international sichtbar ist und interdisziplinär immer wieder neue Wege geht."
Die vom ERC geförderten Projekte im Einzelnen
Über die Natur der Quantenrealität
Professorin Alyssa Ney ist Inhaberin des Lehrstuhls für Metaphysik an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft der LMU und Mitglied im Exzellenzcluster MCQST.
Quantentechnologien könnten schon bald Teil unseres Alltags werden. Doch auch 100 Jahre nach Entdeckung der Quantenphysik gibt es noch immer keinen Konsens darüber, was sie über die Realität aussagt. Quantenphänomene wie die Verschränkung stellen unsere Vorstellung von Wirklichkeit infrage. Mit ihrem neuen ERC-Projekt MetaQ - The Nature of Quantum Reality will Alyssa Ney Erkenntnisse aus Physik und Philosophie zusammenführen, um ein tieferes Verständnis der Quantenwelt und unseres Platzes in ihr zu ermöglichen. Eine zentrale Prämisse des Projekts lautet, dass ein Konsens über die weitreichenden Einsichten der Quantenphysik bislang an grundlegenden Meinungsverschiedenheiten über die Rolle des Beobachters in physikalischen Theorien gescheitert ist. MetaQ will jene Vorstellungen von Quantenrealität präzise fassen, die in der Quantenphysik derzeit besonders einflussreichsind, und ihre Implikationen für die grundlegende Natur des Physischen, dessen Verhältnis zu uns selbst und unserem Geist sowie unseren Status als frei Handelnde entwickeln.
Neue Angriffspunkte für die Behandlung der Multiplen Sklerose
Professor Martin Kerschensteiner ist Direktor des Instituts für Klinische Neuroimmunologie und Sprecher des Biomedizinischen Centrums der LMU sowie Mitglied im Exzellenzcluster SyNergy.
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der myeloide Zellen maßgeblich zur Schädigung des Nervensystems beitragen. Mit dem Projekt TACO will Professor Martin Kerschensteiner die Signale analysieren, die Zustand, Funktion und Interaktionen dieser Zellen steuern. Dazu werden neuartige In-vivo-CRISPR-Screens mit Einzelzellanalysen, räumlicher Transkriptomik und moderner Mikroskopie kombiniert. Ziel ist es, Signalwege zu identifizieren, die sich besonders für therapeutische Eingriffe eignen. Die Ergebnisse sollen neue Behandlungsansätze für Multiple Sklerose ermöglichen und eine vielseitige Technologieplattform für die Erforschung weiterer neurologischer Erkrankungen schaffen.
Eine neue Klasse von RNA-Molekülen
Professor Thomas Carell ist Inhaber des Lehrstuhls für Organische Chemie am Institut für Chemische Epigenetik der LMU und Mitglied im Exzellenzcluster NUCLEATE.
RNA spielt eine Schlüsselrolle bei der Proteinbiosynthese - dem Prozess, bei dem in der Zelle genetische Informationen in funktionale Eiweiß-Bausteine übersetzt werden. Inzwischen weiß die Forschung, dass RNA sogar noch deutlich vielseitiger ist als bislang gedacht und zahlreiche weitere Funktionen erfüllt, von denen viele noch kaum oder gar nicht erforscht sind.
So kann RNA neben den"klassischen"vier Nukleinbasen Adenin, Guanin, Cytosin und Uracil etwa 170 weitere, von der Standardstruktur abweichende Nukleoside enthalten. Sogenannte Transfer-RNAs (tRNAs) weisen als zentrale Adaptermoleküle für die Translation die höchste Anzahl dieser nicht-kanonischen Nukleoside auf. Eine kürzlich gemachte Entdeckung zeigte, dass tRNAs durch teilweise unbekannte Enzyme in kleinere Fragmente, sogenannte tsRNAs, gespalten werden.
Im Zuge seines ERC-Projekts RFrag will Thomas Carell erforschen, welche Funktionen diese völlig neue Klasse von RNA-Molekülen erfüllt, wie die tsRNA-Fragmente von spezifischen Enzymen weiterverarbeitet werden, die beteiligten Enzyme charakterisieren und herausfinden, ob und wie tsRNAs das Immunsystem beeinflussen."Unsere Arbeit wird nicht nur neue Einblicke in die Biologie der RNA liefern", so Carell,"sondern könnte auch das Verständnis darüber erweitern, wie das Immunsystem Fremd-RNA und damit Infektionen oder auch Tumore erkennt. Gerade Tumor-RNA ist bezüglich der Modifikationen oft ganz anders als die RNA von gesunden Zellen."
Pressekontakt:
Claudia Russo
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
80802 München
Phone: +49 (0) 89 2180-2706
E-Mail: Claudia.Russo(at)lmu.de
Original-Contentvon: Ludwig-Maximilians-Universität München, übermittelt durch news aktuell
Themen in diesem Fachartikel:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 23.06.2026 - 14:07 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2258352
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
München
Kategorie:
Gesundheit & Medizin
Dieser Fachartikel wurde bisher 5 mal aufgerufen.
Der Fachartikel mit dem Titel:
"Drei ERC Advanced Grants für LMU-Forschende"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Ludwig-Maximilians-Universität München (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).




