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THE LONG ARM of WORK - Wer Demokratie stärken will, mussüber Arbeit sprechen

ID: 2258339

Was wäre, wenn die Art, wie wir arbeiten, entscheidender für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie wäre als der Gang zur Wahlurne? Eine Antwort auf diese Frage gibt's hier.


(IINews) - Arbeit ist der unterschätzte Ort der Demokratie

Wenn wirüber Demokratie sprechen, denken wir an Parlamente, Wahlkabinen, politische Debatten. Selten haben wir den Ort im Blick, an dem die meisten Menschen den größten Teil ihres Tages verbringen: ihre Arbeit.

Dabei prägt kaum etwas unser Bild von Gesellschaft so stark wie die Erfahrungen, die wir im Arbeitsalltag machen. Ob wir Einfluss haben, ob wir gehört werden, ob wir Verantwortung übernehmen dürfen oder ob wir uns sicher fühlen. All das formt unser Vertrauen in Institutionen, gemeinsame Prozesse - und damit auch in Demokratie.

Arbeit ist nicht nur ein wirtschaftlicher Raum für Geld, Gewinne und Rendite. Sie ist auch ein sozialer. Ein Raum, in dem Menschen fünf Tage die Woche erleben, wie Zusammenarbeit und Gemeinschaft funktionieren. Und genau deshalb lohnt es sich, Arbeit als das zu betrachten, was sie längst ist: ein stiller, aber mächtiger Lernort fürdemokratische Kultur.

Was Forschungüber Arbeit und Demokratie zeigt

Studien aus Deutschland und der internationalen Organisationsforschung zeichnen ein erstaunlich klares Bild.

Die Beschäftigtenbefragung von Johannes Kiess und Marius Dilling (2025) mit über 6.000 Teilnehmenden zeigt: Wer im Job mitreden kann, vertraut eher in demokratische Prozesse. Wer fair behandelt wird, hält Regeln eher für sinnvoll. Wer Gestaltungsspielräume hat, erlebt sich auch gesellschaftlich als wirksam. Umgekehrt gilt: Wer sich im Arbeitsalltag übergangen fühlt, verliert häufiger Vertrauen in demokratische Institutionen und deren Prozesse.

Auch die Studie"Arbeitswelt und Demokratie in Ostdeutschland"unter Leitung von Kiess macht deutlich, wie zentral erlebte Handlungsfähigkeit im Arbeitskontext ist. Wer im Alltag Einfluss erlebt, entwickelt seltener das Gefühl gesellschaftlicher Ohnmacht - ein Faktor, der politische Einstellungen stärker prägt als oft angenommen.

International bestätigt eine Metaanalyse von Eva Selenko mit über 200 Studien dieses Muster: Menschen übertragen ihre Arbeitserfahrungen auf ihr gesellschaftliches Denken. Beteiligung stärkt Vertrauen, ausgeschlossen zu sein untergräbt es und erhöht die Wahrscheinlichkeit autoritärer und populistischer Einstellungen.





Die Forschung spricht hier von einem Spillover-Effekt: Erfahrungen bleiben nicht dort, wo sie entstehen. Wer im Job erlebt, dass die eigene Stimme zählt, nimmt dieses Gefühl mit in andere Lebensbereiche. Wer das Gegenteil erlebt, trägt auch dieses Erleben weiter

Gestützt wird dieser Befund durch die Forschung von Irma Rybnikova. Sie beschreibt, wie demokratische Erfahrungen am Arbeitsplatz in andere Lebensbereiche hineinwirken können - in Familien, Freundeskreise und Vereine.

Zusammen ergibt sich ein klares Bild: Arbeit ist ein zentraler Lernraum für Demokratie. Hier erleben Menschen, ob ihre Stimme zählt, ob sie gestalten dürfen, ob sie gehört werden und ob sie widersprechen können, ohne negative Konsequenzen zu fürchten.

Wenn Arbeit Ohnmacht erzeugt

Die Realität vieler Menschen sieht jedoch anders aus. Viele erleben Arbeit nicht als Ort, an dem sie wachsen können. Manche beschreiben ihren Arbeitsalltag wie ein System aus Türen, die sich nicht öffnen lassen. Andere wie eine Bühne, auf der sie zwar stehen, aber nichts sagen dürfen. Wiederandere wie ein Kreislauf aus Aufgaben, der sich dreht, ohne dass sie Einfluss darauf haben.

Das dahinterliegende Gefühl ist oft dasselbe: Ich kann nichts bewirken, ich werde nicht gehört, ich bin austauschbar. Dieses Gefühl bleibt nicht im Büro. Es wirkt weiter - in Gesprächen, in Einstellungen, im Vertrauen in Institutionen. Ohnmacht ist kein individuelles Problem. Sie ist ein gesellschaftliches.

Warum wir Zusammenarbeit neu denken müssen

Ohnmacht im Job entsteht selten durch einzelne Personen. Sie entsteht durch (Kultur-) Muster: fehlende Orientierung, unklare Zuständigkeiten, unausgesprochene Konflikte, Opferrollen, fehlende Anerkennung, zu wenig Raum für Verantwortung.

Viele Organisationen reagieren darauf mit mehr Kontrolle oder neuen Programmen. Doch mehr vom Gleichen verändert wenig. Was fehlt, ist ein gemeinsames Verständnis davon, welche Haltungen Zusammenarbeit so prägen, dass Menschen sich als wirksam erleben. Genau hier setzt das Wachstums?Quadrat® an.

Das Wachstums?Quadrat® ist ein psychologisches Modell, das hilft, Dynamiken in Zusammenarbeit sichtbar zu machen und gezielt zu verändern. Es verbindet Erkenntnisse aus Positiver Psychologie und Hirnforschung und richtet den Blick sowohl auf zwischenmenschliche Muster (z. B. in Teams oder Führungssituationen) als auch auf innere Dynamiken (z. B. Selbstkritik oder Rückzug).

Im Kern beschreibt das Modell vier handlungsorientierte Haltungen:

- Ermöglicher:in - kreiert Verhältnisse (prozessual, materiell und psychologisch), unter denen Menschen selbstbestimmt wachsen können.
- Herausforder:in - ermutigt (statt zu entmutigen), sieht Potenziale und lädt Menschen ein, jeden Tag ein Stück über sich hinauszuwachsen.
- Gestalter:in -übernimmt Verantwortung, stärkt Selbstwirksamkeit, bringt Ideen ins Handeln und schafft Wirklichkeit.
- Wertschätzer:in - erkennt an, würdigt auch kleine Fortschritte, schenkt (Selbst-)Vertrauen und schafft ein Klima echter Verbundenheit.

Diese vier Haltungen spiegeln sehr genau wider, was auch die Forschung fordert: Räume, in denen Menschen sich wirksam, beteiligt, sicher und verbunden fühlen.

Demokratie beginnt nicht erst im Wahllokal

Die Studien zeigen deutlich: Demokratie entsteht nicht nur in politischen Institutionen, sondern im Alltag. Besonders dort, wo Menschen zusammenarbeiten. In Unternehmen, Schulen, Verwaltungen.Überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, und Menschen spüren, ob sie tatsächlich Einfluss haben oder nicht.

Arbeit prägt, wie wir uns selbst erleben, wie wir anderen begegnen und wie wir auf Gesellschaft schauen. Wer im Arbeitsalltag erlebt, dass die eigene Stimme zählt, entwickelt leichter Vertrauen in gemeinschaftliche Prozesse. Wer dauerhaft ausgebremst wird, misstraut eher. Das ist kein moralisches Urteil, sondern ein Hinweis darauf, wie eng Arbeitskultur und gesellschaftliche Stabilität miteinander verbunden sind.

Vor diesem Hintergrund wirkt die politische Forderung aus Berlin, _"wir müssen mehr arbeiten"_, erstaunlich eindimensional. Sie setzt auf Quantität - mehr Stunden, mehr Erwerbsarbeit, mehr Output.

Doch die Forschung zeigt klar: Wir brauchen nicht mehr vom Immergleichen, sondern mehr vom Besseren. Entscheidend ist nicht, _wie viel _wir arbeiten, sondern _wie_ wir arbeiten. Ob Menschen wirksam sein können, ob sie beteiligt werden, ob sie Sicherheit erleben und ob sie sich verbunden fühlen. Diese Faktoren entscheiden darüber, ob Arbeit ein Ort der Ohnmacht oder ein Ort der Selbstwirksamkeit wird.

Genau diese qualitativen Aspekte sind es, die Arbeit einfach besser machen und demokratische Kultur stärken.

Wenn wirüber Demokratie reden, sollten wir deshalb auch über Arbeit sprechen. Über Führung, die Menschen ernst nimmt. Über Teams, die Konflikte lösen können. Über Strukturen, die Beteiligung ermöglichen.

Arbeit kann Menschen entmutigen. Sie kann sie aber auch stärken. Und genau darin liegt eine Chance - für Organisationen, für Gemeinschaft und für die Demokratie.

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Über den Autor

Mario Pracht arbeitet unter der Marke"etc. PP® - Einfach. Besser. Arbeiten."als zertifizierter Berater und Trainer für Positive Psychologie. Er ist Co?Founder der Initiative"JURASSIC WORK - Positiv führen in wilden Zeiten"und entwickelte im Jahr 2025 das WACHSTUMS?QUADRAT®.

Weitere Informationen unter: www.etcpp.rocks/wachstums-quadrat

Quellen:

Kiess, Johannes&Dilling, Marius (2025) | Gute Arbeitsbedingungen sichern die Demokratie.
Kiess et al. (2023) | Arbeitswelt und Demokratie in Ostdeutschland.
Selenko et al. (2025) | The Political Consequences of Work.
Kiess&Schmidt (2025) | The Political Spillover of Workplace Democratization.
Rybnikova (2022) | Spillover Effect of Workplace Democracy.


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etc. PP®steht für die vielfältigen Herausforderungen, denen Unternehmen heute in Bezug auf Arbeit&Führung gegenüberstehen UND für die Antworten, welche die Wissenschaft der Positiven Psychologie (kurz PP genannt) darauf geben kann.



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Politik & Gesellschaft



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