Fachbeitrag von Kai Fürderer: Beratungsqualität in einer digitalen Welt
Warum der Mensch im Zeitalter von KI, Apps und digitalen Prozessen wichtiger bleibt denn je

(PresseBox) - Die Digitalisierung hat die Finanzbranche in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Mobile Banking, digitale Abschlussstrecken, Robo-Advisor, Video-Beratung und zunehmend auch Künstliche Intelligenz (KI) prägen heute die Interaktion zwischen Kunden und Finanzinstituten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Rolle persönliche Beratung künftig noch spielenwird. Ist sie ein Auslaufmodell in einer Welt, in der Informationen jederzeit verfügbar sind und KI-Systeme binnen Sekunden Antworten liefern?
Die aktuellen Studien und Analysen der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH zeichnen ein anderes Bild. Sie zeigen, dass digitale Angebote zwar selbstverständlich geworden sind, hochwertige persönliche Beratung jedoch weiterhin einen zentralen Stellenwert besitzt; insbesondere dann, wenn es um komplexe Entscheidungen, Vertrauen und langfristige Finanzplanung geht. Die Zukunft gehört daher nicht der rein digitalen Bank und auch nicht der klassischen Filialbank, sondern einer intelligenten Verbindung beider Welten.
Digitale Exzellenz ist heute Pflicht
Die Erwartungen der Kundinnen und Kunden an digitale Leistungen sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Moderne Banking-Apps, intuitive Nutzerführung, digitale Self-Service-Angebote und schnelle Informationsbereitstellung werden nicht mehr als besondere Zusatzleistungen wahrgenommen, sondern als selbstverständliche Grundvoraussetzungen. Banken werden heute nicht mehr nur mit anderen Banken verglichen, sondern mit den besten digitalenErlebnissen des Alltags und das reicht von Amazon über Spotify bis hin zu Netflix.
Die NextGen Studie 2026 der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigt, dass insbesondere junge Kundinnen und Kunden digitale Prozesse, Transparenz und einfache Bedienbarkeit erwarten. Schnelle Informationen, verständliche Sprache und eine hohe digitale Erreichbarkeit gehören zu den wichtigsten Anforderungen an moderne Finanzdienstleister. Digitale Qualität wird damit zu einem Hygienefaktor. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, verliert bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt an Relevanz.
KI verändert die Informationssuche
Besonders spannend ist die Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Immer mehr Menschen nutzen Systeme wie ChatGPT als erste Anlaufstelle bei und für Finanzfragen. Die klassische Suchmaschine verliert zunehmend an Bedeutung, weil KI-Anwendungen Antworten direkt liefern und Informationen verständlich aufbereiten können. Die Hürde, sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen, sinkt dadurch erheblich.
Doch genau hier liegt eine wichtige Erkenntnis: Information ist nicht gleich Beratung.
KI kann Informationen strukturieren, Produktmerkmale erklären oder Rechenbeispiele liefern. Sie kann jedoch weder die individuelle Lebenssituation vollständig erfassen noch emotionale Aspekte, persönliche Ziele oder Unsicherheiten angemessen berücksichtigen. Finanzentscheidungen betreffen oftmals zentrale Lebensbereiche wie Vermögensaufbau,Altersvorsorge, Immobilienerwerb oder Absicherung der Familie. In diesen Situationen suchen Menschen nicht ausschließlich Informationen, sondern Orientierung und Sicherheit.
Die Studienergebnisse der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigen deshalb ein bemerkenswertes Paradox: Während KI-Tools zunehmend genutzt werden, genießen persönliche Beratungsgespräche weiterhin das höchste Vertrauen. Freunde, Familie und persönliche Ansprechpartner bleiben die glaubwürdigsten Informationsquellen. Vertrauen entsteht letztlich nicht durch Algorithmen, sondern durch zwischenmenschliche Beziehungen.
Die größte Chance der Banken liegt im persönlichen Dialog
Besonders interessant sind die Ergebnisse der NextGen Studie 2026 mit Blick auf die junge Generation. Entgegen vieler Vorurteile wünschen sich gerade junge Erwachsene keineswegs ausschließlich digitale Lösungen. Mehr als drei Viertel der Befragten bewerten persönliche Beratung als wichtig. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine deutliche Lücke zwischen Erwartung und tatsächlicher Wahrnehmung der Beratungsqualität. Nur etwa die Hälfte der Befragten beurteilt die persönliche Beratung ihrer Bank als gut oder sehr gut.
Genau hierin liegt eine der größten Chancen für Banken und Sparkassen.
Während digitale Leistungen zunehmend standardisiert werden und sich Wettbewerber technisch immer stärker angleichen, bleibt Beratungsqualität ein Differenzierungsmerkmal, das sich nicht beliebig kopieren lässt. Gute Beratung schafft Vertrauen, stärkt Kundenbindungen und entwickelt auseinzelnen Produktinteressen langfristige Kundenbeziehungen.
Dabei geht es längst nicht mehr um klassische Produktberatung allein. Moderne Beratung bedeutet heute vor allem:
Bedürfnisse verstehen
komplexe Zusammenhänge verständlich erklären
individuelle Lösungen entwickeln
Orientierung geben
langfristige Begleitung sicherstellen
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, steigender Komplexität und einer wachsenden Informationsflut gewinnt diese Form der Unterstützung an Bedeutung.
Beratungsqualität beginnt lange vor dem Beratungsgespräch
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den verschiedenen Bankentests der Gesellschaft für Qualitätsprüfung lautet: Beratungsqualität beginnt nicht erst im Gespräch.
Bereits die digitale Sichtbarkeit, die Auffindbarkeit relevanter Informationen, die Terminvereinbarung und die Qualität der Kommunikation vor dem eigentlichen Termin beeinflussen die Wahrnehmung der Kunden erheblich. Kunden erwarten heute einen nahtlosen Übergang zwischen digitalen und persönlichen Kontaktpunkten. Sie möchten Informationen online recherchieren, Termine digital vereinbaren und anschließend ein hochwertiges persönliches Gespräch führen.
Die besten Institute verstehen deshalb Beratung als durchgängigen Prozess. Website, App, Chat, Social Media, Telefon, Videoberatung und Filiale sind keine getrennten Kanäle mehr, sondern Bestandteile einer gemeinsamen Kundenerfahrung bzw. Kundenreise.
Die Zukunft gehört hybriden Beratungsmodellen
Die Ergebnisse der NextGen Studie 2026 zeigen deutlich, dass Kunden nicht zwischen digital und persönlich entscheiden wollen. Sie erwarten beides. Besonders hohe Akzeptanz erzielen Institute, die persönliche Beratung mit digitalen Mehrwerten kombinieren. Dazu gehören beispielsweise digitale Finanzplanung, Chat-Funktionen, moderne Investmentangebote oder intelligente Serviceleistungen innerhalb der Banking-App. Die erfolgreichsten Konzepte verbinden menschliche Kompetenz mit technologischer Unterstützung.
Die Frage lautet daher nicht mehr, ob Digitalisierung oder persönliche Beratung wichtiger ist. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie können digitale Möglichkeiten genutzt werden, um persönliche Beratung noch besser zu machen?
KI kann Berater von Routineaufgaben entlasten. Datenanalysen können individuelle Bedürfnisse frühzeitig erkennen. Digitale Tools können komplexe Sachverhalte visualisieren und verständlicher machen. Die eigentliche Beratung gewinnt dadurch sogar an Qualität, weil mehr Zeit für die persönliche Interaktion bleibt.
Finanzbildung als neue Dimension der Beratungsqualität
Ein weiterer Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung: die Vermittlung von Finanzwissen.
Die Untersuchungen der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigen, dass gerade junge Kundinnen und Kunden einen hohen Informations- und Bildungsbedarf haben. Gleichzeitig bestehen erhebliche Wissenslücken bei Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge oder Vermögensaufbau. Viele Kunden kennen die vorhandenen Informations- und Bildungsangebote ihrer eigenen Bank gar nicht.
Hier entsteht eine neue Aufgabe für moderne Finanzberatung. Erfolgreiche Institute werden künftig nicht nur Produkte erklären, sondern Finanzkompetenz fördern. Sie werden Kunden befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen und komplexe Finanzthemen verständlich aufbereiten. Beratungsqualität entwickelt sich damit zunehmend von der reinen Produktempfehlung hin zur langfristigen Begleitung und Bildung der Kunden.
Fazit: Der Mensch bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor
Die Digitalisierung verändert die Finanzberatung grundlegend. KI, digitale Prozesse und moderne Anwendungen werden künftig noch stärker zum Alltag gehören. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien und Praxiserfahrungen, dass persönliche Beratung keineswegs an Bedeutung verliert. Im Gegenteil: Je digitaler die Welt wird, desto wertvoller werden Vertrauen, Orientierung und zwischenmenschlicher Dialog.
Die Zukunft erfolgreicher Banken liegt deshalb nicht im Ersatz des Menschen durch Technologie. Sie liegt in der intelligenten Verbindung von technologischer Exzellenz und menschlicher Kompetenz.
Digitale Qualität entscheidet darüber, ob ein Kunde eine Bank überhaupt wahrnimmt. Beratungsqualität entscheidet darüber, ob er bleibt. Oder anders formuliert: Digitale Lösungen schaffen Effizienz. Persönliche Beratung schafft Vertrauen. Und Vertrauen bleibt auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz die wichtigste Währung erfolgreicher Kundenbeziehungen.
Autor:
Kai Fürderer, Mitglied der Geschäftsleitung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 11.06.2026 - 10:19 Uhr
Sprache: Deutsch
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