Design prägt Kaufentscheidungen in der EU, Fälschungsrisiken bleiben hoch

(ots) -
- Deutsche Verbraucher schätzen Design: 70 % sind bereit, für besser konzipierte Produkte mehr zu bezahlen.
- Designgetriebene Branchen sind besonders anfällig für Fälschungen: Die jährlichen Verluste werden in der Bekleidungsbranche auf rund 12 Mrd. EUR und in der Handtaschen- und Schmuckbranche auf etwa 2,7 Mrd. EUR geschätzt.
- Der Schutz von Designs hilft, Fälschungen und unerlaubte Nachahmungen einzudämmen, und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der EU auf dem Weltmarkt.
Nach neuen Erkenntnissen des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) ist das Design eines Erzeugnisses für Verbraucher in der gesamten EU ein zentraler Faktor bei Kaufentscheidungen. Die Ergebnisse einer EU-weiten Umfrage zeigen: Für 72 % der europäischen Verbraucher ist das Produktdesign ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung. Rund ein Drittel (31 %) gibt an, dass das Design beim Kauf eines Produkts sehr oder extrem wichtig ist. Fast drei Viertel (73 %) sind bereit, für besser gestaltete Produkte einen höheren Preis zu zahlen.
Design spielt insbesondere für jüngere Verbraucher eine zentrale Rolle: 80 % der 18- bis 24-Jährigen geben an, dass Produktdesign ein wichtiger Faktor bei ihren Kaufentscheidungen ist. Im Branchenvergleich zeigt sich ein besonders starker Einfluss in der Möbel- und Modebranche: 76 % der Verbraucher in der EU haltenDesign beim Kauf von Möbeln für sehr wichtig; 66 % tun dies beim Kauf von Bekleidung und Accessoires. Qualität und Preis bleiben zwar die wichtigsten Kaufkriterien, doch auch Design prägt die Verbraucherpräferenzen, insbesondere bei jüngeren Generationen.
Aufgrund seines hohen wirtschaftlichen Werts ist Design jedoch auch in besonderem Maße von Fälschungen und unerlaubten Nachahmungen betroffen, die in Schlüsselsektoren wie Mode, Möbel, Elektronik und weiteren Konsumgüterbereichen weit verbreitet sind.
Der Exekutivdirektor des EUIPO, João Negrão, erklärte:
"Europäisches Design ist eine zentrale Wettbewerbsstärke. Es prägt die Produkte, denen wir vertrauen, die wir wertschätzen und täglich nutzen, und unterstützt Unternehmen dabei, sich im globalen Markt zu differenzieren. Studien zeigen, dass Verbraucher, insbesondere jüngere Generationen, den Wert guten Designs erkennen. Ein wirksamer Designschutz gibt Urhebern die Sicherheit für Innovationen und stärkt Unternehmen, indem er Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördert, auf die die europäische Wirtschaft angewiesen ist."
Fälschungen - eine Bedrohung für europäisches Design
Gefälschte Produkte, die das Erscheinungsbild originaler Waren nachahmen, sind weit verbreitet. Begünstigt wird diese Entwicklung durch das Wachstum des elektronischen Handels und den Einfluss sozialer Medien. Etwa 13 % der Europäer geben an, wissentlich gefälschte Waren gekauft zu haben; bei jüngeren Verbrauchern im Alter von 15 bis 24 Jahren sind es 26 %.
Den Daten des EUIPO zufolge erleidet die Mode- und Bekleidungsindustrie geschätzte jährliche Verluste in Höhe von 12 Mrd. EUR. Gefälschte Handtaschen, Schmuck und Uhren verursachen den Originalherstellern rund 2,7 Mrd. EUR an Umsatzeinbußen pro Jahr in der gesamten EU. In Deutschland führen Fälschungen in der Bekleidungsbranche zu jährlichen Verlustenin Höhe von 2,913 Mrd. EUR; im Bereich Schmuck und Uhren betragen die Einbußen rund 403 Mio. EUR. KMU sind für diese Art von Rechtsverletzungen besonders anfällig, da sie häufig auf eine kleine Zahl prägnanter Produktdesigns angewiesen sind und zugleich nur begrenzte Ressourcen für die Überwachung und Durchsetzung ihrer Designrechte haben.
Über die wirtschaftlichen Auswirkungen hinaus können nachgeahmte Produkte erhebliche Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für Verbraucher und Umwelt mit sich bringen, da sie häufig nicht den geltenden Sicherheits- und Qualitätsstandards entsprechen. Untersuchungen zeigen zudem, dass der Handel mit gefälschten Waren mit organisierten kriminellen Netzwerken und in einigen Fällen mit der Ausbeutung von Arbeitskräften in Verbindung steht.
Design als strategischer Vermögenswert
Designorientierte Wirtschaftszweige leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in der EU. Sie beschäftigen rund 28 Millionen Menschen (etwa 13 % aller Arbeitsplätze in der EU) und erwirtschaften mehr als 16 % des EU-BIP. Studien des EUIPO zeigen zudem, dass kleine Unternehmen mit eingetragenen Designs fast 30 % höhere Einnahmen pro Mitarbeiter erzielen undrund 25 % höhere Löhne und Gehälter zahlen als Unternehmen ohne eingetragene Rechte des geistigen Eigentums. Trotz dieser Vorteile verfügen in der EU jedoch nur etwa 1 % der KMU über eingetragene Designrechte.
Die Eintragung eines EU-Designs (https://www.euipo.europa.eu/en/designs/design-reform-hub) bietet Unternehmen einen schnellen und kosteneffizienten Schutz im gesamten EU-Binnenmarktüber eine beim EUIPO online eingereichte Anmeldung. Die Anmeldegebühren fangen bei 350 EUR an. Eingetragene EU-Designs sind in allen 27 EU-Mitgliedstaaten durchsetzbar und können alle fünf Jahre bis zu einer Gesamtdauer von 25 Jahren verlängert werden.
ÜBER DAS EUIPO
Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) (https://euipo.europa.eu/) ist eine der größten dezentralen Agenturen der Europäischen Union und hat seit seiner Gründung 1994 seinen Sitz in Alicante (Spanien). Es ist zuständig für die Eintragung von Unionsmarken, Unionsdesigns sowie geografischen Angaben für handwerkliche und industrielle Erzeugnisse, bei denen es sich um Rechte des geistigen Eigentums handelt, die die 27 EU-Mitgliedstaaten abdecken. Das EUIPO führt zudem Kooperationsaktivitäten auf EU- und internationaler Ebene durch, um gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Welt des geistigen Eigentums zu schaffen, und ist für die Europäische Beobachtungsstelle für Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums (https://www.euipo.europa.eu/en/observatory) zuständig. 2025 wurde das EUIPO als innovativstes Amt für geistiges Eigentum der Welt(https://www.worldtrademarkreview.com/article/euipo-and-ukipo-ranked-most-innovative-offices-in-the-world) eingestuft.
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Datum: 10.06.2026 - 10:04 Uhr
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