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Weibliche DAX-Aufsichtsräte nur halb so lang im Amt wie Männer

ID: 2249935

(ots) - - Männliche DAX-Aufsichtsräte bleiben fast zehn Jahre, Frauen nur rund fünf Jahre

- Keine Trendumkehr: Frauenanteil bleibt unter dem 40%-Rekordwert von 2024

- Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen

- DAX fällt im internationalen Vergleich weiter zurück

- Zahl der weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden steigt auf fünf

Weibliche DAX-Aufsichtsräte scheiden deutlich früher aus dem Amt aus als Männer. Die Schere hat sich in den letzten fünf Jahren immer weiter geöffnet. Blieben 2022 Frauen im Schnitt rund zwei Jahre länger im Amt als Männer, waren sie 2026 mit einer Verweildauer von durchschnittlich 5,4 Jahren im Vergleich zu Männern mit 9,5 Jahren nur noch rund halb so lang im Amt. Die Lücke zur Verweildauer der in diesem Jahr ausscheidenden Männer ist zweieinhalb Mal so groß wie im Zehnjahresdurchschnitt.

Mehr Frauen scheiden aus als nachrücken

Gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in DAX-Aufsichtsräten zwei Prozentpunkte unter dem Rekordwert von vor zwei Jahren (38,3% gegenüber 40,3%*). Bis 2024 ging es 15 Jahre kontinuierlich bergauf mit dem Frauenanteil in den Aufsichtsräten des wichtigsten deutschen Aktienindex und dieser überschritt in dem Jahr zum ersten Mal die 40%-Marke. Der rückläufige Trend setzt sich 2026 fort. Erneut scheiden in diesem Jahr mehr Frauen aus als neu gewählt wurden. Das zeigt die jährliche Analyse der DAX-Aufsichtsräte durch die Personalberatung Russell Reynolds Associates.

DAX verliert im europäischen Vergleich an Boden

International fällt der DAX das zweite Jahr in Folge zurück. Im Vergleich mit den zehn wichtigsten Börsenindizes Europas liegt der DAX auf Platz acht. Der Frauenanteil im DAX entwickelt sich dabei gegen den europäischen Trend. Mit Ausnahme Frankreichs steigt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien derUnternehmen der wichtigsten europäischen Aktienindizes. An der Spitze steht Frankreich mit jetzt rund 47%, gefolgt von Norwegen (rund 46%), UK und Italien (rund 45%) sowie Dänemark und den Niederlanden (rund 43%).





Zahl weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender steigt

Einen positiven Trend zeigt der Blick auf die DAX-Aufsichtsratsvorsitze: Fünf Aufsichtsgremien (12,5%) werden nun von Frauen geführt - Simone Bagel-Trah bei Henkel; Clara-Christina Streit mit zwei Mandaten (Deutsche Börse und Vonovia), Katrin Suder bei DHL Group und Sabrina Soussan bei Continental. Das ist die bisher höchste Zahl an weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden. Wenn Amparo Moraleda im Oktober 2026 René Obermann an der Spitze des Aufsichtsrats von Airbus ablöst, steigt der Anteil weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender auf 15%.

Außer beim Vorsitz kein Zuwachs bei Schlüsselpositionen

Bei den sogenannten«Positions of Power» gibt es außer beim Aufsichtsratsvorsitz und bei den Ausschussvorsitzenden keinen Zuwachs: Der Anteil an weiblichen stellvertretenden Vorsitzen sank im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil an allgemeinen Ausschusssitzen verringerte sich von 39% auf 35%. Im Präsidialausschuss, in dem die Weichen für zentrale Entscheidungen des Aufsichtsrats gestellt werden, sind Frauen mit 11,6 % deutlich unterrepräsentiert. Bei der Machtverteilung liegt der Frauenanteil damit bis zu 15 Jahre hinter dem gesamten Frauenanteil zurück.

"Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen"

"Das zweite Jahr in Folge gab es keinen Fortschritt auf dem vor kurzem noch sicher geglaubten Weg hin zur Parität - und das gegen den europäischen Trend. Es herrscht Stillstand. Wir liegen beim Frauenanteil erneut unter der 40%-Marke. Zudem bleiben Frauen deutlich kürzer im Amt, zuletzt nur noch rund halb so lang wie Männer. Die Besetzung zentraler Machtpositionen mit Frauen - wie beispielsweisein den Präsidialausschüssen - hinkt weiterhin deutlich hinterher. Das ist in Summe keine gute Entwicklung", so Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board&CEO Practice von Russell Reynolds Associates.

"In diesen Zeiten großer Unsicherheit ist CEO-Erfahrung eine besonders gesuchte Qualifikation für Aufsichtsräte. Da in der Vergangenheit kaum Frauen an der Spitze von DAX-Unternehmen standen, ist der Pool an weiblichen Kandidaten mit dieser Erfahrung zwangsläufig viel kleiner, was Frauen benachteiligt."

Drei Unternehmen bleiben unter den geforderten 30%

Mit einem Frauenanteil von 58% (Aktionärs- und Arbeitnehmervertretungen) liegt Beiersdorf 2026 erneut an der Spitze der 40 DAX-Unternehmen, gefolgt von Bayer, Fresenius Medical Care und Vonovia (alle jeweils 50%). Insgesamt haben mehr als die Hälfte aller DAX-Unternehmen (24 von 40) einen Frauenanteil von 40% oder mehr. Porsche SE** bleibt mit 20% weiterhin deutlich unter den geforderten 30%, auch Adidas (25%) und SAP (28%) unterschreiten erneut diese Schwelle.

Frauen beim Ausscheiden deutlich jünger

Im letzten Jahr waren die ausscheidenden Frauen rund acht Jahre (gegenüber sechs Jahren im Vorjahr und fünf Jahren vor zwei Jahren) jünger als ihre männlichen Kollegen (59,2 Jahre gegenüber 66,9 Jahren).

Vernetzung erreicht historischen Tiefstand

Die Vernetzungüber Mehrfachmandate in Aufsichtsräten sinkt weiter und erreicht einen historischen Tiefstand. Der Rückgang ist vor allem auf Männer zurückzuführen, während Frauen bei Mehrfachmandaten weitgehend konstant bleiben. In diesem Jahr fällt er besonders deutlich aus - vor allem durch den Abstieg der Porsche AG aus dem DAX sowie durch Mandatsreduzierungen.

Über die Studie:

Die Analyse zur Entwicklung der DAX-Aufsichtsgremien beruht auf den Zahlen und Daten nach Durchführung der diesjährigen Hauptversammlungen bzw. den laut Tagesordnung geplanten personellen Veränderungen bei den noch ausstehenden Hauptversammlungen. Russell Reynolds Associates führt die Erhebung seit 16 Jahren jährlich durch und hat damit den Referenzstandard für die Zusammensetzung von Aufsichtsräten in Deutschland etabliert.

* Betrachtet wird der Anteil der AktionärsvertreterInnen.

**Da Porsche SE nicht paritätisch mitbestimmt ist, fällt es nicht unter das Führungspositionengesetz FüPoG I aus dem Jahr 2016, das eine 30% Frauenquote vorschreibt.

Studie herunterladen (https://www.dropbox.com/scl/fi/fdy8pzomhhjuykdgg95kd/Russell-Reynolds-DAX40-Aufsichtsratsstudie-2026-final-Mai-2026.pdf?rlkey=yv5gnnvnsu1llqt9fo3woa5y0&st=bn2p6xu0&dl=0)

Foto Jens-Thomas Pietralla (https://www.dropbox.com/scl/fi/4auutk84eg5pwvu9perh5/Russell-Reynolds-Jens-Thomas-Pietralla-print.jpg?rlkey=8eq2c0umbbsllsl8z20fty4wg&st=6wohqe5v&dl=0)

Weitere Informationen:

Shepard Fox Communications
Axel Schafmeister
Tel.: +41 44 252 0708
Mobil: +41 78 714 8010
axel.schafmeister(at)shepard-fox.com


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Datum: 08.05.2026 - 08:28 Uhr
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