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Von der Forschung und Praxis in die Verwaltung: F.R.A.N.Z.-Fachforum entwickelt Lösungsansätze für dieÜbertragbarkeit von Biodiversitätsmaßnahmen

ID: 2249687

(ots) - Wie lassen sich Biodiversitätsmaßnahmen in der Agrarlandschaft wirksamer planen und umsetzen? Beim F.R.A.N.Z.-Fachforum in Braunschweig wurden zentrale Ansatzpunkte diskutiert, um bestehende Hürden, wie z. B. fehlende Planungssicherheit oder begrenzte Handlungsspielräume, abzubauen und Biodiversitätsmaßnahmen künftig flexibler, praxistauglicher und ökologisch wirksamer zu gestalten.

Ziel war es, im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelte Module und Werkzeuge gemeinsam mit rund 50 Teilnehmenden aus Verwaltung, Forschung und Praxis zu schärfen, um die besten Lösungen in die Verwaltung übertragen zu können:


- Weiterentwicklung praxistauglicher Werkzeuge, wie ein Flex-Modul-Konzept, das z. B. witterungsbedingte Anpassungen erlaubt, bei gleichzeitiger Honorierung eines Basissatzes für den Betrieb, sowie ein Maßnahmenplanungs-Bewertungstool für Landwirt*innen zur besseren Planung und Umsetzung von Maßnahmen
- Räumliche Bündelung von Maßnahmen und stärkere Nutzung kooperativer Ansätze, um die ökologische Wirkung durch den Einbezug der Landschaftsebene zu erhöhen
- Vereinfachung von Förderverfahren und mehr Flexibilität bei Vorgaben, um die Umsetzung für landwirtschaftliche Betriebe zu erleichtern
- Abgestimmter Rahmenüber alle Verwaltungsebenen hinweg, optimiert durch Modellprojekte zur schrittweisen Einführung neuer Ansätze in die Breite

Umsetzung erleichtern: Hemmnisse abbauen und Verfahren praxistauglicher gestalten

Grundlage der Diskussion waren Erkenntnisse aus zahlreichen Interviews mit landwirtschaftlichen Betriebsleitenden. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere technische Anforderungen bei der Antragsstellung, begrenzte Flexibilität, unzureichende Honorierung sowie mangelnde Planungssicherheit die Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen erschweren. Als zentrale Ansatzpunkte wurden die Vereinfachung von Antragsverfahren, niedrigschwellige Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten in Maßnahmen, eine stärkere Nutzung digitaler Lösungen, z.B. zur Bestimmung optimaler Aussaatzeitpunkte, sowie zusätzliche Finanzierungsoptionen außerhalb bestehender Förderprogramme identifiziert.





"Das gleicht der Quadratur des Kreises. Landwirtinnen und Landwirte wünschen sich Flexibilität, gleichzeitig aber möglichst wenig zusätzlichen Aufwand und klare Vorgaben. Wir haben hier einen klassischen Zielkonflikt: Stichtage schaffen Klarheit und erleichtern Verwaltung sowie Kontrolle, während mehr Flexibilität den Entscheidungsbedarf erhöht und das System insgesamt komplexer macht", so Dr. Norbert Röder vom Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen.

Flexible Module und Maßnahmen-Bündelung als neue Ansätze für effektive Wirksamkeit

Ein weiterer Schwerpunkt des Fachforums lag auf flexiblen Modulen und der Bündelung von Maßnahmen auf Ackerbrachen und extensiveren Bewirtschaftungsformen. Das im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelte Flex-Modul-Konzept bietet der Verwaltung klare Leitplanken, in denen die Betriebe flexibel auf betriebliche und witterungsbedingte Ereignisse reagieren und Anpassungen an denMaßnahmen vornehmen können - so fallen Maßnahmen nicht gänzlich weg und ein ökologischer Mehrwert wird erzielt. Dieses Konzept wurde vor allem als Chance bewertet, mehr Betriebe für Maßnahmen zu gewinnen.

Als besonders vielversprechend wurde die räumliche Bündelung von Biodiversitätsmaßnahmen bewertet. Dabei werden Maßnahmen auf etwa 12 bis 20 Prozent der Ackerfläche des Betriebes - oder in Kooperation mehrerer Betriebe - zeitgleich und räumlich nah beieinander umgesetzt, um ihre ökologische Wirkung zu erhöhen. Für die Umsetzung solcher Ansätze wurde die Notwendigkeit eines abgestimmten Rahmens zwischen EU, Bund und Ländern hervorgehoben. Ein Baukastensystem auf Bundesebene wurde als geeigneter Ansatz gesehen, um regionale Anforderungen zu berücksichtigen und gleichzeitig eine einheitliche Struktur zu schaffen.

Jürgen Metzner, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege, betonte:"Biodiversitätsmaßnahmen neu denken heißt für mich: Spielräume schaffen und Spielräume nutzen. Die EU-Kommission hat viele Spielräume eröffnet - vielleicht sogar zu viele. Entscheidend ist jetzt, die Finanzierung für mehr Biodiversität in der GAP verlässlich zu gestalten - mit klaren Bundesstandards, mehr Regionalisierung, stärkerer Ergebnisorientierung durch ein Bewertungssystem und einer Förderung überbetrieblichen Handelns. Und ja, wir müssen die Förderbedingungen vereinfachen - aber ohne dabei die Naturschutzregelungen abzuschaffen."

Eine zentrale Rolle kommt zudem derökologischen Betriebsberatung zu, die Betriebe bei der Planung und Umsetzung unterstützen und bürokratische Hürden reduzieren kann. Hervorgehoben wurden hier die kooperativen Ansätze, die in Deutschland das"Niederländische Modell"erproben und eine effiziente Struktur für die Betriebsberatung bieten. Diese Modellprojekte gilt es nun schrittweise auszuweiten.

"Es wäre wünschenswert, auf beiden Seiten vom Perfektionismus wegzukommen: zunächst zu klären, was fachlich sinnvoll ist und erst anschließend das Förderrecht an die Bedürfnisse der Landwirtschaft anzupassen", plädierte Anja Werther vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum.

Bewertungstool unterstützt Maßnahmenplanung in der Praxis

Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung eines im Projekt entwickelten Tools, welches die Planung von Biodiversitätsmaßnahmen auf Ackerflächen bewertet. Das Tool bewertet Umfang, Vielfalt und räumliche Lage von Maßnahmen und soll dazu beitragen, die Umsetzung von Maßnahmen transparenter und vergleichbarer zu machen.

Auf der Veranstaltung wurden neue Ideen zur Nutzung des Konzeptes und Weiterentwicklungsmöglichkeiten diskutiert. So wurde angeregt, regionale Besonderheiten stärker zu berücksichtigen und bestehende Bewertungsansätze zu beispielsweise dem Biodiversitätspotenzial von landwirtschaftlichen Praktiken einzubeziehen. Gleichzeitig wurde betont, dass der praktische Nutzen fürlandwirtschaftliche Betriebe aufgrund der anschaulichen Ergebnisdarstellung klar erkennbar sein muss. Für eine breite Anwendung des Konzepts bedarf es Anreize, gleichzeitig muss die Komplexität begrenzt bleiben, um die Akzeptanz in der Praxis zu sichern.

Ergebnisse werden zu Handlungsempfehlungen weiterentwickelt

Veranstaltet wurde das Fachforum vom F.R.A.N.Z.-Projekt, wobei die inhaltliche Ausgestaltung vom Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen übernommen wurde. Die im Fachforum erarbeiteten Hinweise und Lösungsansätze werden nun systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Weiterentwicklung bestehender Maßnahmenprogramme in denBundesländern dienen und dazu beitragen, Biodiversitätsmaßnahmen künftig flexibler, praxistauglicher und ökologisch wirksamer zu gestalten.

Hermann Dedert, Landwirt und Vorsitzender des Umweltausschusses beim Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverband ergänzte abschließend:"Bei allenÜberlegungen zur Ausgestaltung von Maßnahmen/AUKMs ist es wichtig, die Landwirte von Anfang an einzubeziehen. Die Landwirtschaft ist bereit, ihren Part zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu leisten. Dies geht aber nur, wenn die Maßnahmen flexibel zu den wirtschaftenden Betrieben passen, eine ausreichende Finanzierung vorhanden ist und der bürokratische Aufwand minimiert wird. Nur mit diesem kooperativen Vorgehen, das dem F.R.A.N.Z.-Projekt zugrunde liegt, können wir erfolgreich sein."

Weitere Informationen unter: www.franz-projekt.de

Über das F.R.A.N.Z.-Projekt:

Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft&Naturschutz mit Zukunft) hat sich zum Ziel gesetzt, Naturschutzmaßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten und erhöhen sowie wirtschaftlich tragfähig und praxistauglich sind. Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. wird von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband durchgeführt und ressortübergreifend unterstützt. Die Förderung erfolgt mit Mitteln der Rentenbank, mit besonderer Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Pressekontakt:

Sophie Wolters
Umweltstiftung Michael Otto
Tel: 0151 58963216
E-Mail: franz(at)umweltstiftungmichaelotto.org

Dr. Anna Bobrowski
Deutscher Bauernverband e. V.
Tel: 0151 15963244
E-Mail: a.bobrowski(at)bauernverband.net


Original-Contentvon: Umweltstiftung Michael Otto,übermittelt durch news aktuell


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Datum: 07.05.2026 - 10:49 Uhr
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Forschung & Entwicklung



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