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Fleischtheken verwaisen: Geht uns jetzt der Metzger aus?

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(ots) - In deutschen Supermärkten und Metzgereien wird ein Problem immer sichtbarer: leere Fleischtheken. Tausende Stellen bleiben unbesetzt, viele Betriebe finden schlicht kein Personal mehr. Allein 2025 konnten im Schnitt rund 4.600 Stellen für Fleischfachverkäufer nicht besetzt werden – so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig geht die Zahl der Beschäftigten seit Jahren zurück, während ein großer Teil der Belegschaft kurz vor dem Ruhestand steht.

Die leeren Theken sind kein kurzfristiges Problem– sie zeigen, dass ein ganzes Berufsbild an Attraktivität verloren hat. Wenn Nachwuchs fehlt, Arbeitszeiten unattraktiv sind und Perspektiven fehlen, entsteht ein strukturelles Defizit, das sich nicht schnell lösen lässt. Hier erfahren Sie, warum der Fachkräftemangel gerade im Metzgerhandwerk so stark zuschlägt, welche Folgen das für Handel und Kunden hat und ob neue Konzepte wie Selbstbedienung oder internationale Rekrutierung die Entwicklung wirklich auffangen können.

Vielseitiger Beruf, geringe Struktur

Ein zentraler Grund für den Fachkräftemangel liegt in der Struktur vieler Betriebe. Die Branche ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen mit fünf bis 30 Beschäftigten. In diesen Strukturen müssen Mitarbeitende ein breites Aufgabenspektrum abdecken. Wer an der Theke arbeitet, verkauft nicht nurFleisch, sondern berät zu Wurst, Käse, Feinkost und Imbissangeboten, übernimmt Vorbereitungen, kennt Rezepturen und organisiert zugleich Lager und Abläufe.

Während in größeren Betrieben einzelne Tätigkeiten stärker spezialisiert sind, bleibt die Arbeit insbesondere im Verkauf auch dort komplex. Die Anforderungen an Fachwissen und Flexibilität sind entsprechend hoch. Gleichzeitig fehlen jedoch häufig klare Zuständigkeiten, definierte Prozesse oder strukturierte Einarbeitungen. In vielen Betrieben existieren weder Organigramme noch standardisierte Abläufe. Aufgaben werden situativ verteilt, Wissen wird informell weitergegeben.





Diese fehlende Struktur erschwert den Einstieg erheblich. Neue Mitarbeitende, insbesondere Quereinsteiger, sind schnellüberfordert. Ohne klare Orientierung und systematische Einarbeitung sinkt die Motivation, während die Fluktuation steigt.

Fehlende Professionalisierung in Führung und Organisation

Neben der operativen Vielfalt stellt die betriebliche Organisation eine weitere Herausforderung dar. Themen wie Personalführung, Kennzahlensteuerung oder digitale Unterstützung sind im Handwerk oft nur rudimentär ausgeprägt. Digitale Werkzeuge zur Aufgabenplanung, transparente Zielsysteme oder strukturierte Onboarding-Prozesse sind selten etabliert.

Dadurch entsteht ein Spannungsfeld: Einerseits steigen die Anforderungen an Mitarbeitende, andererseits fehlen unterstützende Strukturen. Betriebe, die ihre Organisation nicht weiterentwickeln, verlieren im Wettbewerb um Fachkräfte an Attraktivität. Denn qualifizierte Beschäftigte orientieren sich zunehmend an Arbeitsumgebungen mit klaren Prozessen, verlässlichen Abläufen und Entwicklungsperspektiven.

Marketing als unterschätzter Engpass

Hinzu kommt ein Defizit im Bereich Marketing. Lange Zeit war es für Metzgereien ausreichend, qualitativ gute handwerkliche Arbeit zu leisten. Kundschaft und Personal fanden sich weitgehend von selbst. Diese Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert.

Heute müssen Betriebe aktiv um Aufmerksamkeit werben, sowohl bei Kunden als auch bei potenziellen Mitarbeitenden. Vielen fehlt jedoch das Know-how, um moderne Kommunikationskanäle zu nutzen. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung zusätzliche Anforderungen: Werbeanzeigen, Social Media und datenbasierte Steuerung setzen Kompetenzen voraus, die im klassischen Handwerk oft nicht vorhanden sind.

Selbst externe Unterstützung durch Agenturen führt nicht automatisch zum Erfolg. Wenn interne Strukturen unklar bleiben und Arbeitsbedingungen nicht überzeugen, verpuffen auch gut gemachte Kampagnen. Marketing kann Aufmerksamkeit erzeugen, ersetzt jedoch keine funktionierende betriebliche Basis.

Selbstbedienung und internationale Rekrutierung– Chancen mit Grenzen

Angesichts des Personalmangels setzen viele Betriebe auf neue Konzepte. Selbstbedienungslösungen etwa ermöglichen längere Öffnungszeiten und zusätzliche Umsätze, da Produkte auch außerhalb klassischer Verkaufszeiten verfügbar sind. Zudem sprechen sie neue Kundengruppen an.

Allerdings ersetzen solche Modelle keine Fachkräfte. Eine klassische Bedienungstheke erzielt pro Stunde oft deutlich höhere Umsätze als ein Selbstbedienungssystem. Zudem erfordert auch dieses Konzept Personal, etwa für Produktion, Verpackung und Logistik. Vielmehr handelt es sich um eine Ergänzung zur Stabilisierung des Geschäfts, nicht um eine vollständige Alternative.

Auch die internationale Rekrutierung bietet Potenzial, ist jedoch an Voraussetzungen gebunden. Betriebe müssen Wohnraum bereitstellen, kulturelle Unterschiede berücksichtigen und strukturierte Einarbeitungsprozesse etablieren. Ohne diese Rahmenbedingungen gestaltet sich die Integration schwierig. Zudem ist langfristig mit Fluktuation zu rechnen, sodass eine kontinuierliche Rekrutierung notwendigbleibt.

Ohne strukturellen Wandel keine Lösung

Weder Selbstbedienung noch internationale Fachkräfte lösen das Grundproblem des Metzgerhandwerks. Entscheidend ist vielmehr die Weiterentwicklung der Betriebe selbst. Dazu gehören klare Organisationsstrukturen, systematische Personalführung, transparente Kommunikation und der gezielte Einsatz digitaler Werkzeuge.

Gleichzeitig gewinnt professionelles Marketing an Bedeutung, um sowohl Kunden als auch Mitarbeitende zu erreichen. Betriebe müssen ihre Arbeitsbedingungen sichtbar machen und aktiv vermitteln, was sie bieten.

Der Fachkräftemangel ist somit nicht allein eine Frage fehlender Bewerber, sondern Ausdruck struktureller Defizite. Wer diese nicht adressiert, wird auch künftig Schwierigkeiten haben, Personal zu gewinnen und zu halten.

Über Tobias Fichtel:

Tobias Fichtel ist Metzgermeister, Fleischsommelier und Betriebswirt sowie Gründer der Fichtel Consulting GmbH. Mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt er klassische Handwerksmetzgereien im deutschsprachigen Raum bei der Betriebsoptimierung. Sein Fokus liegt auf Personalführung, Struktur und Digitalisierung – zentrale Hebel im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Mehr Informationen unter: https://www.tobias-fichtel.de/

Pressekontakt:

Fichtel Consulting GmbH
Vertreten durch: Tobias Fichtel
E-Mail: info(at)tobias-fichtel.de
Website: https://tobias-fichtel.de/


Original-Contentvon: Fichtel Consulting GmbH,übermittelt durch news aktuell


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Datum: 21.04.2026 - 08:49 Uhr
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