"nd.DerTag": Trumps heilige Einfalt - Kommentar zur Verbalattacke des US-Präsidenten gegen den Papst

(ots) - Droht Donald Trump demnächst mit dem Einmarsch von US-Truppen in den Vatikan? Will er den Kirchenstaat kaufen? Lässt er den Papst entführen? Ruft er einen Boykott aus? Verhängt er eine spezielle Strafkirchensteuer? Oder schickt er ein paar Raketen in Richtung Petersdom? Gewiss, das sind absurd klingende Fragen, aber genau das sind die Mittel und Methoden, mit denen Trump gegen Staaten und Personen vorgeht, die ihm nicht passen.
Und an Papst Leo XIV. passt ihm einiges nicht. Erst recht nicht, dass der oberste Katholik jetzt die Außenpolitik des US-Präsidenten scharf kritisiert hat. Von Allmachtsfantasien hatte der Papst mit US-Pass in einer Predigt am Wochenende gesprochen, sich für ein Ende von Kriegen eingesetzt und Frieden gefordert. Prompt fühlte sich Trump angesprochen und echauffierte sich öffentlich. Der Papst solle sich aus der Politik heraushalten; überhaupt habe er sein Amt nur Trump zu verdanken.
Gemeint ist: Der Papst soll Trump nicht kritisieren. Denn politisierende Geistliche gefallen Trump durchaus, solange sie ihm folgen. Von evangelikal-fundamentalistischen Predigern lässt er sich gern umschmeicheln, sie sind wichtige Wahlkampfhelfer für ihn. Dünnhäutig und trotzig-beleidigend wie ein fünfjähriges Kind reagierte er, als etwa eine Bischöfin aus Washington unmittelbar nach seiner Amtseinführung vergangenes Jahr kritische und mahnende Worte für den Präsidenten fand.
Das bekommt nun auch der Papst zu spüren. Man erinnert sich bei der Gelegenheit daran, dass Trump nach der Beisetzung von Papst Franziskus letztes Jahr und noch vor dem Konklave im Vatikan ein Bild von sich selbst als neuem Papst verbreitet hatte - die übliche Mischung aus Überheblichkeit, verunglücktem Witz und pathologischer Selbstsucht.
Allerdings: Man muss nichtüber den Atlantik blicken, um ein Beispiel dafür zu finden, wie Politiker die Kirche disziplinieren wollen, sobald sie eine unliebsame Meinung äußert. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hatte sich im letzten Jahr über politische Äußerungen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland beschwert und ihnen vorgeworfen, zu"austauschbaren Nichtregierungsorganisationen"zu werden. Wer alsoübergriffigen Politikern Einhalt gebieten will, die mit Kritik nicht umgehen können, hat auch in Deutschland einiges zu tun.
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Datum: 13.04.2026 - 18:14 Uhr
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