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Nach Abstimmung im EU-Parlament: TÜV-Verband warnt vor Flickenteppich bei KI-Regeln

ID: 2238756

(ots) - Vorschlag wesentliche Hochrisiko-Anwendungen aus der KI-Verordnung herauszunehmen, führt zu mehr Bürokratie für Start-Ups und Mittelstand und weniger Sicherheit. Mitgliedsstaaten und EU-Kommission sind gefordert den horizontalen Ansatz des AI Acts zu erhalten.

Heute haben der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) und der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) des Europäischen Parlaments ihre Position zur Anpassung des EU AI Act beschlossen und dabei mehrheitlich für einen sogenannten Sektor-Exit bei der KI-Regulierung gestimmt. Zentrale Hochrisiko-Produktbereiche, z. B. Medizinprodukte, Maschinen und Spielzeuge, sollen laut Forderung der Abgeordneten aus dem unmittelbaren Anwendungsbereich der KI-Verordnung herausgelöst und KI-Anforderungen sollen stattdessen künftig in den jeweiligen sektoralen Rechtsakten geregelt werden. Aus Sicht des TÜV-Verbands wäre dies ein folgenschwerer Kurswechsel, der den horizontalen Regulierungsansatz des AI Acts substanziell schwächtund das europäische Schutzniveau für Hochrisiko-KI gefährdet."Der EU AI Act ist als weltweit erster umfassender Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz angetreten, um Innovation und Schutz zusammenzudenken", sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands."Wenn sich das Europäische Parlament in den Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission durchsetzt, endet der europäische Weg bei Künstlicher Intelligenz in einer Sackgasse."

Sektorale Verlagerung bedeutet Flickenteppich statt Klarheit

Zu Hochrisiko-KI-Systemen zählen Anwendungen, deren Fehlfunktionen oder Fehlentscheidungen erhebliche Folgen für Sicherheit, Gesundheit und Grundrechte haben können, zum Beispiel in den Bereichen Medizin, Robotik, Bewerbungsverfahren oder beim Zugang zu wichtigen Dienstleistungen wie Kreditvergaben. Bühler:"Gerade bei industriellen und verbrauchernahen Hochrisiko-KI-Systemen brauchen wir einheitliche Regeln zu Robustheit, Datenqualität, Transparenz, Risikomanagement und menschlicher Aufsicht, damit Sicherheit, Gesundheit und Grundrechte wirksam geschützt werden."





Die vorgeschlagene sektorale Verlagerung würde den europäischen Rechtsrahmen für Hochrisiko-KI-Systeme nicht vereinfachen, sondern zersplittern. Anforderungen an Künstliche Intelligenz müssten dann in zahlreichen sektoralen Richtlinien und Verordnungen neu erarbeitet und integriert werden - mit unterschiedlichen Standards, Verfahren und Umsetzungsfristen.

KI entwickelt sich schneller als sektorale Regulierung

Ein solcher Sektor Exit würde zudem die Regulierung von Hochrisiko-KI erheblich ausbremsen. KI-spezifische Anforderungen müssten dann mühsam in zahlreiche sektorale Vorschriften eingearbeitet und laufend nachgezogen werden. Angesichts der Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen wäre es kaum möglich, KI-Anforderungen in zahlreichen sektoralen Rechtsakten rechtzeitig anzupassen. Veraltete Vorschriften würden so selbst zum Innovationshemmnis. Ein horizontaler Ansatz hingegen kann mit der Dynamik von KI Schritt halten und zugleich ein hohes Schutzniveau sichern."Das wäre kein Bürokratieabbau, sondern der Einstieg in einen regulatorischen Flickenteppich mit mehr Aufwand, mehr Unsicherheit und langfristig höheren Belastungen für Unternehmen", sagt Bühler. Gerade für Hersteller, die KI in sicherheitskritischen Produkten wie Medizinprodukten, Maschinen oder vernetzten Verbraucherprodukten einsetzen, sind klare und kohärente Regeln sowie deren europaweit einheitliche Umsetzung entscheidend, um Sicherheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zusammenzubringen.

Europa droht Einfluss auf globale KI-Standards zu verlieren

Der AI Act gilt weltweit als Referenzmodell für vertrauenswürdige KI. Viele internationale Akteure orientieren sich bereits an dem europäischen Ansatz. Mit einem Sektor Exit weicht die EU den eigenen KI-Regulierungsansatz auf und verliert an Einfluss auf internationale Standards. Das ist nicht nur regulatorisch relevant, sondern auchwirtschaftspolitisch entscheidend. Denn internationale Standards bestimmen, welche Anforderungen sich in globalen Märkten durchsetzen."Wenn Europa seinen Ansatz bei Hochrisiko-KI verwässert, schwächen wir unseren Einfluss auf Regeln, die morgen weltweit gelten", sagt Bühler."Und das schwächt auch Europas Wettbewerbsfähigkeit im globalen KI-Wettbewerb."

Verhandlungen zwischen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten müssen den horizontalen Ansatz sichern

Der TÜV-Verband hat bereits gemeinsam mit AlgorithmWatch, AI Policy Lab, ALLAI, BSI - United Kingdom, DEKRA, ForHumanity, Open Knowledge Foundation, The Future Society und TÜV AI.Lab in einem offenen Brief an die Bundesregierung vor einem Sektor-Exit gewarnt."Jetzt kommt es in den anstehenden Trilogverhandlungen zwischen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten darauf an, den horizontalen Ansatz des AI Acts zu verteidigen und Europas Sicherheits- und Vertrauensversprechen bei Hochrisiko-KI-Systemen nicht preiszugeben", sagt Bühler."Eine Rückabwicklung des AI Acts durch die Hintertür wäre der falsche Weg. Anstatt zentrale Produktbereiche aus dem Rechtsrahmen herauszulösen, braucht es zügig Auslegungsleitlinien der Europäischen Kommission, um Überschneidungen mit sektoralem Recht zu klären und ein hohes Maßan Sicherheit zu gewährleisten."

Den offenen Brief einer breiten Allianz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gegen den Sektor-Exit im AI Act finden Sie hier: https://ots.de/cjdjlS.

Am 19. März 2026 veranstaltet der TÜV-Verband dazu das MeetUp"EU KI-Omnibus: Wie geht es weiter mit dem AI Act?". Axel Voss MdEP, Parsa Marvi MdB, Anisa Idris, Vorstandsmitglied Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V., Prof. Dr. Annette Zimmermann, University of Wisconsin, und Franziska Weindauer, CEO TÜV AI.Lab, und diskutieren über die aktuellen Pläne der Europäischen Kommission, den EU AI Act im Rahmen des KI-Omnibus anzupassen. Das TÜV MeetUp findet online von 9:00 bis 10:00 Uhr statt. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: https://ots.de/90YFqF)

Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.

Pressekontakt:

Maurice Shahd
Pressesprecher
TÜV-Verband e. V.
Friedrichstraße 136 | 10117 Berlin
030 760095-320, presse(at)tuev-verband.de
www.tuev-verband.de | www.linkedin.com/company/tuevverband


Original-Content von: TÜV-Verband e. V., übermittelt durch news aktuell


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Datum: 18.03.2026 - 13:53 Uhr
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