InternetIntelligenz 2.0

kostenlos Pressemitteilungen einstellen | veröffentlichen | verteilen

Pressemitteilungen

 

Herkunft beeinflusst Erfolg der Stammzelltransplantation

ID: 2237183

Experten fordern mehr Diversität in deutschen und internationalen Spenderregistern


(IINews) - Deutschland zählt zu den Ländern mit den größten Stammzellspenderregistern weltweit. Dennoch profitieren nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen von diesen Strukturen. Menschen mit familiären Wurzeln außerhalb Europas haben deutlich geringere Chancen, einen passenden Stammzellspender zu finden - mit unmittelbaren Folgen für ihre Überlebenschancen.



Für viele Betroffene mit Leukämie oder Lymphomen ist die allogene Stammzelltransplantation die einzige kurative Therapieoption. Voraussetzung für den Erfolg ist eine möglichst vollständige Übereinstimmung der sogenannten HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger. Die deutschenKonsensus-Empfehlungen sehen eine Übereinstimmung in zehn relevanten HLA-Merkmalen vor.(1) Je geringer die Übereinstimmung, desto höher das Risiko schwerer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktionen.





Genetische Vielfalt trifft auf strukturelle Ungleichheit



Die Herausforderung liegt in der genetischen Vielfalt: Von jedem relevanten HLA-Gen existieren hunderte Varianten. Weltweit ergeben sich daraus Millionen möglicher Kombinationen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung ist daher grundsätzlich gering - und stark abhängig von der ethnischen Herkunft.



Zwar stehen internationale Register mitüber 40 Millionen potenziellen Spendern zur Verfügung. Doch diese Register sind historisch gewachsen und überwiegend europäisch geprägt. Rund 70 Prozent der Transplantationen erfolgen über unverwandte Spender aus diesen Datenbanken.(2) Die genetische Diversität der Weltbevölkerung bildet sich darin jedoch nur unzureichend ab.



Die Folgen sind wissenschaftlich belegt: Während Menschen mit europäischem Hintergrund in fast 80 Prozent der Fälle eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, einen geeigneten Spender zu finden, sinkt diese Quote bei Personen aus Ostasien auf rund 40 Prozent. Für Menschen mit afrikanischer Herkunft liegt sie bei lediglich etwa 20 Prozent.(3)







Damit entscheidet die Herkunft in vielen Fällen mit darüber, ob eine lebensrettende Therapie realistisch verfügbar ist.





Gesundheitspolitischer Handlungsbedarf



Diese strukturelle Ungleichheit ist nicht allein ein medizinisches, sondern auch ein gesundheitspolitisches Problem. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Dennoch spiegelt sich diese gesellschaftliche Realität in den Stammzellregistern bislang nicht ausreichend wider.



Expertinnen und Experten fordern daher gezielte Aufklärungskampagnen in Communities mit unterrepräsentierter Herkunft sowie niedrigschwellige Registrierungsangebote. Eine größere Diversität unter Stammzellspendern würde die Chancengleichheit deutlich verbessern und langfristig Leben retten.



Zugleich braucht es eine stärkere politische Priorisierung dieses Themas. Registerarbeit, Typisierung und langfristige Spenderbindung sind kostenintensiv und auf nachhaltige Finanzierung angewiesen. Eine diversitätsorientierte Registerstrategie sollte als Bestandteil nationaler Gesundheitsvorsorge verstanden werden.





Nabelschnurblut als ergänzende Vorsorgeoption



Neben der strukturellen Verbesserung der Register kann auch individuelle Vorsorge eine Rolle spielen. Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten als immunologisch toleranter und können unter Umständen bei geringerer HLA-Übereinstimmung eingesetzt werden.(2)



Die Einlagerung von Nabelschnurblut bei der Geburt ermöglicht es Familien, im Bedarfsfall auf eine eigene Stammzellquelle zurückzugreifen. Gerade für Familien mit selteneren HLA-Konstellationen kann dies eine zusätzliche therapeutische Option darstellen.





Fazit



Die Stammzelltransplantation ist ein medizinischer Meilenstein - doch ihre Verfügbarkeit ist nicht gleich verteilt. Eine moderne, gerechte Gesundheitsversorgung muss genetische Vielfalt systematisch mitdenken. Mehr Diversität in den Registern, gezielte politische Maßnahmen und ergänzende Vorsorgestrategien sind entscheidende Schritte, um bestehende Ungleichheiten zu reduzieren.





Quellen

1 Fleischhauer, K. et al. (2021). Deutscher Konsensus 2021 zur Spenderauswahl für die allogene Stammzelltransplantation. DAG-HSZT, PAS&ZT, DGI. Version vom 29.09.2021.

2 DeutschesÄrzteblatt (2024). Nabelschnurblutspenden in Deutschland rückläufig - Relevanz könnte zunehmen. Januar 2024.

3 Gragert, L. et al. (2014). HLA Match Likelihoods for Hematopoietic Stem-Cell Grafts in the U.S. Registry. New England Journal of Medicine, 371, 339-348. DOI: 10.1056/NEJMsa1311707


Themen in diesem Fachartikel:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:

Die FamiCord Group, die in Deutschland unter der Marke Vita34 bekannt ist, ist der Pionier und Marktführer im Zellbanking in Europa. Mit rund 750 Mitarbeiter*innen sind wir in mehr als 30 Ländern tätig und erwirtschaften einen Jahresumsatz vonüber EUR 75 Mio. Inüber 25 Jahren Unternehmensgeschichte haben wirüber eine Million Zellpräparate eingelagert und die Therapie vonüber 7.000 Menschen unterstützt.



PresseKontakt / Agentur:

thinkers GmbH
Isabell Claus
c/o Inits Maria-Jacobi-Gasse 1
1030 Wien
press(at)thinkers.ai
00436508117999
https://thinkers.ai



drucken  als PDF  an Freund senden  Manager unterschätzen oft ihre eigene Selbstheilungskraft Frühling als Neustart für die Gesundheit: Seminare zeigen Wege zu mehr Lebenskompetenz
Bereitgestellt von Benutzer: Adenion
Datum: 11.03.2026 - 15:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2237183
Anzahl Zeichen: 0

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Johanna Schuffenhauer
Stadt:

Wien


Telefon: 00436508117999

Kategorie:

Gesundheit & Medizin



Dieser Fachartikel wurde bisher 5 mal aufgerufen.


Der Fachartikel mit dem Titel:
"Herkunft beeinflusst Erfolg der Stammzelltransplantation"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Vita34.de (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Stammzelltherapie: Neue Wege bei Arthrose&Herzschwäche ...

Die regenerative Medizin erreicht einen Wendepunkt: Neue klinische Studien zu Herzpflastern bei Herzschwäche und zu Stammzelltherapien bei Knorpelschäden im Knie zeigen, welches Potenzial in modernen Zelltherapien steckt. Noch stehen viele Anwendun ...

Forschungs-Update: Nabelschnurblut bei Zerebralparese ...

Zerebralparese: Hoher Bedarf an neuen TherapienDie Zerebralparese (CP) zählt zu den häufigsten Ursachen für motorische Einschränkungen im Kindesalter. Derzeit stehen vor allem rehabilitative Maßnahmen zur Verfügung; eine kurative Therapie exist ...

Alle Meldungen von Vita34.de



 

Wer ist Online

Alle Mitglieder: 50.291
Registriert Heute: 0
Registriert Gestern: 0
Mitglied(er) online: 0
Gäste Online: 47


Bitte registrieren Sie sich hier. Als angemeldeter Benutzer nutzen Sie den vollen Funktionsumfang dieser Seite.