Durchstarten nach der Pleite
Warum Insolvenz keine Lösung ist. Für einen Neustart sind andere Optionen vorn Bedeutung

(IINews) - Redaktion: Herr Engel, viele Menschen sehen in der Privatinsolvenz den einzigen Ausweg aus der Schuldenfalle. Für wen ist dieser Schritt Ihrer Erfahrung nach tatsächlich sinnvoll?
J. Engel:
Eine Insolvenz kann sinnvoll sein, wenn jemand dauerhaft nur ein sehr geringes Einkommen hat. Wer etwa Bürgergeld bezieht, eine kleine Rente erhält oder nur knapp über der Pfändungsfreigrenze verdient, hat oft wenig Spielraum, Schulden anders zu regulieren. In solchen Fällen kann die Insolvenz tatsächlich ein strukturierter Weg zum wirtschaftlichen Neustart sein.
Redaktion: Und wann ist eine Insolvenz eher problematisch?
J. Engel:
Für Menschen mit gutem Einkommen oder unternehmerischem Potenzial kann sie sehr einschneidend sein. Während der Insolvenzphase bestehen erhebliche Einschränkungen, und es bleibt kaum finanzieller Spielraum, um etwas Neues aufzubauen. Viele unterschätzen, wie stark diese Phase die eigene Handlungsfähigkeit begrenzt.
Redaktion:
Worin liegen die größten Schwierigkeiten nach einer Insolvenz?
J. Engel:
Zwei Punkte sind besonders entscheidend. Erstens fehlt oft das Kapital für einen Neustart, weil vorhandene Rücklagen im Verfahren vollständig aufgezehrt wurden. Zweitens bleibt die Insolvenz meist länger im wirtschaftlichen Gedächtnis als im rechtlichen Register. Das erschwert Kreditaufnahmen, Geschäftsbeziehungen und Investitionen – also genau das, was man für einen Neustart eigentlich bräuchte.
Redaktion: Sie sprechen häufig davon, dass es auch Alternativen geben kann. Was meinen Sie damit?
J. Engel:
Mir geht es darum, frühzeitig nach legalen und tragfähigen Lösungen zu suchen, bevor eine Insolvenz unausweichlich wird. Dazu gehört beispielsweise, Geschäftsmodelle neu zu strukturieren, Einnahmequellen zu sichern und wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen, mit denen Schulden langfristig reguliert werden können. Ziel ist nicht, Verpflichtungen zu umgehen, sondern Wege zu finden, sie realistisch erfüllen zu können.
Redaktion: Sie beraten auch zu internationalen Unternehmensstrukturen. Was ist der Gedanke dahinter?
J. Engel:
In vielen Fällen kann eine unternehmerische Neuaufstellung im Ausland sinnvoll. Eine solche Struktur kann helfen, neue Märkte zu erschließen, wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben und wieder Kapital aufzubauen. Entscheidend ist dabei immer, dass solche Lösungen seriös umgesetzt werden undnicht dazu dienen, Gläubiger zu benachteiligen.
Redaktion: Was ist Ihr zentrales Anliegen in der Schuldnerberatung?
J. Engel:
Ich möchte Menschen zeigen, dass es oft mehr Optionen gibt als nur Stillstand oder Insolvenz. Ein wirtschaftlicher Neustart ist möglich, wenn man frühzeitig strukturiert vorgeht, rechtliche Rahmenbedingungen beachtet und langfristig plant. Am Ende profitieren davon alle Beteiligten – der Betroffene, seine Familie und auch die Gläubiger, die so eine realistische Chance haben, ihr Geld zurückzubekommen.
Themen in diesem Fachartikel:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Jörg Engel weißaus eigener Erfahrung, wie schnell finanzielle Belastungen existenzbedrohend werden können. Beim Bau seines Hauses sah er sich mit erheblichen Forderungen konfrontiert, nachdem Handwerker gravierende Fehler gemacht hatten. Trotz gerichtlicher Auseinandersetzungen bekam er nicht Recht–und stand plötzlich vor Schulden, die er selbst nicht verursacht hatte. In dieser schwierigen Situation entwickelte er Strategien, um einen Ausweg zu finden. Aus diesen persönlichen Erfahrungen entstand sein heutiges Engagement: Als Schuldencoach unterstützt Jörg Engel Menschen dabei, Wege aus finanziellen Krisen zu finden und neue Perspektiven aufzubauen.
Roswitha Gladel
chippy11(at)web.de
Roswitha Gladel
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Datum: 17.02.2026 - 16:49 Uhr
Sprache: Deutsch
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Sigmaringen
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