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Christinnen und Christen für Europa

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(ots) - Anlässlich internationaler geopolitischer Fragen ist der europäische Kontinent in besonderer Weise gefragt. Innerhalb der Europäischen Union nehmen Skepsis und Widerstände gegen ein geeintes Europa zu. Erstmalig wenden sich die Vorsitzenden der Französischen, Italienischen, Polnischen und Deutschen Bischofskonferenz heute (13. Februar 2026) mit einem Appell an die Öffentlichkeit und rufen dazu auf, Europa wieder eine Seele zu geben und die christlichen Wurzeln nicht zu vergessen. Der Appell im Wortlaut:

"Es ist schön, Pilger der Hoffnung zu werden. Und es ist schön, dies weiterhin gemeinsam zu sein!"Dies ist die Einladung, die Papst Leo XIV. zum Abschluss des Jubiläums der Hoffnung an uns als ganze Kirche richtet, damit"die Zeit, die sichöffnet, eine Morgenröte der Hoffnung ist".

Als Vorsitzende mehrerer europäischer Bischofskonferenzen fühlen wir uns verantwortlich, die Einladung des Papstes aufzugreifen und sie zu teilen. Wir leben in einer Welt, die von Kriegen und Gewalt zerrissen und polarisiert ist. Viele unserer Mitbürger sind verängstigt und orientierungslos. Die internationale Ordnung wird untergraben. In dieser Situation muss Europa seine Seele wiederfinden, um der Welt seinen unverzichtbaren Beitrag zum"Gemeinwohl"anzubieten. Wir können dies erreichen, indem wir uns darauf besinnen, was zur Gründung Europas beigetragen hat.

Historisch gesehen war das Christentum nach den hellenistischen und römischen Zivilisationen eine der wichtigsten Grundlagen unseres Kontinents. Es hat zu einem großen Teil das Gesicht eines humanistischen, solidarischen und weltoffenen Europas geprägt.

Heute leben wir in einem pluralistischen Europa, das von Sprachenvielfalt, regionalen kulturellen Unterschieden und zahlreichen religiösen und spirituellen Strömungen geprägt ist. Zwar sind die Christen weniger zahlreich, doch das hindert sie nicht daran, sich mit Mut und Ausdauer auf das zu besinnen, was ihre Hoffnung begründet.





Nach dem Ende eines verheerenden Krieges, in dem Millionen Menschen aus rassistischen, religiösen und Gründen der eigenen Persönlichkeit ausgelöscht wurden, ist die Dringlichkeit, eine neue Welt aufzubauen, immer offensichtlicher geworden. Viele katholische Laien sahen Europa entschlossen als gemeinsames Haus an und setzten sich für die Entwicklung einer neuen internationalenOrdnung ein, insbesondere durch die Gründung der Vereinten Nationen. Das Ziel war die Verwirklichung einer versöhnten Gesellschaft, die als Konvergenzpunkt und als Garantie für die gegenseitige Achtung der jeweiligen Besonderheiten, als Bollwerk der Freiheit, Gleichheit und des Friedens verstanden wurde.

In der Erklärung, die zur Gründung der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl), dem ersten Schritt auf dem Weg zur Europäische Union, geführt hat, stellten deren Verfasser vorausschauend fest:"Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa zur Zivilisation leisten kann, ist für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen unerlässlich. Europa kann nicht auf einmal geschaffen werden, und es wird auch nicht auf einmal aufgebaut werden; es wird aus konkreten Errungenschaften hervorgehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen."Die Gründerväter Europas, Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi, wurden von ihrem christlichen Glauben inspiriert und waren keine naiven Träumer, sondern die Architekten eines großartigen, aber zerbrechlichen Gebäudes. Papst Johannes Paul II. sagte mehrfach, wenn er an die Rolle der Christen beim Aufbau Europas erinnerte:"Weil sie Christus liebten, liebten sie auch die Menschen und waren bestrebt, sie zu vereinen."

Konrad Adenauer erklärte am 25. März 1957 in seiner Rede anlässlich der Verträge zur Gründung der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und der EAG (Europäische Atomgemeinschaft):"Noch vor Kurzem gab es viele, die das Abkommen, das wir heute offiziell festschreiben, für undurchführbar hielten [...]. Wir wissen, wie ernst unsere Lage ist, die nur durch die Einigung Europas behoben werden kann; wir wissen auch, dass unsere Pläne nicht eigennützig sind, sondern dem Wohl der ganzen Welt dienen sollen. Die Europäische Gemeinschaft verfolgt ausschließlich friedliche Ziele und richtet sich gegen niemanden [...]. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen für den Fortschritt in Frieden zu arbeiten."

Die mörderische Tragödie des Zweiten Weltkriegs warnte die Gründergeneration Europas vor der Versuchung totalitärer Regime, die sich auf den Nationalismus stützen, um Hegemonieziele zu verfolgen, und deren Ergebnis nur Krieg sein kann."Derübersteigerte Nationalismus ist eine Form der Vergötterung: Er setzt die Nation an die Stelle Gottes und gegen den Menschen", sagte Alcide De Gasperi und fügte hinzu:"Ein vereintes Europa wird nicht gegen die Heimatländer geboren, sondern gegen die Nationalismen, die sie zerstört haben."

Europa darf sich nicht allein auf einen Wirtschafts- und Finanzmarkt reduzieren, da sonst die ursprüngliche Intuition der Gründerväter verfehlt würde. Unter Achtung der Rechtsstaatlichkeit und unter Ablehnung der ausschließlichen Logik von Rückzug und Gewalt wird es sich für eine supranationale Lösung von Konflikten entscheiden, indem es geeignete Mechanismen und Allianzenwählt. Es muss immer bereit sein, den Dialog auch im Konfliktfall wieder aufzunehmen und Versöhnung und Frieden anstreben. Europa ist aufgerufen, nach Bündnissen zu suchen, die die Voraussetzungen für eine echte Solidarität zwischen den Völkern schaffen.

Trotz der vielen europaskeptischen Bewegungen in den einzelnen europäischen Ländern haben die Europäer gerade mit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine stärker zueinander gefunden. Ein internationaler Rahmen stirbt und ein neuer ist noch nicht geboren. Papst Franziskus war sich bewusst, dass wir uns in einem Epochenwechsel befinden und definierte ihnwie folgt:"Im vergangenen Jahrhundert hat es der Menschheit bewiesen, dass ein neuer Anfang möglich war: Nach Jahren tragischer Auseinandersetzungen, die im furchtbarsten Krieg, an den man sich erinnert, gipfelten, entstand mit der Gnade Gottes etwas in der Geschichte noch nie dagewesenes Neues [...]. Nach vielen Teilungen fand Europa endlich sich selbst und begann sein Haus zu bauen [...]. Am Wiederaufblühen eines zwar müden, aber immer noch an Energien und Kapazitäten reichen Europas kann und soll die Kirche mitwirken. Ihre Aufgabe fällt mit ihrer Mission zusammen, der Verkündigung des Evangeliums. Diese zeigt sich heute mehr denn je vor allem dahin, dass wir dem Menschen mit seinen Verletzungen entgegenkommen, indem wir ihm die starke und zugleich schlichte Gegenwart Christi bringen, seine tröstende und ermutigende Barmherzigkeit."(Rede anlässlich der Verleihung des Karlspreises, 6. Mai 2016)

Die Welt braucht Europa. Das ist die Dringlichkeit, die die Christen verinnerlichen müssen, um sich dort, wo sie stehen, entschlossen für seine Zukunft einsetzen zu können, mit demselben klaren Bewusstsein, das die Gründerväter hatten."Wenn Politik als uneigennütziges Engagement im Dienst der Stadt, im Dienst des Menschen gelebt wird, kann sie zu einem Engagement der Liebe gegenüber dem Mitmenschen werden", erklärte Robert Schuman. Im Namen ihres Glaubens sind die Christen eingeladen, mit allen Bewohnern des europäischen Kontinents ihre Hoffnung auf eine universelle Brüderlichkeit zu teilen.

Paris, Rom, Warschau, Bonn am 13. Februar 2026

Kardinal Jean-Marc Aveline, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz

Kardinal Matteo Maria Zuppi, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz

Erzbischof Tadeusz Wojda, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz

Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Pressekontakt:

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Pressestelle/Öffentlichkeitsarbeit
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
Postanschrift
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53019 Bonn
Tel: 0228/103-214
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