"nd.DerTag": Flexibilisierung, die sie meinen - Kommentar zum Vorstoßder Bundesregierung, den Acht-Stunden-Arbeitstag zu kippen

(ots) - Die CDU feuert gerade aus allen Rohren gegen jegliche soziale Errungenschaft in der Arbeitswelt. Nach dem Recht auf Teilzeit wird nun der Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte infrage gestellt. Und geht es nach dem Willen wichtiger Unionspolitiker, soll sogar der mehr als 100 Jahre alte Acht-Stunden-Tag als gesetzliche Obergrenze weitgehend passé sein.
Es ist wohl eine Art Testballon, dass man Letzteres erst mal in die neue nationale Tourismusstrategie geschrieben hat. Die gewerkschaftliche Organisierung ist in der mittelständischen Branche extrem gering, entsprechend dürfte der Widerstand ausfallen. Doch die CDU will dies verallgemeinern und hat das auch im Koalitionsvertrag mit CSU und SPD verankern lassen.
Das Vorhaben lässt Rückschlüsse vor allem auf das volkswirtschaftliche (Un-)Verständnis der Christdemokraten zu. Massive Deregulierung in der Arbeitswelt soll die Konjunktur stärken, eine verstaubte Idee aus der neoliberalen Ära. Schon früher wurde das nie empirisch belegt, denn letztlich leidet die Produktivität, wenn der Arbeitsschutz zu kleingeschrieben wird. Und werden nun auch noch die Arbeitszeiten unattraktiver, verschärft dies zusätzlich das Problem des massiven Fachkräftemangels auch im Tourismusgewerbe.
Dass die Befürworter sagen, solche Flexibilisierung sei im Interesse aller, ist natürlich ein reichlich fadenscheiniges Deckmäntelchen. Es geht eben nicht darum, den Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Vielmehr würden die CDU-Ideen nur dafür sorgen, dass Unternehmer Arbeiter noch mehr zur Lösung vermeintlicher Sachzwänge am Arbeitsplatz benutzen. Das ist die Flexibilisierung, die CDU-Politiker meinen.
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