ACV Positionen zum Verkehrsgerichtstag in Goslar

(ots) - Führerscheinausbildung bezahlbar machen, ohne die Sicherheit zu gefährden. Ablenkung am Steuer konsequent bekämpfen.
Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wird vom 29. bis 30. Januar 2026 erneutüber Empfehlungen zu zentralen Fragen der Verkehrssicherheit beraten. Der ACV Automobil-Club Verkehr bezieht im Vorfeld Stellung zu zwei Arbeitskreisen.
Arbeitskreis VI:"Überhöhte Anforderungen bei der Führerscheinprüfung?"
Das Bundesministerium für Verkehr hat bereits eine Reform der Fahrausbildung angekündigt. Klares Ziel ist es, den Führerscheinerwerb kostengünstiger zu gestalten. Der ACV begrüßt grundsätzlich das politische Anliegen, den Zugang zum Führerschein finanziell zu erleichtern. Gleichzeitig macht der Club deutlich: Bezahlbarkeit darf nicht durch Abstriche bei der Verkehrssicherheit erkauft werden. Die Fahrausbildung ist ein entscheidender Baustein für sicheres Verhalten im Straßenverkehr und muss diesem Anspruch auch künftig gerecht werden.
Mehr Qualität statt geringerer Anforderungen
Nach Auffassung des ACV liegt der Ansatz für eine Entlastung der Fahrschüler nicht in geringeren Anforderungen. Entscheidend ist vielmehr eine gezielte Verbesserung der Ausbildungsqualität und der organisatorischen Abläufe. Eine strukturierte Erfassung des individuellen Lernfortschritts ermöglicht eine bessere Steuerung der Ausbildung und verhindert Brüche im Lernprozess. Verbindliche und transparente Ausbildungsstrukturen helfen zudem, unnötige Zusatzfahrten zu vermeiden und die Zahl kostenintensiver Wiederholungsprüfungen zu senken.
Fahrsimulatoren nur mit klaren Regeln
Fahrsimulatoren können die Fahrausbildung sinnvoll ergänzen, etwa bei der sicheren Einübung anspruchsvoller oder risikoreicher Verkehrssituationen. Voraussetzung dafür sind jedoch bundeseinheitliche technische Vorgaben und tragfähige pädagogische Konzepte. Erst auf dieser Basis lässt sich beurteilen, in welchem Umfang einzelne Ausbildungsinhalte (wie zum Beispiel das Fahren mit Schaltgetriebe) verantwortungsvoll im Simulator vermittelt werden können.
Digitale Formate gezielt einsetzen
Bei der grundsätzlich zu begrüßenden Digitalisierung der Fahrausbildung sieht der ACV klare Grenzen für zeitlich unabhängige Lernangebote. Asynchrone digitale Formate sollten nur dort eingesetzt werden, wo ihre Qualität nachweislich gleichwertig ist. Inhalte, die Austausch, Reflexion und soziales Lernen erfordern, müssen weiterhin in Präsenz oder in synchronen digitalen Formaten vermittelt werden. Dazu zählen insbesondere Themen wie Verantwortung, Rücksichtnahme, Regelbewusstsein und soziale Kompetenz im Straßenverkehr. Für die digitalen Formate sind verbindliche Qualitätsstandards notwendig, um bundesweit ein einheitlich hohes Ausbildungsniveau sicherzustellen.
Prüfung als Sicherheitsfilter stärken
Die Führerscheinprüfung selbst ist aus Sicht des ACV ein zentrales Instrument der Verkehrssicherheitsarbeit. Ihre Funktion als Sicherheitsfilter darf nicht abgeschwächt werden. Formale Verkürzungen oder Vereinfachungen lehnt der Club ab, wenn sie die Aussagekraft der Prüfung beeinträchtigen. Stattdessen spricht sich der ACV für eine Weiterentwicklung aus, die reale Risikofaktoren stärker berücksichtigt und die tatsächliche Handlungskompetenz im Straßenverkehr zuverlässig abbildet.
Arbeitskreis III: Unfallrisiko Ablenkung am Steuer durch Handy&Co.
Ablenkung gehört zu den häufigsten Ursachen schwerer Verkehrsunfälle. Bereits eine Sekunde Unaufmerksamkeit kann im Straßenverkehr gravierende Folgen haben. Wer bei Tempo 100 nur kurz aufs Handy schaut, legt rund 30 Meter im Blindflug zurück. Der ACV sieht dringenden Handlungsbedarf, um Ablenkungam Steuer wirksam zu reduzieren.
Monocams: wirksames Instrument gegen Handyverstöße
Der ACV begrüßt den Einsatz sogenannter Monocams zur Ahndung von Handyverstößen im Straßenverkehr. Die Kameras erfassen den Fahrzeuginnenraum aus erhöhter Position und erkennen mithilfe KI-gestützter Bildauswertung, ob während der Fahrt ein Mobiltelefon unerlaubt genutzt wird. Die Auswertung und Ahndung erfolgen anschließend durch geschultes Personal.
Positiv bewertet der ACV die Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz. Dort wurde eine klare rechtliche Grundlage für den Einsatz geschaffen. Seit Jahresbeginn laufen die Geräte im Regelbetrieb.
Aus Sicht des ACV sind Monocams ein zeitgemäßes und verhältnismäßiges Mittel, um eine der gefährlichsten Unfallursachen gezielt zu bekämpfen. Der Club spricht sich deshalb dafür aus, die Technik bundesweit zu verwenden und rechtssicher zu verankern.
Fahrzeugbedienung darf nicht selbst zur Ablenkungsfalle werden
Neben der Nutzung von Smartphones rückt zunehmend auch die Gestaltung moderner Fahrzeugbedienung in den Fokus. Große Touchscreens, teils verschachtelte Menüs und fehlende haptische Rückmeldungen können die Aufmerksamkeit von Autofahrern erheblich beanspruchen und damit selbst zur Ablenkung beitragen.
Der ACV sieht hier die Fahrzeughersteller klar in der Verantwortung. Bedienkonzepte müssen intuitiv, verständlich und während der Fahrt sicher nutzbar sein. Insbesondere sicherheitsrelevante Kernfunktionen wie Licht, Scheibenwischer oder Belüftung dürfen nicht unnötig kompliziert oder ausschließlich über Touchscreens erreichbar sein. Sie sollten weiterhin über klar erkennbare, haptische Bedienelemente gesteuert werden können.
Aus Sicht des ACV ist es daher wichtig, an einer herstellerübergreifenden Grundorientierung festzuhalten. Autofahrer müssen sich unabhängig vom Fahrzeugmodell schnell zurechtfinden, ohne den Blick lange von der Straße abzuwenden. Einheitliche Logiken in der Bedienung moderner Fahrzeuge leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit.
Zitate von ACV Geschäftsführer Holger Küster zu den ACV Positionen:
"Der Führerschein muss bezahlbar bleiben, ohne dass an der Sicherheit gespart wird. Der richtige Weg führt über klare Strukturen, effiziente Lernprozesse und einen gezielten Einsatz digitaler Elemente - nicht über niedrigere Anforderungen. Gute Ausbildung senkt langfristig die Kosten und erhöht die Sicherheit für alle."
"Ablenkung am Steuer gehört zu den größten Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. Wir brauchen bundesweit wirksame Kontrollen gegen Handynutzung, aber auch Fahrzeuge, die nicht selbst zur Ablenkungsquelle werden. Technik muss Sicherheit unterstützen und darf keine zusätzlichen Risiken schaffen."
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Philipp Mathey
Pressesprecher
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Datum: 26.01.2026 - 08:59 Uhr
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