Chemie-Tarifrunde: Arbeitgeber fordern Kurswechsel in beispielloser Strukturkrise

(ots) - Die Verhandlungen für die rund 69.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Rheinland-Pfalz sind ohne Annäherung vertagt worden. Die Gespräche werden ab 03. Februar auf Bundesebene fortgesetzt.
"Wir alle haben keine Blaupause für diese Tarifrunde, da wir eine solche Situation in dieser Form noch nicht erlebt haben. In der schwierigsten Lage seit Jahrzehnten kann es auch in der Tarifpolitik kein Weiter so geben", erklärt Michael Müller, Verhandlungsführer der Chemie-Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.
Die Arbeitgeber sehen derzeit keinen Spielraum für zusätzliche tarifliche Kosten."Unsere Anlagen sind historisch schlecht ausgelastet. Das ist wie ein Auto, das im Leerlauf steht und Sprit verbraucht. Und nun verhandeln wirüber höhere Kosten, obwohl das Auto kaum Strecke fährt. Verantwortungsvolle Tarifpolitik darf davor nicht die Augen verschließen und das Prinzip Hoffnung über die Fakten stellen", so Müller weiter.
Branche unter massivem Anpassungsdruck
Die chemisch-pharmazeutische Industrie befindet sich in einer tiefgreifenden strukturellen Krise. Die Produktion am Standort Deutschland ist vielfach nicht mehr wettbewerbsfähig, Investitionen und Wachstum verlagern sich zunehmend ins Ausland. Die rheinland-pfälzische Chemie ist mit einem Exportanteil von rund 70 Prozent von dieser Entwicklung besonders betroffen. Viele Unternehmen reagieren bereits mit Spar- und Kostensenkungsprogrammen."Diese Entwicklung zeigt deutlich: Für Verteilungsspielräume ist derzeit kein Platz. Tarifpolitik darf die bestehenden Belastungen der Standorte nicht weiter erhöhen", betont Müller.
Standorte stabilisieren
Nach Einschätzung der Arbeitgeber haben die Betriebe in den vergangenen Jahren erhebliche Belastungen getragen - unter anderem durch Tarifabschlüsse, stark gestiegene Energiepreise sowie zunehmende Regulierung und Bürokratie."Die Chemie ist ins Rutschen geraten. In der Folge geraten Standorte unter Druck und Anlagen werden geschlossen", so Müller. Zugleich verweist er darauf, dass die Beschäftigten in der Chemiebranche in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich von Tarifabschlüssen profitiert haben."Gerade deshalb müssen wir jetzt verantwortungsvoll handeln, um Arbeitsplätze, Investitionen und Standorte nicht zu gefährden."
Fortsetzung der Gespräche auf Bundesebene
Die Arbeitgeber bekräftigen ihre Bereitschaft zum weiteren Dialog."Gerade in dieser Phase braucht es Sachlichkeit, Realismus und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der Branche", erklärt Müller.
Die Tarifverhandlungen werden ab dem 03. Februar in Hannover auf Bundesebene fortgesetzt. Ansprechpartner ist der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) mit Sitz in Wiesbaden.
Hintergrundinformation:
Im Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V. sind 140 Unternehmen mit rund 68.500 Beschäftigten der chemischen und chemienahen Industrie mit Sitz in Rheinland-Pfalz organisiert.
Die chemische Industrie erwirtschaftet rund ein Drittel des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Damit ist die Branche mit Abstand der umsatzstärkste Wirtschaftszweig in Rheinland-Pfalz. Neben den klassischen Chemiebetrieben zählen zu den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes Chemie verschiedene Pharmaunternehmen, Gummi- und Kunststoffverarbeiter, Farb- und Lackhersteller sowie Reinigungsmittelhersteller.
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Datum: 16.01.2026 - 14:30 Uhr
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