Zum Pharmadialog: AOK-Bundesverband legt Positionspapier für zuverlässige und bezahlbare Arzneimittelversorgung vor

(ots) - Vor dem morgigen Treffen jener Arbeitsgruppe, die sich im Rahmen des Pharmadialogs der Bundesregierung mit dem Thema Preisbildung und Erstattung neuer Arzneimittel beschäftigt, legt der AOK-Bundesverband heute ein Positionspapier unter dem Titel"Eckpunkte für mehr Wirtschaftlichkeit, Qualität und Sicherheit"mit eigenen Reformvorschlägen vor. Im Zentrum stehen Impulse für Neuregelungen zur Preisbildung patentgeschützter Arzneimittel, für mehr Versorgungssicherheit sowie für die Preisregulierung bei Impfstoffen.
"Im aktuellen Koalitionsvertrag wurde das Ziel definiert, den Zugang zu innovativen Therapien und Arzneimitteln bei einer gleichzeitig tragbaren Finanzierung sicherzustellen", sagt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes."Davon sind wir aktuell weit entfernt. Wir brauchen umfassende, zügige Reformen, gerade mit Blick auf die angespannte finanzielle Lage der GKV. Mit unserem Positionspapier legen wir dazu konkrete Vorschläge auf den Tisch."
Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung lagen im Jahr 2024 bei 59,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Ausgabenblock um mehr als neun Prozent gestiegen. Hauptkostentreiber sind patentgeschützte Arzneimittel, für welche es eine unmittelbare Erstattungsfähigkeit bei Markteinstieg gibt. Der Hersteller kann den Preis in den ersten sechs Monaten dabei frei festsetzen. Reimann:"Das hat dazu geführt, dass die Pharmaindustrie extrem hohe Preise aufruft, welche die Arzneimittelausgaben der GKV in die Höhe treiben. Damit das System finanzierbar bleibt, fordern wir einen Interimspreis ab Marktzugang, welcher sich an der Höhe der zweckmäßigen Vergleichstherapie orientiert und alsvorläufige Rechengröße gilt."Zudem schlägt die AOK-Gemeinschaft vor, faire Verhandlungskorridore für die nachgelagerte Verhandlung zum Erstattungsbetrag festzulegen.
Weitere Kern-Forderungen bestehen in der Rücknahme der in der letzten Legislaturperiode eingeführten Geheimpreise sowie in einer Erweiterung der bestehenden Verordnungssysteme der Ärzteschaft, damit eine bessere wirtschaftliche Betrachtung bei der Auswahl von verschreibungspflichtigen Präparaten möglich wird. Ebenso sollen Vertragsärztinnen und -ärzte dazu beraten werden dürfen.
Mehr Wirtschaftlichkeit bei Impfstoffen
Auch die Ausgaben für Impfstoffe sind, bedingt durch eine Ausweitung des GKV-Leistungskatalogs, stark gestiegen: von 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 2,71 Milliarden Euro im Jahr 2024. Wie bei patentgeschützten Arzneimitteln werden die Preise vom pharmazeutischen Unternehmen initial frei festgelegt, sie unterliegen jedoch auch im weiteren Verlauf keiner Regulierung. Rabattverträge und Preisverhandlungen mit Apotheken sind verboten und der gesetzliche Herstellerabschlag greift oft nicht. Reimann:"Grundsätzlich ist Infektionsschutz der Bevölkerung Teil der staatlichen Daseinsvorsorge - eine Rückführung dieser Aufgabe in die öffentliche Hand wäre sachgerecht. Sollte dies angesichts der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte derzeit nicht realisierbar sein, so braucht es zumindest eine wirksame Preisregulierung."
Versorgungsqualität stärken durch mehr Evidenzorientierung
Zur Stärkung der Versorgungsqualität fordert die AOK, Rahmenbedingungen für den Marktzugang für Arzneimittel mit unsicherer Evidenzlage zu schaffen. Reimann:"Es kommen immer mehr Arzneimittel für seltene Erkrankungen auf den Markt. Diese sind bis zum Erreichen der Umsatzschwelle von einer umfassenden Nutzenbewertung freigestellt. Allerdings kann der diesen Medikamenten per Gesetz zugesprochene Zusatznutzen nachfolgend oft gar nicht bestätigt werden. Das ist teuer für die Beitragszahlenden und angesichts der fehlenden Nutzen-Transparenz auch für die Patienten alles andere als zufriedenstellend."Die AOK-Gemeinschaft schlägt vor, Arzneimittel mit unsicherer Evidenz darum künftig ausschließlich in qualifizierten Zentren für Fälle mit hohem medizinischem Bedarf einzusetzen. Die Erstattung soll an die weitere Evidenzgenerierung gekoppelt sein.
Versorgungssicherheit weiterüber Rabattverträge herstellen
Reimann:"Das Thema Versorgungssicherheit hat jetzt im Winter wieder Hochsaison und mit ihm die Debatte um einen vermeintlichen Zusammenhang zu Rabattverträgen und drohenden Lieferengpässen. Dabei lässt sich das mit Zahlen nicht belegen - im Gegenteil."Eine Studie des WIdO zeigt, dass bei Arzneimitteln mit einem Rabattvertrag eine hundertprozentige Versorgungssicherheit erreicht wird. Neben einer Stärkung der Rabattverträge durch Prüfung von Auflagen und Verboten schlägt der AOK-Bundesverband vor, zur Bekämpfung von Lieferschwierigkeiten das bereits gesetzlich angelegte Frühwarnsystem zügig arbeitsfähig zu machen und dabei perspektivisch auch die gesamte Lieferkette zuadressieren.
Hinweis für die Redaktionen:
Das Positionspapier finden Sie unter diesem Link: https://www.aok.de/pp/bv/positionen/
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Datum: 15.01.2026 - 10:00 Uhr
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