Digitaler Produktpass EU 2026: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
(IINews) -
Ab 2026 wird der digitale Produktpass der EU zur Pflicht. Diese Regelung verändert grundlegend, wie Unternehmen Produktinformationen bereitstellen müssen.Verpackungenwerden nicht mehr nur Werbeträger sein, sondern dynamische Informationskanäle.
Der digitale Produktpass ist die Antwort der EU auf ein drängendes Problem: 53% aller grünen Behauptungen geben vage, irreführende oder unbegründete Informationen. Bei 40% fehlen jegliche Nachweise. Der Produktpass soll diese Transparenzlücke schließen. Er stellt umfassende Informationen über Herkunft, Materialien, Umweltauswirkungen und Entsorgungsempfehlungen bereit.
Die Regelung betrifft nicht alle Branchen gleichzeitig. Die Einführung beginnt mit Batterien und Fahrzeugen. Es folgen Textilien, Elektronik, Möbel, Kunststoffe, Baustoffe und Chemikalien bis 2030. Unternehmen müssen jetzt verstehen, was auf sie zukommt und wie sie sich optimal vorbereiten können.
Was ist der digitale Produktpass?
Der digitale Produktpass (DPP) ist ein strukturierter digitaler Datensatz, der umfassende Informationenüber den gesamten Lebenszyklus eines Produkts bereitstellt. Er fasst wesentliche Informationen zu Komponenten, Materialien und chemischen Substanzen zusammen. Der DPP enthält Angaben zur Reparierbarkeit, zu Ersatzteilen und zur fachgerechten Entsorgung.
Die zentrale Zielsetzung: Der DPP ermöglicht den Austausch produktbezogener Informationen, die für Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit wesentlich sind. Er schließt die Lücke zwischen steigenden Transparenzanforderungen der Verbraucher und dem Mangel an zuverlässigen Produktdaten. Alle Beteiligten erhalten Zugriff auf relevante Informationen für nachhaltige Entscheidungen.
Der Zugriff erfolgtüber QR-Codes, RFID oder NFC. Jedes Produkt erhält eine eindeutige Kennung, ähnlich einem persönlichen Ausweis. Diese ist mit einer zentralen Informationsquelle verknüpft.
Rechtlicher Rahmen: Die wichtigsten EU-Verordnungen
Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR)
DieÖkodesign-Verordnung trat am 18. Juli 2024 in Kraft und stellt den Eckpfeiler des EU-Ansatzes für umweltfreundlichere Produkte dar. Sie erweitert den Geltungsbereich erheblich: Statt nur energiebezogene Produkte umfasst die neue Verordnung nahezu alle physischen Waren. Ausnahmen sind Lebensmittel und Arzneimittel.
Die ESPR führt den digitalen Produktpass als digitale Identitätskarte für Produkte, Komponenten und Materialien ein. Sie verbietet erstmals in der EU die Vernichtung unverkaufter Textilien und Schuhe.
Batterieverordnung und Batteriepass
Der Batteriepass wird zum Vorreiter des digitalen Produktpasses. Ab dem 18. Februar 2027 ist er für Industriebatterien und Antriebsbatterien mit einer Kapazität über 2 kWh verpflichtend. Er dokumentiert den gesamten Lebenszyklus einer Batterie, von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling, einschließlich CO2-Fußabdruck und chemischer Zusammensetzung.
Pflichten und Anforderungen
Pflichtinhalte laut EU-Vorgaben
Hersteller und Importeure müssen folgende Kerninformationen bereitstellen:
• Eindeutige Produktkennung (UID) nach ISO/IEC 15459-Standard
• Konformitätsdokumentation und Zertifikate
• Informationen zu bedenklichen Substanzen
• Benutzerhandbücher und Sicherheitshinweise
• Angaben zu Herstellern und Importeuren
• Informationen zur Reparatur und Entsorgung
Datenträger und Zugriff
Der Zugriff auf den DPP erfolgtüber QR-Codes (gängigste Methode), RFID-Chips oder NFC-Technologie. Diese Datenträger müssen nach ISO/IEC 15459 standardisiert sein und die eindeutige Produktkennung enthalten.
Die Zugriffsrechte sind differenziert: Verbraucher sehen umweltrelevante Informationen und Entsorgungshinweise, Wirtschaftsakteure erhalten zusätzliche Daten zu Materialzusammensetzung und Reparierbarkeit, Behörden haben Zugang zu Konformitätsnachweisen.
EU-Produktdatenbank
Die EU-Kommission erstellt bis zum 19. Juli 2026 ein digitales Register. Diese zentrale Datenbanküberprüft die Echtheit von Produktpässen, ermöglicht den Abruf wesentlicher Inhalte und gewährleistet die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen.
Zeitplan: Wann gilt was?
Der vorläufige Zeitplan nach Produktgruppen:
2026:Haushalts-Geschirrspüler, Waschmaschinen, professionelle Reinigungsgeräte, Eisen und Stahl
2027:Elektronische Displays, Textilien, Reifen, Aluminium, Batteriepass für Industrie- und Elektrofahrzeugbatterien über 2 kWh
2028:Ladegeräte für E-Fahrzeuge, Kühl- und Gefriergeräte, Elektromotoren, Möbel
2029:Lichtquellen und Betriebsgeräte, Matratzen
2030:Smartphones, Tablets, Wäschetrockner, Schweißgeräte
Wichtige Daten für Unternehmen:
19. April 2025:Veröffentlichung des ersten ESPR-Arbeitsplans
Ab Juli 2025:Veröffentlichung der delegierten Rechtsakte mit konkreten Produktanforderungen
19. Juli 2026:Einrichtung des digitalen EU-Registers
Nach Veröffentlichung eines delegierten Rechtsakts haben Unternehmen mindestens 18 Monate Zeit zur Anpassung.
Herausforderungen und Chancen
Datenmanagement als zentrale Herausforderung
Die Integration und Qualitätssicherung von Daten ist die größte technische Hürde. Relevante Produktinformationen liegen oft in isolierten Systemen wie ERP, PIM oder PLM. Unternehmen müssen Datensilos abbauen, Standards implementieren und Schnittstellen für automatisierte Datenübertragung schaffen.
Wettbewerbsvorteile durch frühe Umsetzung
Der DPP ermöglicht neue Geschäftsmodelle wie Product-as-a-Service, optimierte Rücknahmesysteme und Handel mit Sekundärrohstoffen. First-Mover positionieren sich als Vorreiter ihrer Branche und stärken ihr Image als innovative und verantwortungsbewusste Unternehmen.
Die durch den DPP geförderte Transparenz schafft Vertrauen. Kunden, Partner und Investoren erhalten verlässliche Informationen zu Herkunft, Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen.
Vermeidung von Greenwashing
Der digitale Produktpass wird ein wirksames Instrument gegen Greenwashing. Verifizierbare Daten machen vage Behauptungen ohne Faktenbasis unmöglich. Ab September 2026 dürfen Umweltaussagen nur noch mit öffentlich zugänglichen Belegen verwendet werden.
So bereiten Sie sich jetzt vor
1. Gap-Analyse und Datenstrategie
Beginnen Sie mit einer gründlichen Bestandsaufnahme: Welche Produkte sind vom DPP betroffen? Welche Daten werden künftig benötigt? Identifizieren Sie Lücken und prüfen Sie, ob gut strukturierte Produktdaten vorhanden sind.
2. Stakeholder einbinden
Identifizieren Sie interne und externe Stakeholder und definieren Sie klare Verantwortlichkeiten. Etablieren Sie spezifische Rollen wie Projektleiter Digitaler Produktpass, IT-Architekten und Datenmanager. KMUs kommen mit einem agilen Kernteam von 5 bis 10 Personen aus.
3. Pilotprojekte starten
Wählen Sie ein Referenzprodukt und entwickeln Sie dafür eine erste DPP-Version. Tragen Sie verfügbare Daten zusammen, definieren Sie die Struktur und sammeln Sie erste Erfahrungen. Dieser pragmatische Ansatz eröffnet neue Perspektiven auf die eigene Marke.
4. Technologiepartner finden
Für erfolgreiche DPP-Implementierung braucht es Expertise aus Produktmanagement, Entwicklung, Regulatorik, Datenarchitektur und Systemintegration. Product Information Management (PIM)-Systeme helfen, Daten zu zentralisieren, zu aktualisieren und bereitzustellen.
Fazit
Der digitale Produktpass markiert einen Wendepunkt für die europäische Wirtschaft. Ab 2026 müssen Unternehmen schrittweise umfassende Produktinformationen bereitstellen. Dies erfordert erhebliche Anpassungen, bietet aber auch zahlreiche Chancen.
Frühes Handeln ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Unternehmen sollten jetzt ihre Datenstrategie entwickeln, relevante Stakeholder einbinden und erste Pilotprojekte starten. Der Aufbau einer soliden Datenbasis benötigt Zeit und Ressourcen.
Wer den digitalen Produktpass als strategisches Instrument begreift, nutzt ihn nicht nur für regulatorische Anforderungen, sondern als Hebel für Digitalisierung, Effizienz und neue Geschäftsmodelle. Er ermöglicht innovative Geschäftsmodelle, optimierte Lieferketten und gestärktes Kundenvertrauen durch echte Transparenz.
Der Weg zum vollständig implementierten digitalen Produktpass mag komplex erscheinen. Unternehmen, die strukturiert vorgehen, interdisziplinäre Teams bilden und pragmatische Lösungsansätze verfolgen, werden diese Transformation erfolgreich meistern. Sie gehen gestärkt daraus hervor.
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Bereitgestellt von Benutzer: admin
Datum: 14.01.2026 - 13:30 Uhr
Sprache: Deutsch
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Unternehmensführung
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