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Suchtmediziner Dr. Andreas Jähneüber problematischen Alkoholkonsum, den Dry January und neuen Wege in der Suchtmedizin /"Viele würden nie in eine Beratungsstelle gehen, weil sie sich schämen."

ID: 2221771

(ots) - Interview mit Dr. med. Andreas Jähne, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtmedizin

Herr Dr. Jähne, warum ist Alkohol für so viele Menschen so reizvoll?

Dr. Andreas Jähne: Alkohol ist seit Jahrtausenden in unserer Kultur verwurzelt. In der Antike galt Wein quasi als Lebensmittel, im Mittelalter wurde er genutzt, um Wasser trinkbar zu machen, weil er desinfizierte. Damals war Wein oft sogar Teil der Bezahlung. Bei uns gehört er bis heute zum guten Essen, zuFeiern oder Ritualen dazu. Aber es gibt auch die biologische Komponente: Alkohol spricht das Belohnungszentrum im Gehirn an - ein uraltes anatomisches System, das Euphorie auslöst. Er macht uns lockerer und enthemmt. Diesen Zustand verbinden wir schließlich mit schönen Situationen - dem Restaurantbesuch, dem Zusammensein mit Freunden und vielem mehr. Wir wollen ihn immer wieder haben, und das kann problematisch werden.

Sie sprechen es an. Was sind Warnzeichen für ein"Alkoholproblem"?

Dr. Andreas Jähne: Bedenklich wird es bei sogenanntem"Wirkungstrinken", wenn Alkohol also nicht mehr Genussmittel ist, sondern eine Funktionübernimmt. Mal ein Glas Wein zum guten Essen oder ein Bier mit Kollegen am Feierabend - das ist noch kein bedenklicher Konsum. Aber wenn ich Alkohol brauche, um überhaupt runterzukommen, einzuschlafen oder auf einer Party locker zu sein, hat sich der Konsum verschoben. Dann trinke ich, weil ich eine bestimmte Wirkung erwarte und beginne, Alkohol als Hilfsmittel einzusetzen. Die eigentlichen Probleme - Stress, Schüchternheit, Schlafstörungen - löse ich damit nicht. Wer also merkt: Ohne Alkohol geht es nicht mehr , der sollte handeln.

Was macht Alkohol physiologisch so gefährlich?

Dr. Andreas Jähne: Alkohol ist ein starkes Zellgift. Jeder erinnert sich vielleicht noch an den Biologieunterricht: Tiere, die in Alkohol eingelegt waren, wurden so konserviert - weil darin keine zersetzenden Bakterien wachsen können. Unser Körper muss dieses Gift ständig abbauen, vor allem die Leber. Dabei entstehen krebserregende Stoffe. Das Tückische: Die Schäden zeigen sich teilweise erst nach Jahrzehnten. Und solange die Gesundheit nicht unmittelbar leidet, nimmt man Alkohol nicht als gefährlich wahr. Viele unterschätzen ihren regelmäßigen Konsum, weil sie glauben:"Ich bin ja kein Säufer."Es ist auch noch gar nicht so lange her, da hieß es:"Ein Glas Rotwein ist gesund."Heute wissen wir: Es gibt keinen unschädlichen Alkoholkonsum. Aus ernährungsmedizinischen Gesichtspunkten gilt"keinen Tropfen Alkohol". Aber selbst Suchtmediziner haben sich noch nicht ganz zum Null-Konsum durchringen können.





Warum ist das so?

Dr. Andreas Jähne: Die alte Haltung war lange:"Alles oder nichts."Wer nicht komplett mit dem Trinken aufhört, ist gescheitert. Aber viele Menschen schreckt das ab. Heute sind wir offener. Wenn jemand mit hohem Alkoholkonsum sagt, dass er die Menge halbieren oder nur noch am Wochenende trinken will, dann ist das schon ein Fortschritt. Ich habe erlebt, dass Menschen mit so einer Vereinbarung plötzlich merken, wie gut es ihnen tut - und irgendwann ganz aufhören. Wichtig ist: Siebleiben in Kontakt mit ihrem Therapeuten, sie reden darüber. Dieses zieloffene Vorgehen erreicht eine Gruppe, die wir mit der strikten Null-Botschaft nie erreicht hätten.

Viele Menschen starten ins neue Jahr mit dem Dry January. Was halten Sie davon?

Dr. Andreas Jähne: Ich finde das großartig. Der Dry January ist eine Art gesellschaftlicher Joker. Früher musste man fast eine Ausrede haben, wenn man nichts trinken wollte:"Ich nehme Medikamente"oder"Der Doktor hat s gesagt". Heute reicht:"Ich mache Dry January."Jeder versteht das, keiner fragt mehr groß nach. Das macht es leichter, überhaupt mal innezuhalten. Und dann erleben viele etwas Überraschendes: Der Schlaf wird besser, man hat mehr Energie. Für manche reicht dieser Aha-Effekt, um dauerhaft etwas zu ändern. Andere trinken danach bewusster. Auf jedem Fall ist es ein Türöffner und kann der Einstieg in den Ausstieg sein.

Der Ansatz der Konsumreduktion gilt auch für die digitale Therapie"vorvida". Welche Rolle spielen digitale Hilfen in Ihrer Arbeit?

Dr. Andreas Jähne: Diese Form der Therapie spielt eine sehr große Rolle. Eine digitale Therapie ist wie ein stiller Begleiter: anonym, immer dabei, leicht zugänglich. Man kann sein Trinkverhalten dokumentieren, bekommt Erinnerungen und sieht Muster, die einem sonst entgehen. Das macht ein Buch oder eineBroschüre nicht. Der Vorteil ist auch: Man setzt sich täglich mit dem Thema auseinander, auf dem Sofa, unterwegs, wann immer man möchte. Viele würden nie in eine Beratungsstelle gehen, weil sie sich schämen. Aber ins Handy tippt man ehrlich ein, wie viel man getrunken hat. Studien zeigen, dass diese niedrigschwelligen Angebote enorm wirksam sein können. Sie leisten zudem viel Aufklärungsarbeit und nehmen uns Therapeuten einen Teil der Basisarbeit ab, sodass wir uns in den Gesprächen mehr auf den individuellen Fall fokussieren können.

Was raten Sie Menschen, die ihren Konsumüberdenken wollen?

Dr. Andreas Jähne: Zuerst einmal ehrlich zu sich sein. Brauche ich Alkohol, um auf Partys locker zu werden? Um schlafen zu können? Um Stress zu vergessen? Dann steckt das Problem nicht im Alkohol, sondern in mir. Und das sollte ich ernst nehmen.

Es gibt viele Angebote - Selbsttests, Aufklärungsseiten im Internet, digitale Programme, Beratungsstellen. Und ja, auch den Hausarzt kann man einfach ansprechen. Wichtig ist, diesen ersten Schritt zu machen, bevor die Spirale zu weit gedreht ist.

Über den Experten

Dr. med. Andreas Jähne ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Suchtmedizin in Freiburg. Er war zehn Jahre lang Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura in Bad Säckingen. Darüber hinaus ist er u. a. zertifizierter Therapeut für Kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Schematherapie (SFT), motivierende Gesprächsführung und alkoholismusspezifische Psychotherapie (ASP).

Über vorvida

vorvida ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Menschen mit schädlichem Alkoholkonsum oder Alkoholabhängigkeit. Die digitale Therapie wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dauerhaft zugelassen und ist auf Rezept verordnungsfähig. Das Online-Programm unterstützt Betroffene dabei, hilfreiche Strategienim Umgang mit Alkohol zu erlernen und in ihren Alltag zu integrieren - wirksam, diskret und motivierend. vorvida zeigt Betroffenen in simulierten Gesprächen den Weg zu geringerem Alkoholkonsum bzw. zu einem abstinenten Leben. Dabei unterstützt das Programm Betroffene anonym und vorurteilsfreidabei, ihre Ziele schrittweise zu erreichen.

Weitere Informationen unter www.vorvida.de

Informationen für Fachkreise: https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/00868/fachkreise

Pressekontakt:

Ulrike Voß
GAIA AG
Hans-Henny-Jahnn-Weg 53
22085 Hamburg
E-Mail: presse(at)gaia-group.com
Telefon: +49 40 3510520


Original-Content von: GAIA AG,übermittelt durch news aktuell


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Datum: 04.01.2026 - 08:58 Uhr
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Gesundheit & Medizin



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