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Westdeutsche Zeitung: Höhere Krankenkassenbeiträge =

von Martin Vogler

ID: 221625


(ots) - Zwölf Euro Mehrbelastung im Monat für einen
Gutverdiener. Weitere zwölf Euro muss der Arbeitgeber drauflegen. Das
schmerzt beide. Und kaum einer der 50 Millionen gesetzlich
Versicherten und deren Firmen werden verstehen, warum es zu diesem
Schritt kommen soll. Klar: Das Gesundheitssystem schreibt rote
Zahlen. Klar auch: Wenn niemand gegensteuert, ist es bald gar nicht
mehr finanzierbar. Doch deshalb fantasielos die Beiträge zu erhöhen,
zeugt von einer unglaublichen Hilflosigkeit. Denn dieser Schritt
trägt, medizinisch gesprochen, zwar kurzzeitig zur Linderung bei,
heilt jedoch nicht. Die Schmerzen werden sogar durch steigende
Zusatzbeiträge, die bereits einige Kassen verlangen, noch zunehmen.
Die Beitragserhöhung reiht sich in das gewohnte Stückwerk der
Gesundheitspolitik ein. Da gilt schon als innovativ, wenn jemand
vorschlägt, die Praxisgebühr anders zu stückeln, oder wenn jemand
eine Nische entdeckt, in der man Leistungen kürzen könnte. Letzteres
droht jetzt bei Unfällen, die man selbst verschuldet hat:
Wahrscheinlich muss die Krankenkasse künftig dafür keine Leistungen
mehr erbringen. Prima, das spart ihr ein paar Ausgaben. Übel dran
hingegen ist der Versicherte, dem im schlimmsten Fall nach einem
Unfall mit Arbeitsunfähigkeit und hohen Behandlungskosten das
finanzielle Ende droht. Oder soll er sich künftig privat gegen das
spezielle Risiko "selbstverschuldeter Unfall" versichern? Man möchte
wetten, dass die Urheber dieser Idee über solche Folgen kaum
nachgedacht haben. Die Beispiele zeigen, dass dem Gesundheitssystem
mit Stückwerk nicht zu helfen ist. Das geht nur mit grundlegenden
Änderungen. Die Regierung hat zwar fleißig Konzepte entwickelt,
konnte sich jedoch damit nicht durchsetzen. Vieles ging schon im
koalitionsinternen Gerangel verloren, anderes verendete im Hagel der
Kritik von Lobbyisten und Opposition - deren eigene Vorschläge




allerdings ebenfalls nicht überzeugen. Ein wenig mehr
Eigenverantwortung täte übrigens auch dem Gesundheitswesen gut. Der
Trend läuft leider anders: Einheitskassen, wachsende Bürokratie,
entmündigte Patienten und jetzt höhere Beiträge und damit ein
geringeres Nettoeinkommen für 50 Millionen. Das ist auch Gift für die
Konjunktur.



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Westdeutsche Zeitung
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Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten(at)westdeutsche-zeitung.de

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Datum: 02.07.2010 - 19:46 Uhr
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