Rheinische Post: Kommentar /
Doppelmoral im Vatikan
= Von Matthias Beermann
(ots) - Die Mauern des Vatikan sind hoch, und leider
spielt sich dahinter offenbar längst nicht nur Gottgefälliges ab. Was
es genau mit den 20.000 Euro Bargeld auf sich hat, die jetzt in der
Schreibtischschublade eines leitenden Mitarbeiters der
Glaubenskongregation gefunden wurden, ist bislang noch ungeklärt.
Ebenso wie die Rolle, die der Chef der mächtigen Kirchenbehörde, der
deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, in diesem Zusammenhang
gespielt hat. Der Schaden ist trotzdem angerichtet: Erneut wird der
Ruf der Kurie aufgrund ihres fragwürdigen Finanzgebarens ramponiert.
Die Reihe der Skandale reißt nicht ab. Manche mögen sich mit
mangelnder Professionalität im Umgang mit dem anvertrauten Geld
erklären. Schlimm genug. Vielfach dürfte aber auch eine sehr
menschliche Schwäche im Spiel sein: Gier. Papst Franziskus persönlich
hat ihr den Kampf angesagt. Dass jetzt interne Ermittler eine Razzia
durchgeführt haben, zeigt seine Entschlossenheit. Denn solange hinter
den vatikanischen Mauern eine Doppelmoral gelebt wird, kann die
Kirche nicht glaubwürdig sein.
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Datum: 09.12.2015 - 20:56 Uhr
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