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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Terror in Tunesien
Anschlag auf die Demokratie
Ralph Schulze, Madrid

ID: 1188787

(ots) - Nach dem Horroranschlag in Tunis, dem
touristischen und demokratischen Herzen Tunesiens, braucht Europas
Mittelmeer-Nachbar vor allem eins: massive Hilfe und breite
Solidarität. Denn es muss unter allen Umständen verhindert werden,
dass islamistische Fanatiker mit ihrem abscheulichen Massaker die
noch junge Demokratie dieses nordafrikanischen Landes von ihrem
hoffnungsvollen Weg abbringen. Jene Dschihadisten aus dem Umfeld der
Terrormilizen IS und El Kaida, denen ein islamistischer
Steinzeit-Schariastaat vorschwebt, haben das arabische Musterland
Tunesien nicht zufällig für ihr jüngstes Massaker ausgewählt;
vielmehr ist ihnen der erfolgversprechende Demokratiekurs ein Dorn im
Auge. Weil sie die tunesische Fahrt Richtung Freiheit, Menschenrechte
und Toleranz als Kniefall vor der westlichen Kultur ansehen. Der
Reformprozess in Tunesien, wo der arabische Frühling vor vier Jahren
begann, gilt als hoffnungsvolles Modell für die gesamte arabische
Welt. Friedlich rauften sich säkulare und religiöse Parteien
zusammen. Formten, nach den ersten demokratischen Wahlen im Herbst,
eine Koalitionsregierung. Verabschiedeten eine Verfassung, in der
Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau
garantiert wurden - obwohl der Islam als Staatsreligion verankert
blieb. Die meisten der elf Millionen Einwohner Tunesiens sind
Muslime. Das Attentat führte nun vor Augen, wie gigantisch die
Herausforderungen der Einheitsregierung von Ministerpräsident Habib
Essid noch sind. Dazu gehört zuvorderst der Kampf gegen den
religiösen Fundamentalismus im Land, welcher durch die immer noch
große Armut und hohe Arbeitslosigkeit reichhaltigen Nährboden findet.
Die Geschichte lehrt, dass die beste Waffe gegen Extremismus und
Terror der Ausbau von Demokratie, Rechtsstaat, Fortschritt und
Wohlstand ist. Auf diesem hürdenreichen Weg muss die EU das




tunesische Volk tatkräftig unterstützen. Denn ein Scheitern des
tunesischen Demokratieexperiments wäre ein verhängnisvolles Signal,
mit dem die Hoffnung des arabischen Frühlings in der islamischen wie
der westlichen Welt wohl endgültig untergehen würde.



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Telefon: 0521 555 271
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Datum: 19.03.2015 - 20:50 Uhr
Sprache: Deutsch
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