Eulenspiegel - aktueller denn je

25.07.2014 - 16:50 | 1089035


Artikel von Günther Reimer

Till Eulenspiegel hat seit Veröffentlichung des gleichnamigen Buches vor ca. 500 Jahren an Relevanz nicht verloren. Er hat den Menschen seiner Zeit keck den Spiegel vorgehalten und sie damit zum Nachdenken über sich selbst angeregt. Damals eine höchst gefährliche Sache. Und heute?

Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Wer kennt es nicht, das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen? Ein Spiegel, der einem die Wahrheit sagt: Für viele eine eher unangenehme Sache. Manchmal ist die Wahrheit – auch die über sich selbst – sogar so unangenehm, dass man dafür mordet.

Das wussten nicht nur die Brüder Grimm. Wollen wir nicht alle ausschließlich schön und schlau sein? Sind wir nicht alle davon überzeugt, dass unser Denken und Handeln richtig ist? Jemandem den Spiegel der Wahrheit vorhalten und ihn hineinblicken lassen, ist daher eine höchst gefährliche Sache.

Noch brisanter wird es, wenn man Menschen ihre Fehler zeigt. Nicht aber für einen Narren wie Till Eulenspiegel: Das Buch "Till Eulenspiegel", das vor 500 Jahren in Straßburg zum ersten Mal gedruckt wurde, etablierte sich zum berühmtesten und langlebigsten aller deutschen Volksbücher. Bereits nach wenigen Jahren wurde es ein internationaler Bestseller. Heute hat das Werk an Relevanz nicht verloren: Es liegen Ausgaben aus über 280 Ländern vor.

Till Eulenspiegel steht für Schabernack und Satire, ebenfalls aber auch für gedankliche und analytische Überlegenheit und das naiv wirkende und dennoch intelligente Ansprechen von Fehlern und Schwachstellen, Dummheit und Eitelkeit. Eingefahrene Denkmuster werden ebenso hinterfragt wie überholte gesellschaftliche Klischeevorstellungen.

Der Till Eulenspiegel zugeschriebene Ausspruch „ick bin ulen spegel“ bedeutet „Ich bin euer Spiegel“ bzw. „Ich halte euch den Spiegel vor“. Eine Abbildung in einer der ersten erhaltenen Ausgaben des Eulenspiegel vom Beginn des 16. Jahrhunderts zeigt Till Eulenspiegel mit Spiegel und Eule in den Händen. Spiegel und Eule haben bereits seit der griechischen Antike Bedeutung und Tradition: Während die Eule als Vogel der Weisheit gilt, gibt es seit den alten Griechen die Tradition, sich selbst, einem Fürsten oder seinen Mitmenschen, bildlich gesprochen, den Spiegel vorzuhalten, um zu erkennen, wer man ist – bzw. wer und wie man eigentlich sein sollte.



Der Spiegel ist zugleich ein Narrenattribut. In einer Welt voller Unwahrheiten, Eitelkeiten, Hochmut und Eigenlob hielten Narren ihren respekteinflößenden Auftraggebern - zumeist Fürsten - den Spiegel vor, indem sie z.B. Verhalten oder Redensarten wörtlich nahmen und genau das spiegelten, was die hohen Herren taten. Einen Fürsten mit der Wahrheit zu brüskieren, bedeutete früher nicht selten, einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Dessen lief man ebenso Gefahr, wenn man seinem Herrn ein ehrliches Feedback gab. Beinhaltete dieses Feedback gar eine Kritik, konnte man sich dessen fast schon gewiss sein.

Dies bezog sich auch auf Überbringer einer schlechten Botschaft. Kritik, Fehler und Missstände durfte nur der Narr ansprechen. Er hatte die sogenannte Narrenfreiheit. Zumeist war diese jedoch darauf beschränkt, die Dinge im übertragenen Sinne „durch die Blume“ zu formulieren. Dennoch hatte ein Narr wie Till Eulenspiegel im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen die Möglichkeit, Dummheit, Eitelkeit, Fehler, Missstände, menschliche Schwächen und gesellschaftliche Klischeevorstellungen zu entlarven. Damit war er sowohl den Verulkten als auch seinen anderen Zeitgenossen gedanklich und analytisch überlegen - natürlich auch in Sachen Humor.

Die in der Narrenliteratur erfolgte Gegenüberstellung von - sich selbst für weise haltenden – Menschen mit der Wirklichkeit und Erkenntnis half dem spätmittelalterlichen Menschen damals, über sein eigenes Selbstverständnis, seine eigene Engstirnigkeit und seine Geisteshaltung nachzudenken. Auch heute spiegeln uns Comedians, wie schrill, verzogen, verlogen, versnobt oder prollig wir sind. Ebenfalls gibt es mutige Journalisten, die zweifelhaftes Verhalten hoch sitzender Personen aus Politik und Industrie hinterfragen und kritisch kommunizieren. Menschen, die nicht nur das sagen und schreiben, was andere hören und lesen wollen.

Während uns die einen über den Humor helfen, uns selbst, unsere Geisteshaltung, unser Denken, unser Verhalten und unsere Gesellschaft zu hinterfragen, nutzen andere das Mittel der Information. TV-Sendungen wie „Monitor“ zeigen Missstände auf und zeigen Mut zur Wahrheit und Aufklärung.

Dass Menschen immer wieder lügen und betrügen ist nichts Neues. Man findet jedoch mindestens ebenso viele Menschen, die belogen werden wollen und dafür sogar bezahlen. Ob im Käseblättchen, beim Friseur oder in einer Beratung. Die meisten Menschen reden uns – mal mehr, mal weniger - nach dem Mund. Sie loben uns aus Höflichkeit und verschonen uns mit ihrer wirklichen Meinung über unsere Person und unser Verhalten.

Hinzu kommen kluge bis raffinierte Geschäftemacher, die unsere Eitelkeit, unser Streben nach Anerkennung und unser Traumdenken skrupellos ausnutzen. Anders als in Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ bilden sie in unserer modernen Konsumgesellschaft nicht etwa die Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Selbst nach einem miserablen Vorstellungsgespräch, in dem wir vielleicht unsympathisch und wenig authentisch wirken, hören wir lediglich den nach den Regelwerken der Antidiskriminerung und des Employer Brandings positiv klingenden - aber ganz anders gemeinten Spruch: „Wir melden uns dann bei Ihnen.“, was in diesem Fall konkret so viel heißen könnte wie: „Sie bekommen Ihre Absage dann schriftlich. Ich hoffe, wir sehen uns nicht mehr wieder.“

Wollen wir nicht alle möglichst viele Komplimente erhaschen und hören wie gut wir doch sind? Wer möchte schon gerne hören oder lesen wie man in Wahrheit auf andere wirkt, was andere wirklich über einen denken oder hinter vorgehaltener Hand über einen tuscheln und munkeln? Das übliche Feedback einmal zu hinterfragen, bedarf eines entsprechenden Charakters und einer hohen Intelligenz. Und es bedarf des Mutes eines Till Eulenspiegels, der sich sogar dafür entlohnen lässt, anderen keck den Spiegel vorzuhalten. Ist so etwas heute noch möglich? Wohl eher selten.

Doch gibt es sie, die Eulenspiegel der heutigen Zeit: Menschen, die das Risiko in Kauf nehmen, anderen den Spiegel vorzuhalten und ihnen die Wahrheit zu sagen – aber nicht der Kritik oder Satire halber, sondern um Menschen konstruktiv zu helfen. Die im Jahre 2003 gegründete Agentur ib -die image berater- in Solingen ist ein solches außergewöhnliches Beispiel. Die Berater der Solinger Agentur für angewandte Wahrnehmungs- und Kommunikationspsychologie sagen ihren Kunden nicht etwa das, was sie am liebsten hören wollen: Sie legen auch unangenehme Fakten auf den Tisch.

Das ist natürlich nichts für Menschen, die naiv auf ihren subjektiven Ansichten beharren: Die Klienten von ib sind Menschen, die so intelligent sind, dass sie bewusst die Wahrheit anstreben. Intelligente Menschen, die wissen, wie rar und wertvoll ehrliches Feedback ist: Insbesondere in einer Zeit der Lobhudelei, in der man sich bereits daran gewöhnt hat, überall zum Schein hofiert zu werden.

Das Spiegelvorhalten von ib -die image berater- macht nicht nur einen grundsätzlichen Sinn, es erfüllt für die ib Kunden einen ganz bestimmten Zweck: Um erfolgreicher agieren zu können und seine Ziele besser zu erreichen, muss man herausfinden, woran es liegt, dass manche Dinge im Leben nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt und wissen, wie man auf andere wirkt und was man genau und wie besser machen kann.

Feedback und eine Veränderung des Blickwinkels ermöglichen eine klare realistische Sicht, z.B. über mögliche Fehler und Schwächen sowie die Sicht- und Denkweise anderer. Erst wenn sich eine grundlegende Einsicht und Selbsterkenntnis eingestellt hat, „wenn Selbst- und Fremdbild kongruent sind“, macht - laut Agenturgründer Andreas Köhler - ein weiterführendes Coaching einen wirklichen Sinn.

Viele Berater und Coaches scheuen diesen ehrlichen Ansatz - auch berechtigt: Schließlich will niemand einen Kunden vergrämen. Daher greift man lieber zur Weichspüler-Methodik und spricht unangenehme Wahrheiten besser gar nicht an. Laut ib Agenturleiter Andreas Köhler grenzt es geradewegs an Betrug, Menschen, die ein Coaching wünschen, in Bezug auf ihre Schwachpunkte im Unklaren zu lassen, ihnen ggf. die Wahrheit zu verheimlichen, vielleicht sogar die Unwahrheit zu sagen und sie in ihren Schwächen zu bestärken. Köhler: „Keiner kann so weiterkommen. Zuerst muss man wissen, wo man wirklich steht, was man ggf. falsch macht.“

In der ausgefallenen modernen Eulenspiegelei von ib bekommen die Klienten ein aufrichtiges Feedback, wie sie auf andere wirken. Auf Wunsch werden sogar Sichtweisen konkreter Zielgruppen berücksichtigt. Dazu werden entsprechende Meinungen eingeholt und dem Gespiegelten im Wortlaut aufgezeigt. Wer dann immer noch nicht wahrhaben will, wie er tatsächlich auf andere wirkt, dem wird bei ib - anders als zu Till Eulenspiegels Zeiten - ermöglicht, sich selbst in bestimmten Situationen auf einer Audio- oder Video-Aufzeichnung zu hören und zu sehen. Keine geschönten Tipps, sondern hören, was andere denken.

Auf Wunsch werden noch Außenstehende, z.B. Entscheider einer speziellen Zielgruppe hinzugeholt, die das, was sie in der Audio- oder Video Aufzeichnung hören oder sehen, aus ihrer Sicht kommentieren. Andere laut denken hören, andere das sagen hören, was sonst niemand offen sagt: Das ist neu und manchmal recht unangenehm – doch sehr hilfreich, um die Wahrheit zu erkennen. Wozu? Um sich positiv zu verändern, um zukünftig so wahrgenommen zu werden, wie man selbst es will.

Ein sogenanntes Provokatives Feedback-Coaching, das die Klienten von ib an ihre Grenzen bringt, soll zusätzlich helfen, einen Blick hinter die Kulissen seines eigenen Ichs zu wagen. Es bewirkt ein Umdenken und führt zu erfolgreicherem Verhalten, jeweils aus der eigenen Einsicht heraus. Andreas Köhler betont jedoch, dass bei allem Ernst der Humor nicht zu kurz kommen darf: „Nur, wer über sich selbst lachen kann, kann weiterkommen und hinterher ggf. über andere lachen.“ Till Eulenspiegel ist laut Andreas Köhler von ib dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Selbst seine eigene Beerdigung wird humorvoll hinterfragt.

Köhlers Idee nach lässt selbst der Name des Schelms eine Hinterfragung zu und führt dadurch zu einer neuen Sicht der Dinge. Dem Wortspiel eines Narren nach, könnte der Name Till Eulenspiegel, eigentlich „Dyl Ulenspegel“ noch eine ganz andere Bedeutung haben. Der Psycholinguist erklärt: Das Wort „ule“ bedeutet in der früheren mittelhochdeutschen Sprache „Topf“ und das davon abgeleitete Verb „ulen“ bedeutet in der mittelniederdeutschen Sprache u.a. auch „wischen“, während das Wort Spiegel, früher „spegel“ – auch heute noch in der Jägersprache die Bedeutung „Gesäß“ hat. Selbst wer das bekannte Zitat des Götz von Berlichingen nicht kennt, könne sich laut Andreas Köhler damit jetzt zusammenreimen, was Eulenspiegel bzw. „Ul'n spegel“ tatsächlich noch heißen könnte.

Vielleicht war es ja sogar genau so gemeint. Werden wir die wahre Intention je erfahren? Fakt ist: Till Eulenspiegel ist mehr als ein bekannter Name und Eulenspiegels Spiegeleien sind zudem aktueller denn je.

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Günther Reimer


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Leseranfragen:
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Vor- / Nachname: Günther Reimer


Art des Artikels: Fachartikel
Freigabedatum: 25.07.2014
Veröffentlichung: Veröffentlichung
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eulenspiegel, psychologie, image, wahrheit, verhalten, wirkung, feedback, beratung, imageberatung,

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