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WAZ: Wer unsere Zukunft macht
- Kommentar von Ulrich Reitz

ID: 1077769

(ots) - Das selbst fahrende Auto, das das größte Risiko des
Autofahrens ausschaltet: den Menschen. Die intelligente Uhr, die bald
kommt und uns gesünder macht, weil sie misst, ob wir uns genug
bewegen und die unser digitales Leben übersichtlicher gestaltet, weil
sie jede neue E-Mail ankündigt. Die Vernetzung von Smartphone und
Auto, die das Autoradio ersetzt und das Navi. Die Drohnen, die uns
bald die neuen Schuhe erst dann zustellen, wenn wir auch wirklich
daheim sind. Google, Amazon, Facebook - sie verbessern unsere Welt.

Aber sie geben nicht nur Freiheit, sie nehmen sie auch. Vieles,
was sie uns bieten, ist parasitär gewonnenes Gut: Googles
Übersetzungsdienst speist sich aus unzähligen Übersetzungen von
Menschen, die dafür aber nicht bezahlt werden. Und manches haben wir
nicht bestellt, die NSA etwa. Die Überwachungsgesellschaft, der wir
uns bei Amazon anvertrauen und der Überwachungsstaat, in den wir
gezwungen werden, haben die selben Wurzeln. Das macht die
Auseinandersetzung mit dem digitalen Cyber-Leben so schwer.

Der neue Kommissionspräsident Juncker will, was aus Amerika kommt,
um uns vollständig zu beherrschen, europäisieren und so zivilisieren.
Applaus von Vizekanzler Gabriel, der dem "brutalen
Informationskapitalismus die Stirn bieten" will. Allerdings: Wer
seinen Feind besiegen will, muss ihn verstehen.

Das Silicon Valley, aus dem alles Neue kommt, ist nicht nur
Technologie, sondern: Religion. Der Anspruch der rastlosen Macher ist
immer weltumspannend und menschenumfassend. Sie wollen eine bessere
Welt bauen, aber ihre Methode ist nicht technokratisch, nicht Stück
für Stück, nicht Versuch und Irrtum, nicht skeptisch-europäisch,
sondern amerikanisch-revolutionär.

Das heutige Internet kommt von links, sein Urgrund ist die
persönlichkeitsbefreiende, staatsverachtende kalifornische




Hippie-Bewegung 1968ff. "Diese Unternehmer, Larry Page, Jeff Bezos,
Mark Zuckerberg, haben eine Mission, die größer ist als der
Kapitalismus."

Das sagt der Internet-Philosoph Lanier, früher Guru, heute
Skeptiker, im Spiegel. Wer diese Beglückungsphantasie und den
Größenwahn dahinter nicht versteht, wird ihm auch nicht begegnen
können.



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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Datum: 29.06.2014 - 18:08 Uhr
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