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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
EZB öffnet Geldschleusen
Geduld ist gefragt
Hannes koch, Berlin

ID: 1069269

(ots) - Die akute Finanzkrise ist zwar vorbei, doch
jetzt erleben wir ihre latenten Folgen. Ein Teil der Banken in
Europa, vor allem in den südlichen Ländern, hat immer noch zu viele
schlechte Kredite in den Büchern. Wegen der Sparmaßnahmen und der
hohen Arbeitslosigkeit geben die Leute dort kaum Geld aus. Da kann
die Europäische Zentralbank (EZB) noch so viele Milliarden Euro zur
Verfügung stellen - die Lage wird sich vermutlich nur langsam
bessern. Besondere Sorgen machen sich EZB-Chef Mario Draghi und seine
Kollegen darüber, dass wegen der Wirtschaftsschwäche die Preise in
Europa auf breiter Front sinken könnten. Das wäre ein ernstes
Problem, weil Firmen und Bürger dann noch mehr vom Investieren und
Geldausgeben abgehalten würden. Deshalb wollen die Zen-tralbanker,
dass die Preise wenigstens etwas steigen. So bieten sie den
europäischen Banken abermals billiges Geld an und erlegen ihnen
Strafzinsen auf für den Fall, dass sie ihr Kapital nicht an
Unternehmen und Bürger weiterreichen. Vorläufig, so ist jedoch zu
befürchten, bewirken diese Maßnahmen nicht viel. Denn die Banken
haben allen Anlass, Kapital zu horten. Die Beschlüsse der Regierungen
und der internationalen Bankenaufseher zwingen sie sogar dazu. "Erst
Sicherheit, dann Wachstum" lautet die Lehre aus der Finanzkrise. Denn
die griff auch deshalb um sich, weil der Finanzsektor zu schnell
wuchs und die Institute zu hohe Risiken eingingen. Möglicherweise
ändert sich die Lage erst nach dem Stresstest der EZB im Winter. Denn
die wichtigsten Institute werden gerade überprüft: Haben sie
ausreichend Eigenkapital, um ihre Kredit- und Geschäftsrisiken
abzudecken? Liegen die Ergebnisse vor, gibt es drei Wege. Einige
marode Institute werden abgewickelt, einige bekommen zusätzliches
Geld, beispielsweise von ihren Regierungen, und die gesunden Banken




können durchatmen. Erst dann wird der europäische Finanzsektor wohl
auch wieder mehr Kredite an Bürger und Unternehmen vergeben - wodurch
das Wirtschaftswachstum anzieht und die Preise steigen. 2015 sollte
besser werden, nicht nur bei uns.




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Neue Westfälische
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Telefon: 0521 555 271
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D-Day in Zeiten politischer Krise
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Datum: 05.06.2014 - 20:25 Uhr
Sprache: Deutsch
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