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Westdeutsche Zeitung: Kassen sollten mit offenen Karten spielen =
von Peter Kurz

ID: 1068600

(ots) - Kassenpatienten sind nun schon eine ganze Weile
in Ruhe gelassen worden. Die leidige Praxisgebühr ist Vergangenheit,
auch von Zusatzbeiträgen blieben die meisten verschont. Viele konnten
sich gar über Beitragsrückerstattungen aus den prall gefüllten
Säckeln der Krankenkassen freuen. Doch was nun kommt, sieht nur auf
den ersten Blick wie eine Wohltat aus: Der vom Mitglied zu zahlende
Beitragssatzanteil sinkt zwar von 8,2 auf 7,3 Prozent. Weil damit den
Kassen jedoch Mindereinnahmen von jährlich elf Milliarden Euro
drohen, wird es schnell ein böses Erwachen geben: Der
einkommensabhängige Zusatzbeitrag wird die Versicherten treffen - und
zwar nur sie, nicht etwa die Arbeitgeber. Anders als der früher
erhobene Zusatzbeitrag wird dieser nicht vom Arbeitnehmer direkt an
die Kasse gezahlt, sondern fällt auf den ersten Blick gar nicht so
auf - weil er automatisch vom Bruttogehalt abgezogen wird. Wer seine
Kassen-Zeitschrift ungelesen im Altpapier entsorgt, dem könnte der
Zuschlag überhaupt nicht auffallen. Eben darum sollen die Kassen zur
Transparenz verpflichtet werden. Und das ist gut so. Auf Heimlichkeit
sollte kein Geschäftsmodell aufgebaut werden. Selbst wenn die Kassen
kein Internetportal zum Beitragsvergleich zur Verfügung stellen
müssten, würde ihnen das nicht helfen. Solche Übersichten wird es
ohnehin von Verbraucherschutzseite geben. Und was soll so schlimm
daran sein, dass die Kasse ihr Mitglied per Brief über den
Zusatzbeitrag informiert? Die Kassen argumentieren doch, dass es für
den Versicherten nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die
Leistungen ankommt. Bei einer solchen direkten Kundenansprache bietet
sich doch die großartige Gelegenheit, für eben diese Leistungsstärke
zu werben. Doch die Qualität der Kassenleistungen, das steht zu
befürchten, dürfte infolge der neuen Regeln sinken. Um den blauen




Brief zur Beitragserhöhung und die Abwanderung des Kunden zur
Konkurrenz zu vermeiden, werden die Kassen ihre Leistungen bis an die
Grenze des Erlaubten herunterschrauben. Schon bald wird sich zeigen,
dass das Gesetz nicht nur die Kassen nervt, sondern auch für die
Versicherten unangenehme Konsequenzen haben wird.



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Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
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Datum: 04.06.2014 - 19:52 Uhr
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