Karg-Stiftung ermöglicht die Erforschung der Geschichte des Hertie-Warenhauskonzerns 1882 - 1993 (FOTO)

03.12.2020 - 09:25 | 1865069


Artikel von Karg-Stiftung



(ots) - "Gut ist uns nicht gut genug!" - mit diesem Werbeslogan positionierten sich die Hertie-Warenhäuser 1993. Zugleich endete im selben Jahr mit dem Verkauf an die Karstadt AG die Geschichte eines der größten Warenhauskonzerne Deutschlands. Doch die Hertie-Geschichte ist bislang weithin wissenschaftlich unbearbeitet. Dies wird weder der Bedeutung von Hertie für die deutsche Wirtschaftsgeschichte in Kaiserzeit, Weimarer Republik und Bundesrepublik gerecht, noch hat die Verdrängung der jüdischen Eigentümer des Warenhauskonzerns 1933/34 und die Geschichte im Nationalsozialismus angemessene Untersuchung gefunden.

Schon 2019 entschloss sich die Karg-Stiftung, da seither administrativ unabhängig, zu einem Engagement. Seit März 2020 fördert sie die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG) für die Klärung der komplexen Quellenlage der Geschichte von Hertie. Die Ergebnisse veranlassen nun - erneut unter dem Dach des GUG e.V. - ein groß angelegtes Forschungs- und Publikationsprojekt. Das 2021 - 2024 laufende unabhängige Förderprojekt widmet sich erstmals der gesamten Geschichte des Hertie-Unternehmens - von seiner Gründung 1882 durch Oscar und Hermann Tietz bis zu seinem Verkauf 1993 durch Hans-Georg Karg, den Sohn Georg Kargs. Schon während der Projektlaufzeit sollen im Rahmen von Teilpublikationen und wissenschaftlichen Tagungen Einblicke in die Forschungsarbeiten ermöglicht und diese mit internationalen Forscherinnen und Forschern diskutiert werden. 2024 soll eine abschließende Publikation in einem Sachbuchverlag vorgelegt werden.

In dem Forschungsvorhaben nimmt die Geschichte des Hertie-Warenhauskonzerns im Dritten Reich, vor allem dessen "Arisierung", einen Schwerpunkt ein. Nicht zuletzt hieran können unternehmerische Entscheidungsspielräume im Dritten Reich thematisiert werden. Vor allem soll jedoch auch der Aufbau und der enorme Aufstieg der "Hermann Tietz OHG" - so der ursprüngliche Name - bis zur Weltwirtschaftskrise dargestellt werden. Dieser bislang unbeschriebene Abschnitt stellt mehr als nur die Vorgeschichte des ab 1933 in "Hertie GmbH" umbenannten Unternehmens dar. Und auch die Zeit nach 1945, über den Restitutionsausgleich der Familien Karg und Tietz hinaus, also der Aufstieg von Hertie zu einem der weltweit größten Warenhauskonzerne und Handelsunternehmen sowie einer der bekanntesten Konsummarken unter Georg und Hans-Georg Karg, soll untersucht werden. Nicht zuletzt spiegelt die bundesrepublikanische Geschichte des Warenhauskonzerns bis heute auch den Umgang mit Vergangenheit im deutschen Wirtschaftsleben wider. Am Ende des Hertie-Konzerns stehen drei große Stiftungsvermögen als Nachfolger, zu deren Vermögensgeschichte unzweifelhaft Hertie gehört. Alle drei Epochen der Warenhausgeschichte sollen im Vorhaben der GUG vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Konsumgesellschaft kritisch und unabhängig erforscht werden.



"Die von Hans-Georg und Adelheid Karg 1989 gegründete Karg-Stiftung steht in der mittelbaren Nachfolge des Hertie-Warenhausunternehmens. Dies war uns immer bewusst und ist Teil unserer Identität. Denn Hans-Georg Karg verantwortete das Unternehmen von 1972 bis 1993. Das Forschungsprojekt schließt aber auch ausdrücklich das Wirken der jüdischen Unternehmerfamilie Tietz ein. Gerade als in der Begabtenförderung tätige Stiftung interessieren uns die handelnden Personen und deren Verantwortung in der Geschichte. Auch die Familie Tietz gehört zu unserer Geschichte. Wir sind daher froh, dass die Geschichte dieses so wichtigen Warenhauskonzerns in der modernen Wirtschafts-, Unternehmens- und Konsumgeschichte endlich erforscht wird", so Dr. Ingmar Ahl, Vorstand der Karg-Stiftung. Die Karg-Stiftung begrüßt, dass sich hierfür der renommierte Wirtschaftshistoriker Professor Werner Plumpe engagiert. Denn die Geschichte von Hertie benötigt einen für das gesamte 20. Jahrhundert ausgewiesenen und unabhängigen Forscher.

"Die moderne Gesellschaft ist vor allem Konsumgesellschaft, ja Massenkonsumgesellschaft. Ihre Durchsetzung war vor allem das Werk der großen Kauf- und Warenhäuser. Sie setzten Standards des Einkaufens, waren Tempel des modernen Lebens, Publikumsmagnete - und sind Spiegel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Bis schließlich der Vorhang fiel. Heute prägen sie nicht mehr die Innenstädte, aber ihre historische Rolle ist gewaltig. Dieser nachzuspüren, sie zu rekonstruieren und am Beispiel des Hertie-Konzerns für die Jahre 1882 - 1993 darzustellen, ist daher verlockend, liegt hier doch über die Unternehmensgeschichte hinaus ein Schlüssel zum Verständnis der gegenwärtigen Welt", so Prof. Dr. Werner Plumpe zu seinem Interesse an Hertie.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung beauftragt eigens eine weitere Studie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte des Hertie-Warenhauskonzerns 1933 - 1945 als Vorgeschichte ihres Stiftungsvermögens. Hierin werden vertieft Fragen zur Rolle Georg Kargs, zum Wirken des Hertie-Warenhauskonzerns in der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zum Abschluss des Restitutionsverfahrens nach dem Krieg und Einigungen zwischen den Familien Tietz und Karg bearbeitet. Die Karg-Stiftung begrüßt diese Studie.

Kurzinformationen

- Laufzeit des Forschungsprojekts: 2021 - 2024 - Vorstudie zur Klärung der Quellengrundlage: 2020 - Kosten insgesamt: ca. EUR 500.000 - Umfang Forschungsprojekt: Geschichte des Hertie-Warenhauskonzerns 1882 - 1993 - Träger: Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG), Frankfurt am Main - Leitung/Autor: Professor Dr. Werner Plumpe, Goethe-Universität Frankfurt am Main - Ziel: Publikation in einem renommierten Sachbuchverlag - Weitere Ziele: Tagungen, Veranstaltungen

Prof. Dr. Werner Plumpe ist international einer der angesehensten Wirtschaftshistoriker. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der allgemeinen modernen Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit einem besonderen Schwerpunkt in der Unternehmensgeschichte. Er ist seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Werner Plumpe ist Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, war 2008 - 2012 Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und gehört den Beiräten des Instituts für Zeitgeschichte (München), des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Bonn) und des Deutschen Historischen Museums (Berlin) an. Seit 2001 ist er Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte und war Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats. Jüngste Veröffentlichungen sind: "Die Deutsche Bank 1870 - 2020" (gemeinsam mit Alexander Nützenadel und Catherine Schenk), Berlin 2020, sowie "Das Kalte Herz. Kapitalismus: Geschichte einer andauernden Revolution", Berlin 2019.

https://www.geschichte.uni-frankfurt.de/43144928/Prof_-Dr_-Plumpe

Die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG) ist eine international anerkannte wissenschaftliche Einrichtung zur Förderung der unternehmenshistorischen Forschung. Sie führt seit nunmehr 40 Jahren erfolgreich Forschungsprojekte zur Unternehmensgeschichte durch. Ferner gibt sie die Zeitschrift für Unternehmensgeschichte heraus und verleiht den Preis für Unternehmensgeschichte. Auftragsforschung und den Aufbau von Unternehmensarchiven wickelt der GUG e.V. in seiner hundertprozentigen Tochter, der GUG mbH ab. Mit Drittmitteln geförderte Projekte werden weiterhin im GUG e.V. durchgeführt.

https://unternehmensgeschichte.de/

Die Karg-Stiftung ist als gemeinnützige Stiftung aus dem Privatvermögen des Unternehmers Hans-Georg Karg und seiner Frau Adelheid Karg 1989 errichtet worden. Ihr Auftrag ist die Förderung des hochbegabten Kindes in Kita, Schule und Beratung. Nah am Menschen und dem Bildungsalltag sucht sie gute Ideen und begleitet praxisnah Entwicklungen in der Begabtenförderung. Die Karg-Stiftung schafft so - gemeinsam mit Praxis, Wissenschaft und Politik - ein allseits gerechtes Bildungssystem, das auch Kindern und Jugendlichen mit hohem intellektuellen Potenzial die Entwicklung ihrer Persönlichkeit ermöglicht. Sie ist verlässliche Partnerin und treibende Kraft der Begabtenförderung in Deutschland.

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