"ttt - titel, thesen, temperamente" (MDR)
am Sonntag, 8. Dezember 2019, um 23:05 Uhr

05.12.2019 - 16:35 | 1777217


Artikel von ARD Das Erste



(ots) - Neues Album von ''The Who'' Wenn man früher gefragt wurde: Wer ist
besser, die Beatles oder die Stones? Dann war die coole Antwort: The Who! Über
2000 zerstörte Gitarren. Die lautesten Konzerte der Musikgeschichte. Die
wildesten Akkorde und die süßesten Melodien. Dreckige Revolutionssongs wie "My
Generation". Und opulente Rockopern wie "Tommy" und "Quadrophenia". The Who
waren in den 60er und 70ern sehr groß und wichtig. Und sind es nun wieder. Nach
13 Jahren gibt es jetzt endlich ein neues Studioalbum: "Who". Musikalisch eine
beachtliche Rückkehr zu alter Stärke. Die Platte enthält elf Songs und dreht
sich um Themen wie das Feuer im Grenfell-Turm, Musikdiebstahl, Spiritualität,
Wiedergeburt und die Kraft der Erinnerung. "ttt" traf exklusiv die beiden
Gründungsmitglieder Pete Townshend und Roger Daltrey in London und sprach mit
ihnen über die befreiende Wirkung zerberstender Instrumente, die hypnotische
Wirkung der Windmühlen-Gitarre und ihre wiedererwachte Lust am Lärm. "We are a
rock band. We are not a rock''n''roll band. Rock''n''Roll is music to fuck to. We
are music to fight to." Autor: Andreas Krieger

Portrait Araquém Alcantara

Sein bekanntestes und erschütterndstes Foto zeigt einen vom Rauch und der Hitze
des brennenden Amazonaswaldes erblindeten und erschöpften Ameisenbären. Der
brasilianische Fotograf Araquém Alcântara hat dieses Bild bereits 2005 gemacht.
Er hat es diesen Sommer noch einmal veröffentlicht, während die Welt mehr oder
weniger teilnahmsloser Zeuge neuer, extremer Waldbrände in Amazonien war.
Seitdem Amtsantritt des den Klimawandel leugnenden Präsidenten Jaír Bolsonaro
hat sich die Zahl der Feuer verdoppelt. Unter Bolsonaro nähert sich Brasilien
dem "tipping point" von 20 Prozent durch Brandrodung vernichteten Waldes,
jenseits dessen Ökosystem irreparabel zusammenbricht. Mit verheerenden Folgen


für das Weltklima. Beim UN-Klimagipfel in Madrid war die dramatisch eskalierende
Situation in Amazonien Thema ¬- während ein freidrehender Bolsonaro
Umwelt-Aktivisten wie Fabiana Alves von Greenpeace Brasil der Mitschuld an den
Bränden bezichtigt. Sie hätten die Brände selbst gelegt, finanziert von
Hollywoodstar Leonardo DiCaprio. Seit 40 Jahren fotografiert Araquém Alcântara
den brasilianischen Regenwald und dokumentiert seine einzigartige Artenvielfalt
und Schönheit und auch seine Zerstörung. Sich selbst bezeichnet er als
"Augenzeuge eines Verbrechens". Autoren: Matthias Ebert, Andreas Lueg

Wem gehört die Kunst? 90 bis 95 Prozent des afrikanischen Kulturerbes befinden
sich heute bei uns in Europa, kaum etwas davon ist bis heute in Afrika zu sehen.
Immerhin laufen seit einigen Jahren an vielen Museen in Deutschland Debatten,
wie mit dem kolonialen Erbe umzugehen sei. In den Depots der ethnologischen
Museen liegen etwa zwei Millionen Objekte. Wieviele davon aus der Kolonialzeit
stammen, kann niemand sagen. Wie lange wird es dauern, bis all diese
Herkunftsgeschichten erforscht und im Zweifelsfall an Afrika zurückgegeben
werden: Jahrzehnte, Jahrhunderte? Für die Provenienzforschung sind die Museen
selbst verantwortlich, doch ihnen fehlt Geld und Personal. Die Bundesregierung
hatte im Januar eine Million Euro zusätzlich für die Erforschung von Objekten
aus kolonialen Kontexten bereitgestellt. Doch dieses Budget, das das Deutsche
Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg verwaltet, wurde von den Museen nicht
einmal ausgeschöpft. Im vergangenen Monat beschloss die Bundesregierung
zusätzlich eine zentrale Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten
in Deutschland zu errichten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters will so "den
Dialog mit Expertinnen und Experten sowie Betroffenen (...) suchen und
möglichst kurzfristig umsetzbare Lösungen vorschlagen". Aber kurzfristige
Lösungen sind bisher Fehlanzeige. Eines der größten Völkerkundemuseen
Deutschlands, das Grassi-Museum, hat jetzt anlässlich seines 150-jährigen
Bestehens eine kleine Sonderschau eröffnet, um den Ursprüngen seiner Existenz
nachzuspüren. In der Kolonialzeit wurde seitens der Museen mitunter eine
aggressive Sammelpolitik gefördert, die bis heute den Grundstock der Bestände
prägt. Zur Eröffnung wurde die Büste des einstigen Generaldirektors Karl Weule
aus dem Foyer abgeräumt und durch einen Bücherstapel ersetzt. Nur ein weiterer
symbolischer Akt? Oder bewegt sich die deutsche Museumlandschaft jetzt doch?
"ttt" sprach mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters, erkundigte sich nach
Sammlungsgeschichte im Grassi-Museum in Leipzig bei Léontine Meijer-van Mensch,
Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen, und interviewte Moritz
Holfelder, Autor der soeben erschienenen Streitschrift "Unser Raubgut". Autorin:
Simone Unger

Der größte Crash aller Zeiten

"Der größte Crash aller Zeiten steht uns bevor", schreiben die
Wirtschaftswissenschaftler Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem jüngsten
Werk mit dem gleichnamigen Titel, "und wir können ihn nicht mehr verhindern!" -
"Es ist nicht die Frage, ob der Crash kommt, sondern wann?", heißt es weiter.
Der Nullzins der EZB, Schulden-, Anleihen- und Immobilienblasen, das sinkende
Vertrauen der Bürger in Politik, Banken und Medien werden insgesamt den Euro
zusammenbrechen lassen, bis spätestens 2023. "Der größte Crash aller Zeiten" ist
das fünfte Buch der beiden und krönender Abschluss ihrer dystopischen
Wirtschaftsprognosen. Eine Steigerung ist nicht mehr möglich. Mit ihren
leidenschaftlichen Vorträgen füllen sie inzwischen riesige Hallen. Ihre aktuelle
Show in der Pforzheimer Zeitung ist seit langem restlos ausverkauft, ihr Buch
sofort auf Nr. 1 der Spiegel-Bestsellerliste geschossen. Was fasziniert die
Menschen so sehr an der Untergangsprophezeiung? Ist es die Sehnsucht, eine immer
komplizierter und unübersichtlicher werdende Welt als das sehen zu dürfen, als
was man sie erhofft: als Auslaufmodell. "ttt" hat Veranstaltungen von Marc
Friedrich und Mathias Weik in einer Reportage begleitet und zeigt die Autoren
und ihr Publikum bei der Arbeit an der Apokalypse. Autor: Dennis Wagner

Moderation: Max Moor

Redaktion: Rayk Wieland / Matthias Morgenthaler (MDR) Im Internet unter
www.DasErste.de/ttt

Pressekontakt:
Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner(at)DasErste.de

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