DER STANDARD-Kommentar: "Grillen und chillen mit Eva" von Michael
Völker
(ots) - "Eva lädt ein": Eva beim Grillen, Eva im Windpark,
Eva beim Heurigen, Eva beim Brunch. Glawischnig nämlich. Knapp sechs
Wochen ist die Grünen-Chefin mit grünem Bus und großem Tross auf Tour
durch Österreich. Frühstück mit Eva, Fußball spielen mit Eva, wandern
mit Eva, radeln mit Eva. Ja, das ist ein bisschen viel Eva, aber Eva
und die Grünen setzen eben auf Eva.
Seit Dienstag gibt es ein neues Sujet: rasen mit Eva.
Der Boulevard hat das begeistert aufgegriffen: Angeblich sei der
Dienstwagen von Glawischnig mit 160 km/h auf der Autobahn unterwegs
gewesen und habe auf der linken Spur gedrängelt. Es gibt ein Video.
Die Grünen sagen, Glawischnig sei in ihre Arbeit vertieft gewesen,
die Geschwindigkeitsübertretung nur minimal gewesen. Kein Grund zur
Aufregung.
Aber der Schaden ist angerichtet. Knapp sechs Wochen wird die
Frontfrau der Grünen auf ihrer Sommertour unterwegs gewesen sein, um
ihre Botschaften unters Grün-affine Volk zu bringen, dann prangt in
den Schlagzeilen: Glawischnig beim Rasen erwischt. Wasser predigen,
Wein trinken. Pech gehabt. Kommunikationstechnisch ist das ein
Fiasko.
Aber nur kurzfristig. Das Thema wird den Sommer nicht überleben. Viel
schwieriger ist es, eine andere Wahrnehmung zu kommunizieren: Wie
erklärt man den Leuten, sprich Wählern, dass die Grünen die Guten
sind? Korruptionsmäßig: sauber. Aufdecken: vorne dabei. Umsetzen:
sehr konstruktiv. Und wer mag das hören? Selbst in den eigenen Reihen
macht sich Ermattung breit: Rolf Holub, außerhalb von Kärnten als
Aufdecker gefeiert, wurde von den eigenen Leuten im vergangenen Jahr
als Sprecher der Landesorganisation abgewählt. Zu viel Hypo, befanden
die Parteifreunde, thematisch zu wenig breit aufgestellt. Schön dumm.
In Wien sind die Grünen in die Verkehrsfalle geraten: Der
vermeintliche Kampf gegen die Autofahrer hat thematisch zu einer
dramatischen Einengung geführt. Die Einführung des Parkpickerls ist
richtig, aber das muss man auch erklären. Die Verschiebung der
Bürgerbefragung ist jedenfalls eine Farce. Die Emotionalisierung des
Radfahrens führt derzeit eher dazu, dass Feindbilder auf allen Seiten
aufgebaut werden, da geht es nicht um ein Miteinander oder
Nebeneinander, sondern um ein Gegeneinander. Das mündet dann in einen
Unsinn wie der Debatte über Kennzeichen für Fahrräder.
Die Grünen tun sich schwerer denn je, ihre Kernthemen zu formulieren
und zu transportieren. Anstatt an den Inhalten zu arbeiten und die
Botschaften zu verdeutlichen, setzt die Parteiführung aber auf
Personenkult: grillen und chillen mit Eva. Dass sich Glawischnig um
Bürgernähe bemüht, ist ihr anzurechnen. Und keiner soll sagen, dass
dies ein entspanntes Vergnügen wäre. Auch für die Tochter von
Wirtsleuten ist das harte Arbeit.
Dennoch müssen die Grünen einen Zahn zulegen, abseits der Autobahn:
Mit den derzeit prognostizierten und offenbar schon wohlwollend
hochgerechneten 15 Prozent bleiben sie verlässlich in der Opposition.
Themen und Positionen müssen argumentiert und vertreten werden.
Eva-Sein ist kein Programm. Die Grünen müssten zeigen, dass sie
inhaltlich und auch personell breiter aufgestellt sind, in
Klagenfurt, in St. Pölten, in Innsbruck, in Wien. Dass sie eine
Partei und eine Bewegung sind, vielseitig, abwechslungsreich,
multikulturell, Eva, Adam und andere.
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Datum: 07.08.2012 - 18:26 Uhr
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Trotz Raserei: Der grüne Personenkult engt die Partei thematisch ein // Ausgabe vom 08.08.2012 W
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