Frauen in der gehobenen Küche: Irland kocht auf höchstem Niveau / An offenen Feuern, in kleinen Bistros oder im Food Truck - die irische Spitzengastronomie hat ein neues Gesicht. Und es ist weiblich.

(ots) - Hinter den Herden von stadtbekannten Restaurants und neuen Designadressen besinnt man sich auf das, was Irland (https://www.ireland.com/de-de/) als Kulinarik-Destination ausmacht: außergewöhnliche Produzenten, kurze Lieferketten und eine Küche, die sich ihrer Herkunft bewusst ist. Das Neue daran: In einem Metier, das lange Zeit Männersache war, übernehmen nun Frauen immer mehr die Küchen der Insel und treiben diese Entwicklung mutig und mit Auszeichnungen voran.
Feuer undÜberzeugung: Kristin Reagon in Finn Lough, County Fermanagh
In einem exklusiven Resort am Ufer des Lower Lough Erne in County Fermanagh, Nordirland, tut sich etwas Ungewöhnliches: Im Restaurant Lasair (https://www.finnlough.com/) - irisch für"Flamme"- kocht ein rein weibliches Team. Angeführt wird es von Kristin Reagon, einer gebürtigen Südafrikanerin, die seit 2021 die Küche im Finn Lough leitet. Sie kombiniert nordirische Zutaten von höchster Qualität mit Techniken aus ihrer Heimat: Live-Fire-Cooking, Braai-Tradition und eine Menüstruktur, die sich an fünfGeschmacksprofilen orientiert - süß, salzig, umami, sauer, floral. Ihr Signature Dish, der über Holzkohle gegrillte Seeteufel mit Safran-Chermoula und einem knusprigen Cashew-Kokos-Mantel, verbindet die wilde Natur Fermanaghs mit der aromatischen Wärme ihrer südafrikanischen Heimat. Der Ansatz ist bewusst:"Als weiblich geführtes Team sind wir stolz darauf, ein Erlebnis zu schaffen, das ebenso nährend wie aufregend ist", sagt Reagon. 2026 vertrat sie Nordirland beim renommierten britischen TV-Kochwettbewerb Great British Menu und widmete ihr Menü nordirischen Frauen in der Filmindustrie.
Pionierin der Nachhaltigkeit: Jess Murphy im Kai in Galway
Seit 2011 kocht Jess Murphy im Kai, mitten im West End von Galway, und hat das Restaurant zu einem eigenwilligen kulinarischen Ort gemacht. Das Menü wechselt täglich - und das hat vor allem praktische Gründe, weil sie auf ein Netzwerk von hundert lokalen Erzeugern und Fischern zurückgreift, die am Morgen liefern, was sie haben. 2024 erhielt das Kai als einziges Restaurant in ganz Irland den Michelin Green Star. Murphy, gebürtigeNeuseeländerin, zeigt seit Jahren, dass gehobene Küche und Konsequenz in der Herkunftsfrage kein Widerspruch sind. 75 Prozent des Mülls werden recycelt, der Rest wird in Energie umgewandelt. Und hinter dem, was auf den Teller kommt, steht ein Name, ein Hof und ein Gesicht.
Doppelt ausgezeichnet in Belfast: Lottie Noren mit EDO und Beau
Belfast hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der spannendsten Gastro-Städte der britischen Inseln entwickelt. Und Lottie Noren ist dabei eine der Hauptfiguren dieser Entwicklung. Die Köchin aus dem Lake District, die seit mehr als einem Jahrzehnt in Belfast zu Hause ist, betreibt mit EDO an der Upper Queen Street eine der gefragtesten Adressen der Stadt, ausgezeichnet mit dem Michelin Bib Gourmand. Im Herbst 2025 eröffnete sie mit Beau ihr zweites Restaurant im Herzen des Cathedral Quarter - und wurde direkt in den Guide Michelin aufgenommen. Hier zelebriert sie eine fast nordisch-klare Reduktion auf das Wesentliche. Ihr Signature-Gericht, ein in Buttergegarter Heilbutt mit Taschenkrebs, verzichtet auf modisches Chichi und lässt die kompromisslose Frische des Fangs aus dem nahen Fischerhafen Kilkeel für sich sprechen. Was sie antreibt, bringt Noren selbst auf den Punkt: In ihrer Küche ist, wie sie sagt,"every day like Saturday night"- ein Satz, der nicht nur für das Lebensgefühl in ihren Restaurants steht, sondern auch für das neue, selbstbewusste Belfast.
Vom Food Truck zur Fernsehbühne: Melissa McCabe
Ein kleiner Food Truck namens Feast, zwei Mini-Grills und ein Frittierkorb: Mehr braucht Melissa McCabe nicht, um gastronomisch erfolgreich zu sein. Die nordirische Köchin ist Autodidaktin durch und durch - ihren Weg in die Spitzengastronomie fand sie fernab von Kochschule, Mentoren-Netzwerk und klassischem Restaurantbetrieb. Und trotzdem - oder gerade deshalb - gelang es ihr, 2024 den nordirischen Vorentscheid des Fernsehwettbewerbs Great British Menu zu gewinnen. McCabes Küche ist laut, ehrlich und unkonventionell. Mit Gerichten wie den Tacos mit butterzart in lokalem Craft-Bier geschmorten Ochsenbäckchen, verfeinert mit einer rauchigen Chipotle-Mayo und eingelegten roten Zwiebeln, zeigt sie, wie die Grenzen zwischen Streetfood und Fine Dining verwischen. Ihre Geschichte verschiebt das Bild der gehobenen Gastronomie: Kulinarische Exzellenz braucht keinen Sternerummel und keine große Infrastruktur. Von Donnerstag bis Sonntag steht ihr Food Truck in Rostrevor im nordirischen County Down.
Junges Talent mit Weitblick: Roann Byrne
Die irische Küche lebt auch von ihrer nächsten Generation und Roann Byrne ist eine ihrer überzeugendsten Vertreterinnen. Als offizielle Botschafterin der Initiative Taste the Atlantic hat sie sich einem Thema verschrieben, das weit über den eigenen Teller hinausgeht: dem Erhalt und der zeitgemäßen Interpretation des irischen maritimen Küchenerbes. Dazu hält sie drei akademische Abschlüsse im Bereich Food Studies, darunter einen Master of Arts in Gastronomy and Food Studies der TU Dublin. Ihre Masterarbeit untersuchte die strukturellen Barrieren für Frauen in irischen Profiküchen, ein Thema, das sie nicht nur akademisch beschäftigt. Byrne schlägt die Brücke zwischen Wissenschaft, Aktivismus und Handwerk und macht eine neue Generation sichtbar, die hinter dem steht, was auf den Tisch kommt, und Gastronomie nicht nur als Handwerk versteht, sondern als Teil einesKultur- und Ökosystems.
Von der Kieme bis zur Flosse: Aishling Moore im Goldie, Cork
Mit 24 Jahren eröffnete Aishling Moore das Goldie in der Oliver Plunkett Street im Herzen von Cork und etablierte damit ein Fischrestaurant, das sich ganz dem nachhaltigen Fischfang verschrieben hat. Ihr Ansatz heißt"Gill-to-Fin": Moore nimmt von den lokalen Fischern den gesamten Fang ab, nicht nur die Edelfische. Was im Netz landet, kommt auf den Teller, von Seehahnüber Rochen bis hin zu weiterem Beifang und wird mit technischer Präzision und asiatisch inspirierten Aromen zubereitet, die weit über die irische Küchentradition hinausweisen. Sie erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen wie den Michelin Bib Gourmand, den sie seit 2021 durchgehend hält, dazu wurde sie Best Chef in Ireland 2024 und Young Chef of the Year 2023. Ihr Kochbuch"Whole Catch"erschien 2024. Moore ist Vordenkerin einer Branche, die gelernt hat, das Meer zu respektieren.
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Schlagwörter: Kulinarik | Spitzengastronomie | Frauen | Irland | Nordirland
(19.08.2026-kk)
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Datum: 19.08.2026 - 09:54 Uhr
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