Milliarden-Deal bei den Lieferdiensten–was Uber mit dem Kauf von Delivery Hero wirklich bezweckt
(ots) - Mit derÜbernahme von Delivery Hero für rund 13 Milliarden Euro setzt Uber auf einen der größten Deals der europäischen Tech-Branche. Doch hinter der Transaktion steckt weit mehr als reines Wachstum. Entscheidend sind die besondere Ausgangslage auf der Verkäuferseite, strategische Marktpositionen und die Chance, sich langfristige Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Die spannendste Frage bei solchen Deals ist nicht der Kaufpreis, sondern der strategische Mehrwert. Wer sich durch eineÜbernahme einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verschafft, zahlt oft nicht zu viel, sondern genau den richtigen Preis. Hier erfahren Sie, warum Uber gerade jetzt bei Delivery Hero zugreift, weshalb attraktive Übernahmen häufig aus besonderen Situationen entstehen und was Mittelständler daraus für ihre eigene M&A-Strategie lernen können.
Warum der Dealüberhaupt möglich wurde
Dieöffentliche Wahrnehmung konzentriert sich vor allem auf Uber als Käufer. Tatsächlich begann die Geschichte jedoch auf der Verkäuferseite. Der Großaktionär Prosus veräußerte sein rund 17-prozentiges Aktienpaket nicht freiwillig, sondern aufgrund von Auflagen der EU-Kommissionim Zusammenhang mit der eigenen Übernahme von Just Eat Takeaway. Dadurch kam ein bedeutendes Beteiligungspaket überhaupt erst auf den Markt.
Für Uber eröffnete sich damit eine seltene Gelegenheit. Das Unternehmen hielt bereits einen erheblichen Anteil an Delivery Hero und konnte seine Position nun gezielt ausbauen, anstatt bei null einzusteigen.
Gerade dieser Ablauf zeigt, dass attraktiveÜbernahmen häufig nicht deshalb entstehen, weil ein Unternehmen aktiv verkauft wird. Vielmehr sind es oft strukturelle Veränderungen auf Gesellschafterebene, die Transaktionen ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise ungeklärte Unternehmensnachfolgen, Erbfälle, Gesellschafterkonflikte oder finanzielle Zwänge. Wer solche Entwicklungen früh erkennt, kann oftmals handeln, bevor ein klassischer Bieterprozess beginnt.
Nicht der Kaufpreis entscheidet, sondern der strategische Nutzen
Auf den ersten Blick wirken rund 13 Milliarden Euro wie eine außergewöhnlich hohe Bewertung. Betrachtet man den Deal genauer, relativiert sich dieser Eindruck jedoch. Entscheidend ist nicht allein die absolute Summe, sondern das Verhältnis zwischen Preis und künftigem Ertrag sowie dem strategischen Nutzen der Übernahme.
Uber erhält Zugang zu Märkten, in denen sich eine vergleichbare Position heute kaum noch organisch aufbauen ließe – etwa in Südkorea, Saudi-Arabien, Italien oder Argentinien. Genau diese Marktstellungen machen den eigentlichen Wert der Transaktion aus.
Für Unternehmenskäufer gilt deshalb ein wichtiger Grundsatz: Ein hoher Preis ist nicht automatisch überhöht. Entscheidend ist vielmehr, ob mit der Übernahme ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht, der auf anderem Weg kaum erreichbar wäre.
Auch Mittelständler können Transaktionen aktiv gestalten
Bemerkenswert ist zudem, dass Uber nicht sämtliche Geschäftsbereiche übernimmt. In mehreren Märkten mit Überschneidungen werden einzelne Aktivitäten an einen Finanzinvestor weiterverkauft. Die Transaktion wird also gezielt zugeschnitten, anstatt das gesamte Unternehmen unverändert zu übernehmen.
Dieses Vorgehen lässt sich auch auf den Mittelstand übertragen. Nicht jedes Geschäftsfeld oder jeder Standort muss zwingend Teil eines Unternehmenskaufs sein. Unprofitable Niederlassungen, Randaktivitäten oder einzelne Beteiligungen können aus einer Transaktion herausgelöst werden, wenn dadurch beide Seiten profitieren. In der Praxis werden solche Gestaltungsmöglichkeiten jedoch noch vergleichsweise selten genutzt.
Vertrauen entscheidet häufig über den Zuschlag
Neben wirtschaftlichen Kennzahlen spielen bei Unternehmensverkäufen regelmäßig auch emotionale Faktoren eine wichtige Rolle. Uber hat sich beispielsweise verpflichtet, den Berliner Standort zu erhalten und bis mindestens 2029 keine Veränderungen an der dortigen Belegschaft vorzunehmen. Solche Zusagen schränken zwar die eigene Flexibilität ein, erhöhen jedoch die Akzeptanz der Übernahme.
Gerade im Mittelstand ist dieser Aspekt häufig sogar wichtiger als der letzte Prozentpunkt beim Kaufpreis. Unternehmer, die ihren Betrieb über Jahrzehnte aufgebaut haben, achten nicht ausschließlich auf das höchste Angebot. Ebenso wichtig ist die Frage, wie es mit den Beschäftigten, dem Unternehmen und dem eigenen Lebenswerknach dem Verkauf weitergeht. Vertrauen kann deshalb letztlich den Ausschlag geben, welcher Käufer den Zuschlag erhält.
Lange Transaktionsprozesse bergen zusätzliche Risiken
Ein weiterer Unterschied liegt im zeitlichen Ablauf. Bis zum endgültigen Vollzug der Übernahme können bei internationalen Großtransaktionen viele Monate vergehen. Während dieser Phase herrscht häufig Unsicherheit. Strategische Entscheidungen werden verschoben, Mitarbeitende warten auf Klarheit und Wettbewerber nutzen die Situation mitunter für eigene Marktinitiativen.
Im Mittelstand verlaufen Unternehmenskäufe oft deutlich schneller. Zwischen der Unterzeichnung einer Absichtserklärung und dem Abschluss der Transaktion liegen nicht selten nur wenige Monate. Das reduziert Unsicherheiten und erleichtert die operative Umsetzung.
Große Schlagzeilen, dieselben Prinzipien
Der Milliarden-Deal zwischen Uber und Delivery Hero verdeutlicht, nach welchen Regeln erfolgreiche Unternehmensübernahmen tatsächlich funktionieren. Im Mittelpunkt stehen nicht spektakuläre Kaufpreise, sondern strategische Überlegungen: Welche Marktposition wird erworben? Welche Wettbewerbsvorteile entstehen? Und welche Handlungsmöglichkeiten eröffnet die Transaktion langfristig?
Dieselben Mechanismen prägen auch zahlreiche Unternehmensverkäufe im deutschen Mittelstand – etwa im Handwerk, im Gesundheitswesen, bei Steuerkanzleien oder in Pflegeunternehmen. Sie finden meist abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit statt, folgen aber denselben wirtschaftlichen Prinzipien. Wer bei einer Übernahme vor allem den strategischen Mehrwert bewertet, trifft langfristig häufig die besseren Entscheidungen als derjenige, der ausschließlich auf den Kaufpreis blickt.
Über Fabian Zamzau und Michael Polit:
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