"Produktivität um jeden Preis?": Neues Buch untersucht die Grenzen der Selbstoptimierung
Zwischen Konzentration und Selbstausbeutung: Patrick Peters legt neues Buch zur Produktivitätskultur vor und plädiert für mehr Wirksamkeit und weniger Optimierungsdruck.

(IINews) - Produktivitäts-Apps, Zeitmanagementsysteme, optimierte Morgenroutinen und ständig neue Methoden sollen Menschen dabei helfen, mehr zu leisten und ihre Arbeit besser zu organisieren. Und dennoch erleben viele Menschen ihren Alltag als Folge von Unterbrechungen, unerledigten Aufgaben und wachsendem Optimierungsdruck: Das Gefühl permanenter Zeitknappheit, Fragmentierung der Aufmerksamkeit und eine steigende psychische Belastung sind die Folge. Mit seinem neuen Buch"Produktivität um jeden Preis? Wirtschaft und Gesellschaft zwischen Konzentration, Selbstoptimierung und Selbsttäuschung"untersucht Patrick Peters diese widersprüchliche Entwicklung. Das Sachbuch ist im Kohlhammer Verlag in der Reihe"Wirtschaft kontrovers"erschienen.Dr. Patrick Peters ist Professor für Kommunikation und Nachhaltigkeit, Publizist und Kommunikationsberater. Er beschäftigt sich mit Fragen an den Schnittstellen von Ethik, Kommunikation, Führung und verantwortungsbewusster Unternehmenspraxis und setzt sich als Herausgeber der Reihe"Wirtschaft kontrovers"mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen auseinander, die eine fundierte Einordnung jenseits vereinfachender Positionen verlangen.
Seine Kernaussage lautet:"Problematisch ist nicht Produktivität als solche, sondern eine Ideologie grenzenloser Optimierung, die Produktivität zum Selbstzweck erhebt. Diese Kultur ist historisch entstanden, wird wirtschaftlich verstärkt und verursacht psychologische sowie soziale Kosten."Die zentrale These des Buches richtet sich also nicht gegen Leistungsbereitschaft, gute Organisation oder den Wunsch, sinnvolle Ergebnisse zu erzielen. Peters kritisiert eine Optimierungslogik, in der die Arbeit an der eigenen Produktivität die eigentliche Arbeit verdrängen. Die vermeintliche Produktivitätsarbeit vermittelt das Gefühl von Kontrolle, ohne zwingend zu besseren Ergebnissen zu führen. Ein Leitbegriff des Buches ist die"Produktivitätsfalle". Gemeint ist eine Situation, in der das Planen, Sortieren, Optimieren und Konsumieren von Produktivitätsinhalten mehr Raum einnimmt als die Aufgabe, die ursprünglich bewältigt werden sollte. Peters spricht in diesem Zusammenhang von Meta-Produktivität: von Arbeit an der Arbeit, die zunehmend zum Ersatz für tatsächlichen Fortschritt wird."Viele Menschen leiden nicht an einem Mangel an Methoden, sondern an einemÜbermaß an Organisationsangeboten. Die fortwährende Suche nach dem perfekten System kann selbst zu einer besonders unauffälligen Form des Aufschubs werden", sagt er.
Peters ordnet die gegenwärtige Selbstoptimierung in eine längere Geschichte der Arbeit ein. Von der moralischen Aufladung des Fleißes über die industrielle Vermessung von Arbeitsabläufen bis zu digitalen Tracking-Systemen verändert sich die Form der Kontrolle, während der Anspruch auf stetige Steigerung erhalten bleibt. In der Wissensarbeit wird diese Kontrolle zunehmend verinnerlicht: Beschäftigte messen, bewerten und optimieren ihre Leistung selbst. Damit werden organisatorische und gesellschaftliche Anforderungen leicht zu Fragen persönlicher Disziplin umgedeutet. Das Buch prüft zugleich, welche verbreiteten Produktivitätsansätze tatsächlich hilfreich sein können. Peters analysiert Konzepte wie Deep Work, Flow, Atomic Habits, Getting Things Done und die Zettelkasten-Methode hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Grundlagen, Voraussetzungen und Grenzen. Seine Schlussfolgerung: Gute Methoden können Konzentration und Selbstorganisation unterstützen. Ihr Nutzen hängt jedoch von der Tätigkeit, den persönlichen Voraussetzungen und den organisatorischen Rahmenbedingungen ab. Ein universelles System für produktives Arbeiten existiert nicht.Besondere Aufmerksamkeit widmet Peters auch der Konzentrationsfähigkeit. Digitale Arbeitsumgebungen fördern häufig kurze Reaktionszyklen, Aufgabenwechsel und permanente Erreichbarkeit. Dadurch wächst die sichtbare Aktivität, während zusammenhängende Denk- und Arbeitsphasen seltener werden. Das Buch versteht Konzentration deshalb als Voraussetzung hochwertiger Wissensarbeit und als Fähigkeit, die organisatorisch geschützt werden muss.
Das Buch wirbt für einen Wechsel von der Steigerungslogik zur Wirksamkeit. Dazu gehören das Akzeptieren begrenzter Kapazitäten, die Konzentration auf bedeutsame Aufgaben und ein Verständnis von Erholung als Bestandteil leistungsfähiger Arbeit. Herbert Simons Prinzip des"Satisficing", also die rationale Entscheidung für eine hinreichend gute Lösung, erscheint dabei als Gegenmodell zur endlosen Suche nach dem Optimum."Eine tragfähige Produktivitätskultur erkennt Grenzen an. Sie fragt, welche Arbeit Wirkung entfaltet, welche Bedingungen Konzentration ermöglichen und welcher Aufwand für ein gutes Ergebnis angemessen ist", stellt der Autor heraus. Mit seiner Verbindung aus wissenschaftlicher Analyse, kritischer Einordnung und konkreter Orientierung richtet sich das Buch an Leser, dieüber schnelle Produktivitätstricks hinausdenken möchten und Ansatzpunkte für eine Arbeitsweise suchen, die Leistung und Lebensqualität miteinander vereinbart.
Patrick Peters: Produktivität um jeden Preis? Wirtschaft und Gesellschaft zwischen Konzentration, Selbstoptimierung und Selbsttäuschung. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2026 (Print: ISBN 978-3-17-047232-7; PDF: ISBN 978-3-17-047233-4; EPUB: ISBN 978-3-17-047234-1)
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Prof. Dr. Patrick Peters ist Berater, Trainer und Publizist für strategische Kommunikation, Positionierung, Change-Kommunikation und Diversity-orientierte Organisationsentwicklung in Mönchengladbach. Als ausgebildeter Finanz- und Wirtschaftsjournalist begleitet er seit vielen Jahren Unternehmen, Organisationen und Berufsverbände bei der Entwicklung klarer Kommunikationsstrategien, in der Medienarbeit sowie in der internen, externen und kundenbezogenen Kommunikation. Seine Arbeit verbindet kommunikative Präzision mit strategischer Organisationsperspektive - insbesondere dort, wo Veränderungsprozesse, Führungsfragen und kulturelle Entwicklung kommunikativ wirksam gestaltet werden müssen. Ein Schwerpunkt seiner Beratung liegt auf der verständlichen und adressatengerechten Aufbereitung komplexer Themen. Dazu entwickelt und realisiert Patrick Peters Inhalte und Formate für Pressearbeit, Fachkommunikation, Expertenpositionierung und publizistische Vorhaben bis hin zu Ghostwriting-Projekten für Aufsätze und Bücher. Unternehmen profitieren dabei von einer Beratung, die Kommunikation nicht nur als Instrument der Sichtbarkeit versteht, sondern als Bestandteil von Führung, Transformation, Kultur und Reputation. Zu seinen fachlichen Schwerpunkten zählen professionelle Kommunikation in Change-Management-Prozessen, Diversity Management als strategisches Handlungsfeld, Führungskommunikation sowie die kommunikative Begleitung organisationaler Entwicklung. Branchlich arbeitet Prof. Dr. Patrick Peters vor allem für Unternehmen aus der Finanz- und Beratungsindustrie, der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie dem Handwerk. Neben seiner Tätigkeit in Beratung, Training und Redaktion ist Prof. Dr. Patrick Peters wissenschaftlich aktiv. Er ist Professor für Kommunikation und Nachhaltigkeit sowie Prorektor für Forschung und Lehrmittelentwicklung an der Allensbach Hochschule, wo er auch Wirtschaftsethik und Diversity Management lehrt. Darüber hinaus unterrichtet er Wirtschaftsethik an der Hochschule Niederrhein und ist Herausgeber der Reihe"Wirtschaft kontrovers"im Kohlhammer Verlag. Mit seinem Seminar- und Beratungsangebot unterstützt er Einzelpersonen, Teams und Organisationen dabei, Kommunikation professioneller, klarer und strategisch wirksamer zu gestalten. Weitere Informationen stehen unter www.pp-text.de zur Verfügung.
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Datum: 25.07.2026 - 07:40 Uhr
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