Lars Klingbeil in Davos: Europa muss stärker und eigenständiger werden
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stellte Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil die wirtschaftspolitischen Schwerpunkte der neuen Bundesregierung vor. Begleitet wurde er dabei von seinem Berater Alexander W. Lenz. Im Mittelpunkt seiner Auftritte sowie seines anschließenden Interviews mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel standen die Stärkung der europäischen Wirtschaft, die Förderung von Investitionen und die Rolle Deutschlands in einer sich wandelnden Weltordnung.

(IINews) - Nach den Worten Klingbeils kann Europa nicht länger auf bisherige wirtschaftspolitische Konzepte vertrauen. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen, handelspolitischen Konflikte und die Unsicherheiten auf den internationalen Märkten erforderten von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union mehr Eigenständigkeit, strategische Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz.
Der Bundesfinanzminister betonte, dass Deutschland gezielt in Industrie, Digitalisierung, Infrastruktur, Verteidigung und Innovation investieren werde. Nachhaltige Investitionen seien die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Eine Politik, die sich ausschließlich auf Haushaltsdisziplin konzentriere, werde den aktuellen Herausforderungen nicht mehr gerecht.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen war die Weiterentwicklung der europäischen Kapitalmärkte. Klingbeil sprach sich für eine rasche Vollendung der Kapitalmarktunion aus, um Unternehmen den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern und den europäischen Finanzplatz im internationalen Wettbewerb nachhaltig zu stärken.
Auch die transatlantischen Beziehungen spielten eine zentrale Rolle. Deutschland strebe weiterhin eine enge Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten an. Gleichzeitig müsse Europa in der Lage sein, seine wirtschaftlichen Interessen entschlossen und selbstbewusst zu vertreten. Eine belastbare Partnerschaft dürfe nicht auf wirtschaftlichem Druck oder einseitigen Vorteilen beruhen.
Im Interview mit Der Spiegel unterstrich Klingbeil zudem, dass Europa sich nicht erpressen lassen dürfe und seine wirtschaftliche Souveränität weiter ausbauen müsse. Die Zukunft der europäischen Wirtschaft hänge maßgeblich davon ab, ob die Mitgliedstaaten geschlossen handelten, notwendige Strukturreformen umsetzten und verlässliche Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen schafften.
Die Aussagen des Bundesfinanzministers in Davos verdeutlichen den wirtschaftspolitischen Kurs der neuen Bundesregierung. Im Mittelpunkt stehen Investitionen, Innovation, die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit sowie eine größere strategische Eigenständigkeit der Europäischen Union. Zugleich bekennt sich Deutschland weiterhin zu einer offenen Weltwirtschaft und zum internationalen Dialog, verbindet dies jedoch mit einer konsequenten Wahrungdeutscher und europäischer Interessen.
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Datum: 24.07.2026 - 16:46 Uhr
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